Bluttat in Sontra: Zehn Jahre Haft wegen versuchten Mordes

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Wäre fast ums Leben gekommen: Der Sontraer kurdischer Abstammung im Gerichtssaal mit einem seiner Anwälte.
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Massive Sicherheitsvorkehrungen: Ein Großaufgebot der Polizei mit etwa 100 Einsatzkräften sicherte die Urteilsverkündung am Kasseler Landgericht ab.

Im Prozess gegen einen Deutsch-Türken wegen versuchten Mordes an seinem künftigen Schwiegersohn hat das Landgericht Kassel unter Vorsitz von Richter Dr. Volker Mütze den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt.

Sontra/Kassel. Bei der Urteilsbegründung sagte Richter Mütze unter anderem, dass die Merkmale für einen versuchten Mord aus niedrigen Beweggründen sowie gefährlicher Körperverletzung erfüllt seien.  "Wer mit zwei Schusswaffen losfährt und anschließend mehr als zehn Schüsse auf jemanden abgibt, der will töten." Alle Indizien und Beweise sprechen eine eindeutige Sprache, so der Richter weiter.

Der Angeklagte, Betreiber einer Göttinger Schneiderei, habe sich in seiner Ehre als Vater und Familienoberhaupt verletzt gefühlt, da seine Tochter gegen seinen Willen den 24-jährigen Sontraer heiraten wollte. Darin sei der Hauptgrund für die Tat zu suchen, bei der der Sontraer lebensgefährlich verletzt und nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte.  

Erschwerend hinzu seien unterschiedliche religiöse Ansichten gekommen, da der künftige Schwiegersohn kurdischer Abstammung ist. Worte wie "Hurensohn" und "dreckiger Kurde" hatten immer wieder die Runde gemacht im Verlauf des Prozesses und bei Zeugenaussagen. Somit lässt sich die Tatsache, dass am zweiten Verhandlungstag, unmittelbar nach der überraschenden Aussage des Angeklagten, Angehörige beider Familien beleidigten, bespuckten, aufeinander losgingen und nur durch zahlreiche Polizeibeamte getrennt werden konnten.

Ein massives Polizeiaufgebot mit gut 50 uniformierten und zivilen Beamten, hatte den bisherigen Prozessverlauf begleitet und abgesichert. Bei der Urteilsverkündung wurde die Anzahl der Polizeikräfte nochmal deutlich erhöht, wenn nicht verdoppelt. Dutzende Mannschaftswagen und etwa 100 Beamte sicherten sämtliche Zufahrtswege, Ein- und Ausgänge sowie Gerichtssaal und Zuhörerraum ab - in der Form wohl einmalig in der jüngeren Geschichte.

Diesem Umstand war es wohl auch zu verdanken, dass es aller angespannten Atmosphäre zum Trotz zu keinen Auseinandersetzungen kam. Lediglich kurz nach Ende des Verfahrens wurde es im Zuhörerraum laut, als die Ehefrau des Angeklagten einige Worte in türkischer Sprache in Richtung ihres soeben verurteilten Mannes rief. Der blieb sowohl dabei als auch beim Urteil selbst stoisch, gelassen und fast emotionslos. Ganz im Gegenteil zu seiner Tochter, die das Opfer heiraten wollte und allem Vernehmen nach auch wird. Diese brach, ähnlich wie weitere Angehörige des Göttingers, in Tränen aus und gestikulierte verzweifelt an der Trennscheiben zum Gerichtssaal in Richtung ihres Vaters.

Die Angehörigen des Opfers nahmen das Urteil zufrieden auf, nach kurzer Verständigung mit den sehr wachsamen Beamten verließen beide Lager durch unterschiedliche Ausgänge das Gerichtsgebäude, zu weiteren Scharmützeln kam es nach ersten Informationen nicht.

Bevor das Urteil rechtskräftig wird, hat die Verteidigung die Möglichkeit, innerhalb einer Woche Revision einzulegen.    

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