„Ich habe den Täter angeschrien": Frau aus Sontra wird für ihre Zivilcourage ausgezeichnet

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Auch nach ihrem Hund Charly hat der Täter getreten. „Erwischt hat er ihn glücklicherweise nicht richtig”, sagt Diana Sandleben. Für ihre Courage wurde sie jetzt mit der Kasseler Polizeimedaille ausgezeichnet.

Diana Sandleben aus Sontra schritt ein, als ein 27-Jähriger einen Fahrradfahrer halb tot prügelte. Dafür wurde sie nun mit der Kasseler Polizeimedaille ausgezeichnet.

Sontra. Zum 20. Mal haben der Verein „Bürger und Polizei in Kassel” und das Polizeipräsidium Nordhessen am vergangenen Montag die Kasseler Polizeimedaille vergeben. Sie zeichnet Menschen aus, die durch ihre couragierten Taten dazu beigetragen haben, Straftaten zu verhindern, sie aufzuklären oder Tatverdächtige dingfest zu machen. So wie Diana Sandleben aus Sontra. „Ich bin so erzogen worden, dass man hilft”, sagt die 66-Jährige. Dabei hat sie ihr Mut selber in Gefahr gebracht.

Der Tatort: Kurz hinter der Bahnhofunterführung in der Nähe der Breitwiese und neben dem Teich.

Es ist April 2018, als die mit ihrem Hund Charly im Bereich der Bahnhofunterführung und des Schwanenteiches unterwegs war – vor ihr einige Schüler und ein 56-Jähriger Fahrradfahrer, die zuvor mit dem Zug angekommen waren. „Plötzlich kam ein Mann, griff von hinten an das Fahrrad und schubste es um”, erinnert sich Diana Sandleben. Der Fahrradfahrer fiel verletzt zu Boden. „Daraufhin trat der Mann unvermittelt auf ihn ein. Gegen den Kopf, immer wieder”, erzählt sie und erinnert sich, dass er dabei gezielt die Hacke eingesetzt habe. „Ich stand zunächst da wie erstarrt.”

Als er schließlich von seinem Opfer abließ und sich einige Meter entfernte, schrie sie ihn an, er könne doch nicht einfach so gehen und solle einen Krankenwagen rufen. Sie selbst war noch völlig perplex und hatte nur Millisekunden Zeit, um zu überlegen und zu handeln. Denn der Täter kam unerwartet zurück und trat wieder mehrmals auf sein Opfer ein. „Ich habe geschrien und ihn angebrüllt. Da drehte er sich um und kam auf mich zu”, erinnert sich die 66-Jährige.

Als er nur noch wenige Zentimeter von ihr entfernt war, sie bedrohte und nach dem Hund trat, erhob sie ihren kleinen Regenschirm., „Ich wusste im ersten Moment nicht, was ich überhaupt machen sollte. Wenn er näher gekommen wäre, hätte ich zugeschlagen”, sagt sie. Doch durch ihre Rufe wurden andere Passanten, darunter Schüler, die auch mit dem Zug ankamen, auf den Vorfall aufmerksam. Der Täter ergriff die Flucht, konnte aber später durch die Polizei festgenommen werden.

Diana Sandleben kümmerte sich mit den anderen Passanten sofort um den Verletzten. „Überall war Blut, aus Mund und Nase kam Blut. Er war überhaupt nicht ansprechbar”, erzählt sie. Der 56-Jährige wurde anschließend mit massiven Gesichtsverletzungen und diversen Knochenbrüchen ins Krankenhaus gebracht. „Die Schüler hatten zwischenzeitlich Polizei und Rettungswagen gerufen, ich hatte an dem Tag mein Handy zuhause vergessen”, sagt sie und ist froh, ihren Regenschirm zur Abwehr dabei gehabt zu haben. Erst als sie abends ihren Mann alles erzählt hat, sei ihr erst richtig bewusst geworden, was überhaupt passiert war und in welche Gefahr sie sich selbst begeben hatte. „Aber ich kann nicht vorbei gehen, wenn da jemand verletzt liegt.” In den ersten Tagen sei es noch schwer gewesen, mit ihrem Hund am Tatort vorbei zu kommen. Mittlerweile habe sie jedoch genug Abstand zum Geschehen. Dem Täter will sie dennoch nie wieder ins Gesicht sehen müssen.

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