„Ohne Wunden in der Natur geht es nicht“

Wo ueberall werden in Zukunft Windraeder stehen im Kreis? Foto: Privat
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Wo ueberall werden in Zukunft Windraeder stehen im Kreis? Foto: Privat

Werra-Meißner. Wie viele Windräder werden im Werra-Meißner-Kreis für Energie sorgen? In der Sitzung des Umweltausschusses des Kreistags wurde beka

Werra-Meißner. Wie viele Windräder werden im Werra-Meißner-Kreis für Energie sorgen? In der Sitzung des Umweltausschusses des Kreistags wurde bekannt, dass im "Regionalplan Wind" 17 Vorrangflächen im Werra-Meißner-Kreis verzeichnet sind, zehn davon sind bisher von der Oberen Naturschutzbehörde abgesegnet.

"Von den 17 Flächen werden noch viele rausfallen", sagt Lothar Seeger, SPD-Mitglied des Umweltausschusses des Kreistags. Das Flächenziel von zwei Prozent werde im Werra-Meißner-Kreis nicht erreicht werden, prognostiziert er. Diese zwei Prozent wurden auf dem hessischen Energiegipfel beschlossen, müssen aber nicht in jedem Landkreis erfüllt werden.

Die Standortwahl für Windräder richtet sich nach zwei Kriterien: Sie muss möglichst effektiv, das heißt, Wind muss ausreichend wehen und zweitens soll die Beeinträchtigung von Mensch und Natur möglichst gering sein.

Und hier liegt das Problem: Weil ein Viertel der Gesamtfläche des Kreises sogenannte FFH-Gebiete sind (siehe EXTRA INFO I), ist der Platz für Windräder knapp. "Das Regierungspräsidium hat alle FFH-Gebiete pauschal ausgeschlossen", sagt Umweltdezernent Dr. Rainer Wallmann, der eine Beurteilung je nach Schutzziel des jeweiligen Gebietes fordert.

Dasselbe gelte für Trinkwasserschutzzonen, die bisher ebenfalls vom RP ausgeschlossen sind. "Wir brauchen auch hier eine Einzelfallentscheidung, ob eine Trinkwasserschädigung vorliegen würde", so Wallmann.

Nicht nur er sieht durch die rigiden Vorgaben des Regierungspräsidiums die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes gefährdet, das vorsieht bis 2050 die Energieversorgung im Kreis ausschließlich mit erneuerbaren Energien zu leisten. "Ohne Windenergie werden wir das aber nicht schaffen", so Wallmann.

Deshalb stellen SPD und Grüne einen Antrag im Kreistag, das größte FFH-Gebiet im Kreis "Werra- und Wehretal" auf mögliche geeignete Flächen untersuchen zu lassen. "Wir wollen es überprüft wissen", so Lothar Seeger.

Friedrich Arnoldt, für die CDU im Umweltausschuss, sagt: "Ohne Wunden in der Natur wird es nicht gehen. Und das müssen wir den Menschen im Kreis auch sagen."

Ihm widersprach sein Parteikollege Peter Roeder von Diersburg: "Windkraft darf nicht vor Naturschutz gehen."

Nach aktuellem Stand wären viele Kommunen im Kreis, wie Eschwege, Wanfried, Berkatal und Meißner komplett außen vor in Sachen Windkraft. Die Flächen beschränken sich bis jetzt auf Gebiete im Norden des Kreises, bei Hessisch Lichtenau und Witzenhausen, sowie im südlichen Zipfel bei Sontra und Herleshausen.

Ein weiteres Gebiet könnte in der Gemeinde Ringgau dazu kommen. Denn im Haupt- und Planungsausschuss der Regionalversammlung wurde einem Antrag der SPD zugestimmt, in der Gemarkung Grandenborn eine Windvorrangfläche im Regionalplan auszuweisen. Das Regierungspräsidium hatte dieses Gebiet ausgeschlossen, da es in einem Wasserschutzgebiet-Zone 2 liegt (siehe EXTRA INFO II). Eine endgültige Entscheidung über den SPD-Antrag fällt morgen in der Regionalversammlung.

EXTRA INFO I

Was ist ein FFH-Gebiet?

FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden und dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Habitaten (Lebensraumtypen) dienen. Die Bundesländer stellen Listen von Schutzgebieten – die FFH-Gebiete – zusammen.

EXTRA INFO II

Wasserschutzgebiet – Zone 2

Die Festsetzung von Wasserschutzgebieten ist traditionell ein Eckpfeiler des vorbeugenden flächenhaften Grundwasserschutzes zur Sicherstellung der öffentlichen Trinkwasserversorgung in Hessen. Zone II (Engere Schutzzone): Diese Zone wird in der Regel so abgegrenzt, dass die Fließzeit des Grundwassers vom äußersten Rand der Schutzzone bis zur Fassung mind. 50 Tage beträgt. In dieser Zeit können bakteriologische Verunreinigungen abgebaut werden.Quelle: Hessisches Umweltministerium

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