Gisela Stiebitz aus Sontra feierte ihren 100. Geburtstag

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Gisela Stiebitz feierte ihren Geburtstag, umgeben von ihren Betreuern Günther und Ellen Ebersold (rechts) sowie ihrer Nichte Vera Berger.

Am vergangenen Mittwoch feierte Gisela Stiebitz aus Sontra ihren 100. Geburtstag. Die Oberstudienrätin könnte Vieles aus ihrem Leben erzählen. Zum Beispiel, wie sie am Ende des zweiten Weltkrieges Kindern das Leben rettete.

Sontra - Bewegung und gesunde Ernährung – das scheint ihr Rezept für ein langes Lebens zu sein. Am vergangenen Mittwoch feierte Gisela Stiebitz aus Sontra gemeinsam mit Weggefährten und Freunden ihren 100. Geburtstag. In der Endphase des Ersten Weltkrieges in Berlin geboren,.erlebte sie den Zweiten Weltkrieg hautnah mit. Gelernt für ihr Lehramtsstudium hat sie teilweise im Luftschutzbunker.

Und der Krieg hat Spuren hinterlassen: Ihr Verlobter fiel im Krieg, Gisela Stiebitz war nie verheiratet, hat keine Kinder. Vertrauenspersonen der 100-Jährigen sind heute ihre Nichte mit Familie sowie ihre Betreuer Günther und Ellen Ebersold. „Sie wollte immer in ihrem eigenen Haus bleiben und war daher sehr glücklich, dass das mit uns als Betreuern möglich ist”, erzählt Günther Ebersold. Er und seine Frau sind seit 1990 Mieter in dem Haus, das Gisela Stiebitz Anfang der 60er Jahre zusammen mit einer Lehrerkollegin gebaut hat.

Oberstudienrätin in Sontra

Die Sontranerin spricht wenig und selten. „Sie ist nicht dement, aber als ehemalige Oberstudienrätin möchte sie nichts Falsches sagen und sagt daher lieber nichts”, so Ebersold. Früher sei sie immer sehr agil und an vielem interessiert gewesen, heute ist sie auch auf Grund des hohen Alters ruhig und vorsichtig, berichtet die Nichte Vera Berger. „Ich konnte eine Stunde mit ihr telefonieren, ohne ein Wort zu sagen”, erinnert sie sich. Und Gisela Stiebitz hat viel von ihrem Leben erzählen können.

In ihrer Freizeit interessierte sie sich sehr für den biologischen Gartenbau und für Reisen. „Sie ist sehr viel gereist, war sogar in China und im Hindukusch”, so Berger. Ebersold ergänzt: „Sie ist unheimlich belesen. An guten Tagen liest sie auch heute noch die Zeitung.”

Heldin für Kinder

Doch ein Ereignis zeichnet Gisela Stiebitz besonders aus. Wie sie ihrer Nichte erzählte, floh sie gegen Ende des Zweiten Weltkrieges als Lehrerin mit mehreren Kindern aus einer Nationalpolitischen Erziehungsanstalt (Napola) in Österreich vor der Roten Armee. Sie brachte die Kinder über die Alpen zurück zu ihren Familien. Um ein Mädchen, das wie es schien, keine Eltern mehr hatte, wollte sie sich selbst kümmern. Doch die Eltern konnten schließlich ausfindig gemacht werden, ein weiterer Schicksalsschlag für Stiebitz.

Nach dem Krieg fand sie dann eine Anstellung als Biologin in Frankfurt, bevor es sie in den 50er Jahren nach Sontra an die Adam-von-Trott-Schule verschlug. Hier unterrichtete sie Biologie, Sport und Erdkunde und wurde zur Oberstudienrätin.

Auf eine gesunde Ernährung habe sie immer sehr viel Wert gelegt, so Vera Berger. „Viel Vollkornbrot und wenig Fleisch, aber keine strenge Vegetarierin. Helle Brötchen hat sie auch schon mal als Gift bezeichnet”, erzählt die Nichte. Im Krankenhaus sei sie nie gewesen, auch Arztbesuche sind bis heute selten. „Eine Herztablette am Tag, mehr braucht sie nicht”, so Ebersold. Und so genoss die 100-Jährige ihren Geburtstag ruhig im Kreise ihrer Freunde und Familie.

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