Von Salz und Sole

MARKTSPIEGEL forschte nach, woher das Brunnenfest seinen Namen hatVon MATHIAS SIMONBad Sooden-Allendorf. Das Brunnenfest in der Kurstadt des Wer

MARKTSPIEGEL forschte nach, woher das Brunnenfest seinen Namen hat

Von MATHIAS SIMON

Bad Sooden-Allendorf. Das Brunnenfest in der Kurstadt des Werra-Meiner-Kreises hat Tradition. Zu Pfingsten wird vom 22. bis 24. Mai der Saline, in der das weie Gold, sprich das Salz gewonnen wurde, gedacht. Ihm hat Allendorf seinen einstigen Wolstand zu verdanken. Gerhard Rademacher vom Verein fr Heimatkunde schtzt, dass seit dem 9. Jahrhundert Salz in Sooden, dem Industriegebiet von Allendorf, gefrdert und von hier aus als Exportschlager weiterverkauft wurde. Vielleicht stammt auch schon aus dieser Zeit die Rivalitt zwischen den beiden Stadtteilen, die bis in die heutige Zeit angehalten hat. Aber das soll heute nicht das Thema sein - zurck zum Brunnenfest: Bis ins 14. Jahrhundert waren die Allendorfer Pfnner fr die Saline zustndig. Hier wurden zweidrittel des kurhessischen Staatshaushaltes erwirtschaftet. Bis zu 100.000 Tonnen Salz wurden in guten Zeiten jhrlich erwirtschaftet, so Rademacher. 2.000 Mann arbeiteten in der Saline, um die Sole in groen Pfannen zu erhitzen. brig blieb am Ende das Salz, was in dieser Zeit eine sehr wertvolle Ware war. Die Brger durften nur hessisches Salz verwenden. Es gab sozusagen ein echtes Monopol. Wer sich nicht daran hielt, der wurde hart bestraft, zum Beipiel in Eisen gelegt, erklrt Rademacher. Das um Allendorf herum viele Hektar Wald zu finden waren, war wichtig fr die Salzproduktion, den das Feuer, dass die Pfannen erhitzte, wurde mit Hlzern aus den eigenen Bestnden entfacht. Ein Kubikmeter Holz war ntig, um einen halben Zentner Salz herzustellen, informiert Rademacher.

Um diesen Rohstoff nicht stndig zusammensammeln zu mssen, gab es ein Geschft mit den Salztrgern, der Wappenfigur der diesjhrigen Brunnefest-Plakette. Der Salztrger hatte eine Art 400-Euro-Job. Er trug bis zu 50 Kilogramm Salz in seinem Rucksack im Umkreis von 60 Kilomtern zu Fu in die umliegendne Drfer und Stdte. Sogar bis nach Kassel, wei Rademacher. Die Salztrger seien allerdings keine Sder, sondern Hainer gewesen und haben oberhalb Soodens, dem heutigen Groen Hain, gewohnt.

Dreimal die Woche bekamen die 20 bis 25 Salztrger das Salz ausgehndigt. Allerdings nur gegen Reisholz, das meist die Kinder der Salztrger in den Wldern zusammen sammelten. Das Reisholz wurde verwendet, um die Pfannen zu erhitzen. Und das durfte lngst nicht jeder, denn die Pfnner gaben ihren Beruf immer an ihre Nachkommen weiter. Wer Pfnner werden wollte, musste schon die Witwe eines verstorbenen Pfnners heiraten. Das lohnte sich, denn als Pfnner war man wohlhabend und angesehen, konnte am Ende eines Arbeitstages das Depotatsalz im Siedekot zusammenfegen und verkaufen, erklrt Rademacher.Der Verkauf des Salzes in groen Mengen war allerdings die Haupteinnahmequelle fr die Saline. Aufgrund des hohes Wertes, wurde das Salz immer im Konvoi von mehreren Fahrzeugen in die Slzer Hfe, wie zum Beispiel Homberg gebracht. Die Salztrger dagegen trugen ihre Ware auf dem Rcken umher. Bis zu einer Woche waren sie unterwegs, wurden oft berfallen, denn sie fhrten mit dem Salz etwas mit sich, was sich leicht und gewinnbringend wieder verkaufen lie.Im Laufe der Jahre wurde die Saline heruntergewirtschaftet und die Salzproduktion brach 1908 vollends zusammen. Allendorf stand somit vor dem Bankrott, doch dann kam man auf die Idee, dass die Leute in der Sole baden knnten, so Rademacher. Der Rest ist bekannt.Doch aus welcher Zeit stammt jetzt das Brunnenfest? Sein Stifter war Johannes Rhenanus, damaliger Salzgraf und Pfarrer in der Salinenkirche. Er sollte im Auftrag von Landgraf Philipp das Salzwerk wieder zu neuer Blte fhren. Als Dank fr die Gaben aus den Brunnen gewonnenen Salz und Sole, ordnete er das Brunnenfest an, segnete sie zu Pfingstem im Gottesdienst. Einen halben Tag bekamen die Arbeiter frei. Das erste Brunnenfest wurde somit vor etwa 450 Jahren gefeiert, sagt Rademacher.Das Schausieden, so wie es damals in der Saline vonstatten ging, kann man auch zu diesem Brunnenfest wieder erleben. Und zwar am Sonntag, 23. Mai, 15 Uhr, vor dem Salzamt. Weitere Informationen unterwww.heimatkunde-bsa.de

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