Reuß im Interview: „Firmen gezielt fördern“

+
Der amtierende Landrat und SPD-Kandidat fuer die Wahl am Sonntag, Stefan Reuss, im Interview mit MB-Media-Redaktionsleiter Lars Winter. Foto: Simon

Werra-Meißner. Am nächsten Sonntag ist Landratswahl im Werra-Meißner-Kreis. Der Marktspiegel sprach mit beiden Kandidaten, Magnus Schmagold und Ste

Werra-Meißner. Am nächsten Sonntag ist Landratswahl im Werra-Meißner-Kreis. Der Marktspiegel sprach mit beiden Kandidaten, Magnus Schmagold und Stefan Reuß. Hier lesen Sie das Interview mit dem Amtsinhaber.

Marktspiegel (MS):Im Wahlkampf haben die Bürgerinnen und Bürger viel darüber erfahren, welche inhaltlichen Schwerpunkte Sie in Ihrer ersten Amtszeit gelegt haben. Womit wollen Sie, im Fall Ihrer Wiederwahl, zukünftig den Werra-Meißner-Kreis voranbringen?

Reuß: Wir haben derzeit eine Arbeitslosenquote von um die sechs Prozent und damit einen historischen Tiefstand erreicht. Darauf möchte ich aufbauen und durch eine gezielte Wirtschaftsförderung dafür sorgen, dass sich unsere Unternehmen gut entwickeln können und eine ausreichende Zahl qualifizierter Fachkräfte vor Ort finden. Wichtig ist dabei aus meiner Sicht auch, dass es uns gelingt, gerade die heimischen Unternehmen und Handwerksbetriebe mit in das große Projekt der Stärkung der erneuerbaren Energien einzubinden.

Selbstverständlich ist es auch Aufgabe der Kreisverwaltung dafür zu sorgen, dass die Rahmenbedingung für Unternehmen und Investoren stimmen. Wir haben heute schon das schnellste Bauamt in ganz Hessen. Investoren werden von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von der Bauvoranfrage bis zur Realisierung so betreut und beraten, dass keine unnötigen Verzögerungen entstehen.

MS: Stichwort Infrastruktur – Was ist aus Ihrer Sicht zukünftig noch zu tun, um die Attraktivität unserer kleinen Städte und Dörfer zu erhalten?

Reuß:Eins ist unverzichtbar: Wenn wir im Wettbewerb mit anderen Regionen als Wirtschafts- und Wohnstandort bestehen und allen Generationen eine Perspektive bieten wollen, muss die Infrastruktur nicht nur erhalten, sondern auch ausgebaut werden. Unser Umgang mit den Folgen der demografischen Veränderungen gilt inzwischen bundesweit als Vorbild.

Hierzu gehören Nahversorgungsangebote, genauso wie ein Personennahverkehr und eine gute medizinische Versorgung. Gerade beim Thema Nahversorgung gibt es große Erfolge. Ich setze mich dafür ein, dass in allen unseren Flächengemeinden wohnortnahe Versorgungsstrukturen erhalten bleiben und, wo nötig, auch neue moderne Angebote geschaffen werden. Gleiches gilt für die ärztliche Versorgung, wo ich auch ganz klar dafür kämpfen werde, dass die Rahmenbedingen von Landes- und Bundesseite verbessert werden.

MS: Sie haben eben schon die Gesundheitsversorgung angesprochen. Unsere Krankenhäuser in Witzenhausen und Eschwege galten lange Zeit als stark gefährdet und die Orthopädische Klink in Hessisch Lichtenau macht derzeit Schlagzeilen. Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung in diesem Bereich?

Reuß: Unsere beiden Krankenhäuser in Eschwege und Witzenhausen sind wieder fit. Das neu gegründete Klinikum Werra-Meißner hat sich nicht nur hervorragend entwickelt, es wird auch kräftig investiert und nicht nur in Gebäude und Technik, sondern auch in zusätzliches Personal.

Das uns die Landeskirche darum gebeten hat, dass unsere Geschäftsführer auch in der Orthopädischen Klinik in Hessisch Lichtenau Verantwortung übernehmen, ist eine Bestätigung für das erfolgreiche Sanierungskonzept. Ich bin mir sicher, dass sich zusammen mit der Landeskirche auch eine sichere Zukunft für den Klinikstandort Hessisch Lichtenau und somit für die gesamte Gesundheitslandschaft Werra-Meißner entwickeln lassen kann.

