Bluttat in Sontra: Verteidiger plädiert auf Körperverletzung

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Erneute Präsenz: Auch beim aktuellen Verhandlungstag sicherten zahlreiche Einsatzkräfte in und um das Gerichtsgebäude den Prozessverlauf.

Im Prozess wegen versuchten Mordes gegen einen 54-jährigen Deutsch-Türken aus Göttingen fand in dieser Woche der nächste Verhandlungstag statt. Im Mittelpunkt dabei: Die Plädoyers von Nebenklage und Verteidigung.

Kassel/Sontra -Der Göttinger hatte vor gut einem Jahr einen 24-jährigen Sontraer kurdischer Abstammung mit zehn Schüssen aus zwei Pistolen niedergestreckt und dabei lebensgefährlich verletzt. Es war keine Überraschung, dass die Plädoyers der beiden Seiten ähnlich unterschiedlich ausfielen wie die religiösen Ansichten, in denen ganz offenbar das Motiv des Schützen zu suchen ist.

Der Göttinger war mit der geplanten Hochzeit seiner Tochter mit dem Opfer nicht einverstanden und fühlte sich in seiner Ehre verletzt. Derartige Ansichten führten wohl auch dazu, dass am zweiten Verhandlungstag nach der überraschenden Aussage des Angeklagten tumultartige Szenen im Zuhörerraum entstanden, als Angehörige beider Parteien aufeinander losgingen und erst durch zahlreiche Polizeibeamte getrennt werden konnten.

Starke Sicherheitsvorkehrungen getroffen

So fand auch der aktuelle Prozesstag wieder unter starken Sicherheitsvorkehrungen statt, in und um das Gerichtsgebäude waren etwa 40 Einsatzkräfte der Polizei für den reibungslosen Ablauf postiert. Der Anwalt des Nebenklägers und Opfers folgte in seinem Plädoyer größtenteils der Begründung sowie Forderung der Staatsanwaltschaft und sah die Kriterien für einen versuchten Mord aus niederen Beweggründen für erfüllt an. Somit könnte dem Täter eine lebenslängliche Haftstrafe drohen.

Verteidiger-Anwalt Ahrens hingegen plädierte lediglich auf gefährliche Körperverletzung mit einer Höchststrafe von dreieinhalb Jahren, hielt allerdings auch eine Notwehr-Situation für möglich – dies würde bedeuten, dass der Angeklagte sogar mit einem Freispruch rechnen könnte. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre Haft für den 54-jährigen Göttinger gefordert, der sich während des bisherigen Prozessverlaufes äußerst wortkarg und emotionslos gezeigt hatte. Darauf bezog sich auch das Opfer, als er zum Schluss des Nebenklage-Plädoyers das Wort ergriff. Er könne nicht verstehen, warum sich der Täter, der ihn mit den Schüssen fast umgebracht hätte, „nur weil ich für ihn ein dreckiger Kurde bin“, nicht einmal entschuldigt oder gar Reue gezeigt hätte. Unabhängig vom Urteil sei die Sache nicht für ihn beendet, weil er bis heute stark unter den psychischen und physischen Folgen leide und ihm deshalb auch der Verlust seines Arbeitsplatzes drohe.

Das letzte Wort hatte dann der Angeklagte. Entgegen seiner bisherigen Haltung ergriff der 54-jährige Deutsch-Türke die Gelegenheit und sagte, dass „nichts passiert wäre, hätte er nicht die Flasche kaputtgemacht und wäre damit auf mich losgegangen.“ Es tue ihm sehr leid für alles und er bot an, sich in der Mitte des Saales mit dem Angeklagten zu treffen, dann „wäre alles wieder gut.“ Richter Volker Mütze beließ es beim Ende des Verhandlungstages und kündigte an, an diesem Freitag ab 12.30 Uhr das Urteil zu verkünden in einem nicht alltäglichen Prozess, der für viel Aufsehen in der Region gesorgt hatte.

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