Böckmann zieht Bilanz: Bürgermeister von Herleshausen ist seit 100 Tagen im Amt

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Lars Böckmann (2.v.li.) bildet ein Team mit der Verwaltung (v.li.) Pascal Felsberg, Sigrid Langermann, Lea Fahrenbach und Udo Schulz.

Der Sontraer Stadtkurier im Gespräch mit dem Bürgermeister von Herleshausen, Lars Böckmann, der nun seit 100 Tagen im Amt ist.

Herleshausen. Seit dem 1. November ist Lars Böckmann im Amt des Bürgermeisters in Herleshausen. Zeit für ihn, eine erste Bilanz zu ziehen. Mit dem SONTRAER STADTKURIER (SSK) war er im Gespräch.

SSK: Herr Böckmann, Ihre Amtseinführung ist nun etwa 100 Tage her. Können Sie sich noch an ihren ersten Tag im Amtssessel erinnern?

Böckmann: Der erste Tag war einerseits sehr schön, aber andererseits auch ein Eimer kaltes Wasser. Mein erster offizieller Termin war der Besuch bei einem Ehepaar in Breitzbach, das ihre Diamantene Hochzeit feierte. Eine wirklich sehr angenehme erste Bürgermeisterpflicht.

SSK: Und das kalte Wasser?

Böckmann: Das war das Büro und der Schreibtisch. Alles voller Stapel Unterlagen und Papiere. Alle laufenden Vorgänge und das Archiv bestanden fast ausschließlich aus Papier. Darunter auch Personalvorgänge wie Urlaubsanträge und Überstundenzettel. Wir mussten zunächst erstmal einen kleinen Schritt in Richtung EDV-Zeitalter gehen. Mittlerweile läuft die Urlaubs- und Zeiterfassung komplett über EDV, auch der Rechnungsbereich soll bald umgestellt werden.

SSK: Dafür hatten Sie nun etwa drei Monate Zeit. Was hat Ihre Anfangszeit sonst noch geprägt?

Böckmann: Wichtig waren mir von Anfang an die offene Kommunikation mit dem Team der Verwaltung. In den ersten Wochen habe ich mit allen Mitarbeitern Gespräche geführt. Auch mit vielen Vereinen. Meine Tür steht immer offen. Jeder im Team soll das Gefühl haben, dass man den „Chef” ansprechen kann, ein gesundes Arbeitsklima hat absolute Priorität.

SSK: Bei so vielen Gesprächen gibt es bestimmt auch die ein oder anderen Ideenvorschläge. Wie gehen Sie damit um?

Böckmann: Sicherlich stellen sich in den ersten Monaten viele Menschen vor, und fast jeder hat Ideen oder Projekte. Das ist gut, davon lebt die Gemeinde und die Gemeinschaft. Jedoch muss man als Bürgermeister auch lernen, Prioritäten zu setzen und alles auf Sinnhaftigkeit zu prüfen. Was steht aktuell besonders im Fokus? Was brauchen wir gerade? Was können wir auch umsetzen? Mir liegen soziale Projekte sehr am Herzen, dazu gehört vor allem die Senioren- und Jugendarbeit. Hier gibt es zum Beispiel schon Projektideen von der evangelischen Familienbildungsstätte.

SSK: Würden Sie schon sagen, dass Sie gut in die Aufgaben eingearbeitet sind?

Böckmann: Zu behaupten, bereits alles bis ins kleinste Detail zu kennen und zu können, wäre übertrieben. Aber das große Ganze hat sich bereits eingespielt, bei den „Pflichtaufgaben” geht das vor allem über die Routine. Die Regularien zum Beispiel bei Sitzungen sind ein großer Unterschied zur freien Wirtschaft. Hier muss auch das Offensichtliche immer nochmal vorgelesen werden, in der Wirtschaft wird das Meiste auf das Nötigste gekürzt.

SSK: Aber Ihnen gefällt Ihre Arbeit als Bürgermeister?

Böckmann: Auf jeden Fall, besonders die Vielfalt. Ich wusste bereits vorher, dass es ein bunter Blumenstrauß an Aufgaben sein wird, aber dass es ein solch großer ist, ist nicht nur interessant, sondern macht auch Spaß. Kein Tag verläuft nach Lehrbuch, jeder Tag ist anders, jeder Tag hat eine andere Kreativität.

SSK: Bleibt Ihnen denn noch genug Zeit für Ihre Familie?

Böckmann: Der Job fordert einen hohen zeitlichen Aufwand, aber die Familie leidet nicht darunter, das würde ich auch nicht zulassen. Ich habe nach wie vor Zeit für meine Familie, allerdings ganz anders als vorher. Früher war ich den ganzen Tag weg und erst spät abends zuhause. Jetzt habe ich mein Haus quasi in Sichtweite und kann auch mal Mittags zum Essen nach Hause gehen und meine Familie sehen.

SSK: Wie fällt Ihre persönliche Bilanz der ersten Monate aus?

Böckmann: Natürlich können wir in der kurzen Zeit nichts Großes auf den Weg bringen. Wir haben einige laufende Vorgänge konkreter gemacht und Vorgänge abgeschlossen, die bereits in Vorbereitung waren. Für die Zukunft bringen wir weitere Projekte voran, wie die Holzige Biomasse, den Bürgerbus und das Gewerbegebiet. Hier müssen wir sehen, welche Gebiete sind vorhanden und welche Betriebe hätten vielleicht Interesse, lang leerstehende Flächen aus dem Dornröschenschlaf zu reißen. Auch eine Bestandsaufnahme bezüglich eines Neubaugebietes steht auf der Agenda.

SSK: Worin sehen Sie die künftigen Herausforderungen für Herleshausen?

Böckmann: Die sind vor allem finanzieller Natur. Wenn man wichtige Projekte entwickeln möchte, muss man die Einnahmenseite verbessern, um finanzielle Miseren auszugleichen., und das nicht über Steuern. Unser großes Plus ist der Trend, dass viele junge Familien von der Stadt in die ländliche Umgebung ziehen wollen. Da haben wir von der Nähe zu Eisenach schon profitiert. Prozentual an der Bevölkerungszahl gesehen, hatten wir im Kreis den höchsten Zuwachs im letzten Jahr.

SSK: Auf was freuen Sie sich in naher Zukunft besonders?

Böckmann: Natürlich auf die Feierlichkeiten des 1.000-jährigen Bestehens. Sehr viele Ehrenamtliche bringen sich mit enormer Arbeit hier ein, um das Jahr zu einem besonderen zu machen. Dafür meinen herzlichen Dank an alle Akteure. Ich begrüße alle Gäste, die mit uns gemeinsam den Event feiern möchten.

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