Prügelattacke in Sontra: Täter muss für fast sieben Jahre ins Gefängnis

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Ab ins Gefängnis: Ein 28-jähriger Gewalttäter muss wegen versuchtem Totschlag und gefährlicher Körperverletzung fast sieben Jahre ins Gefängnis.

Im Prozess gegen einen 28-jährigen aus Nentershausen (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) ist kürzlich das Urteil am Kasseler Landgericht gefallen. Weil der Mann einen 56-jährigen Syrer vor gut einem Jahr am Bahnhof Sontra grundlos attackierte und mit mindestens zehn Fußtritten lebensgefährlich verletzte, muss er für sechs Jahre und acht Monate ins Gefängnis.

Sontra/Kassel. Mit dem Urteil und seiner Begründung folgte Richter Wolf Winter in großen Teilen der Forderung der Staatsanwaltschaft, die für versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung eine Haftstrafe von sieben Jahren und neun Monate gefordert hatte. Ebenfalls einig waren Richter und Staatsanwältin sich darin, dass der alkohol- und drogenabhängige Mann drei Jahre der Gesamtstrafe in einer Entziehungsanstalt verbringen muss. Erfahrungsgemäß anders sah die Verteidigung die juristische Würdigung der Prügelattacke, die seinerzeit große Aufmerksamkeit erzeugte: Sie forderte lediglich drei Jahre und neun Monate.

Der 28-Jährige zeigte sich sowohl im Prozessverlauf als auch bei der Urteilsverkündung stoisch und abwesend, was allerdings auch seiner psychischen Erkrankung, Alkoholsucht und deren Auswirkungen gelegen haben mag. Denn immerhin zeigte er sich laut Richter Winter zumindest kooperativ, einsichtig, entschuldigte sich bei Opfer und Zeugen und erkannte eine Schmerzensgeldforderung in Höhe von 20.000 Euro an. Dies habe man strafmildernd gewürdigt, so Winter in seiner Begründung, weitere mildernde Umstände hingegen attestierte die Kammer dem Angeklagten nicht.

Vielmehr sei die durch eine Sachverständige bestätigte dissoziale Persönlichkeitsstörung beim Tatverlauf nicht maßgeblich gewesen, sondern das Alkoholproblem des mehrfach vorbestraften Gewalttäters. Der Nentershäuser hatte zum Tatzeitpunkt gegen 13.30 Uhr 2,87 Promille im Blut, nachdem er sich aus einer Therapiemaßnahme in Eschwege entfernte und ab morgens mit einem Kumpel Wodka getrunken hatte. Als zur besagten Zeit eine Gruppe mit Insassen eines Zuges aus Eschwege am Bahnhof in Sontra ankam, suchte der Angeklagte sich den 56-Jährigen wahllos aus und riss ihn vom Fahrrad, woraufhin das Opfer mit dem Kopf aufschlug und bereits dadurch ein Schädel-Hirn-Trauma und innere Blutungen erlitt. Auf den wehrlosen Mann trat der 28-Jährige mehrfach mit dem Hacken seiner Schuhe gegen Kopf und Gesicht.

Nachdem eine Zeugin laut schreiend eingriff  und für ihren couragierten Einsatz mit der Polizeimedaille ausgezeichnet wurde,  ließ er kurz vom Opfer ab und bedrohte die Rentnerin aus Sontra. Kurz darauf kehrte er zum Syrer zurück und trat erneut mehrfach auf ihn ein. Der 56-Jährige erlitt neben oben beschriebenen lebensgefährlichen Verletzungen diverse Jochbein- und Oberkieferfrakturen und leidet bis heute unter den Folgen der Tat. 

Richter Winter beendete die Verhandlung und gab dem Angeklagten noch eindringliche Worte mit auf den Weg: "Wenn sie jetzt nicht während ihrer langen Haftstrafe und Entziehung den richtigen Weg einschlagen, um nochmal eine positive Wende einzuschlagen, dann sind sie ein klassischer Kandidat für die Sicherungsverwahrung! Und was das für jemanden wie Sie bedeutet, dürfte klar sein."

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