21 neue Stolpersteine in Herleshausen verlegt

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Zum vierten Mal wurden in Herleshausen Stolpersteine verlegt. Nun waren es 21 neue Steine.

Herleshausen. Zum vierten Mal lud am vergangenen Freitag der Arbeitskreis "Stolpersteine" zu einer Verlegung von neuen Stolpersteine nach Herleshausen ein. 21 weitere Steine von Aktionskünstler Gunter Demnig, darunter zwei Kopfsteine für die Synagoge und die jüdische Elementarschule, sollen nun an die Verbrechen an Juden in Herleshausen während der NS-Zeit erinnern.

79 Stolpersteine im Dorf

"Insgesamt gibt es dann 79 Steine in Herleshausen die an hier ansäßige Familien gedenken. Wir sind froh, dass die Verlegungen immer mit offenen Armen empfangen werden und es so viele gewillte Spender gibt die uns unterstützen. Dank geht aber auch an die Menschen, die die Steine putzen", berüßte der Vorsitzende des Arbeitskreis, Helmut Schmidt, die Gäste aus Nah und Fern die gekommmen waren, darunter auch Besucher aus Amerika.Untermalt wurde die Eröffnung von jüdischer Musik durch Pfarrer  Martin von Frommannshausen und seinem Saxonett, sowie dem  Musiker Thomas Riehl. Auch Bürgermeister Burkhard Scheld freute sich über die große Anteilnahme an der Aktion, gedachte aber zeitgleich den Opfern. "Der Besuch von Papst Franziskus im Konzentrationslager in Ausschwitz hat gezeigt, dass wir solche Gräueltaten nicht in Vergessenheit geraten lassen dürfen, um Gleiches zu verhindern", so Scheld. Nicht in Vergessenheit geraten werden auch Kantor Joseph Carlebach, seine Frau Rebekka und Sohn Isaak.

In Gedenken an Opfer

Ihnen wurden die ersten drei neuen Stolpersteine gewidmet. Joseph Carlebach unterrichtete jüdische Schüler in der Schule und lebte in der jüdischen Elementarschule in der Lauchröder Straße in Herleshausen. Nachdem er und seine Frau bereits 1938 in Haft geraten waren, flohen sie nach Frankfurt von wo aus sie 1942 nach Theresienstadt deportiert und getötet wurden. "Ihre Heimat war Herleshausen. Hier hat der Kantor viele Freunde gehabt, setzte sich für die Jugend ein und auch seine Frau war ein festes Mitglied der Dorfgemeinschaft", erinnern Mitglieder der Herleshäuser Jugendgruppe "Second Home" an die Familie Carleberg.

1928 wurde Sohn Isaak in Herlshausen geboren, ging hier ab 1934 zur Schule. "Noch heute erinnern sich Mitschüler an Isaak. Er soll seinem Vater sehr ähnlich gewesen sein. 1938 verließ er die Schule und musste auf eine jüdische Privatschule nach Bebra gehen", so Isaaks Biografie. Im Gegensatz zu seinen Eltern, wurde er nicht deportiert, sein Schicksal ist unbekannt. Versuche des Arbeitskreis weiteres zu erfahren blieben erfolglos. Dennoch will man auch an das Schicksal von jüdischen Schülern erinnern, passend dazu übernahm die Lehrerschaft der Südringgauschule die Patenschaft für den Stein.

Neben den Steinen der Familie Carleberg wurde in der Lauchröder Straße auch ein Schild für Synagoge und das sogenannte "Judengässchen" angebracht. "Das gab es offiziell nicht, aber jeder wusste wo es war", so Schmidt. Gemeinsam zogen die Gästen dann durch Herleshausen, um die weiteren Stolpersteine zu verlegen.

Spendenkonto

Der Arbeitskreis sammelt Spenden um weitere Stolpersteine verlegen zu können.

Spenden können an folgendes Konto gesendet werden:

Sparkasse Werra-MeißnerIBAN: DE45 5225 0030 0002 0250 96BIC: HELADEF1ESW

VR Bank HerleshausenIBAN: DE23 8206 4088 0000 0224 70BIC: GENODEF1ESA

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