MS: Die Jugend- und Sozialpolitik war erkennbar ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit in den letzten sechs Jahren. Wo sehen Sie Erfolge? Was ist aus Ihrer Sicht noch zu tun?

Reuß: Der Werra-Meißner-Kreis ist mit seinen Kommunen in Sachen Familienfreundlichkeit hervorragend vorangekommen. So konnten wir uns als Wohnstandort deutlich profilieren. Inzwischen nehmen wir mit einer Versorgungsquote von über 34 Prozent für die Betreuung der unter dreijährigen Kinder landesweit eine Spitzenposition ein. Mehr als die Hälfte der 58 Kindertagesstätten haben sich auf den Weg gemacht, Familienhäuser zu werden. Dies unterstütze ich gern auch weiter. Mein Ziel ist es, alle Tagesstätten zu Familienhäusern weiter zu entwickeln.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist und bleibt ein dynamischer Prozess und so müssen wir weiter hart daran arbeiten, unsere Strukturen zu verbessern. Durch meine Initiative haben wir ein Grundschulkinderbetreuungsprogramm aufgelegt, das inzwischen an 20 unserer 23 Grundschulen realisiert wurde. Mit mehr als 470 Plätzen bieten wir nicht nur Betreuungsangebote am Nachmittag, sondern leisten damit auch präventiv wertvolle Arbeit.

MS: Sozialleistungen kosten Geld, Geld das der Werra-Meißner-Kreis nicht hat. Was wollen Sie tun, um die schwierige Haushaltssituation zukünftig zu verbessern?

Reuß:Der Regierungspräsident bescheinigt uns seit Jahren eine ausgesprochen sparsame Haushaltspolitik. Doch alle Bemühungen, aus den roten Zahlen herauszukommen, scheitern daran, dass wir vom Bund und dem Land ständig neue Aufgaben übertragen bekommen, ohne eine entsprechende ausreichende Finanzausstattung zu erhalten. Deswegen klagen wir als Kreis gemeinsam mit anderen Landkreisen gegen das Land Hessen. Wir wollen so verhindern, dass der Kommunale Finanzausgleich weiter beschnitten wird und die Kreise und Kommunen weiter ausbluten. Geld ist aber nicht alles, daher haben wir in den letzten Jahren erfolgreich versucht, das bürgerschaftliche Engagement zu fördern. Es ist unverzichtbar, dass sich auch zukünftig viele Frauen und Männer, Jugendliche und Kinder im Werra-Meißner-Kreis ehrenamtlich engagieren. Ich habe mich deshalb dafür eingesetzt, das ehrenamtliche Engagement zu stärken und eine Kultur der Wertschätzung zu schaffen.

Hier geht's zum Interview mit Magnus Schmagold (CDU)

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Lions Club Eschwege-Werratal: Die Gewinnnummern des Adventskalenders

Täglich um neun Uhr veröffentlichen wir auf lokalo24.de die Gewinnzahlen des Adventskalenders des Lions Clubs Eschwege-Werratal.
Lions Club Eschwege-Werratal: Die Gewinnnummern des Adventskalenders

Bau des neuen Hotels auf Müllers Weiden soll im März beginnen

Das Hotel, das durch das Unternehmerehepaar Kühnemund realisiert wird, soll auch noch im kommenden Jahr fertig gestellt werden.
Bau des neuen Hotels auf Müllers Weiden soll im März beginnen

Am Kreisel „Leimentor" in Eschwege: Autofahrer fuhr Radfahrer an und flüchtete

Der Radfahrer wurde durch den Zusammenstoß über die Motorhaube des Autos auf die Straße geschleudert und dabei leicht verletzt. Der Autofahrer fuhr weiter.
Am Kreisel „Leimentor" in Eschwege: Autofahrer fuhr Radfahrer an und flüchtete

Neuer Internetauftritt der Stadt Eschwege

Benutzerfreundlich, aufgeräumt, klar strukturiert und für Desktop, Tablet und Handy geeignet, das ist die neue Webseite der Kreisstadt Eschwege, die in der vergangenen …
Neuer Internetauftritt der Stadt Eschwege

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.