„Sauber und effektiv": Testlauf für Bus mit Erdgas-Antrieb

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(V.li.) Horst Pipper (Nahverkehr Werra-Meißner GmbH (NWM), Bernd Frölich (Busunternehmen), Markus Lecke (Stadtwerke Eschwege) und Dr. Rainer Wallmann.

Vier Wochen lang wird das Fahrzeug im Testeinsatz auf den Linien 200 und 290 über den Meißner und nach Hessisch Lichtenau eingesetzt. Der Antrieb durch Erdgas soll sauberer, günstiger und effizienter sein.

Werra-Meißner. Zu einem Vorstellungstermin der besonderen Art hatte Bernd Frölich von Frölich Reisen aus Hessisch Lichtenau an den Eschweger Busbahnhof geladen. Vertreter anderer Busunternehmen, die den Linienverkehr im Werra-Meißner Kreis fahren, wie zum Beispiel Wolfgang Brundig von Brundig Reisen und von Verkehrsbetrieben wie dem NVV hatten die Möglichkeit, den ersten Erdgas-Bus der Firma IVECO in Augenschein zu nehmen. Vier Wochen wird das Fahrzeug im Testeinsatz auf den Linien 200 und 290 über den Meißner und nach Hessisch Lichtenau eingesetzt.

Saubere Busse ab 2025

„Ich halte den modernen Diesel für sauber, günstig und effektiv und man braucht derzeit eigentlich keine Alternative. Aber die allgemeine Diskussion stellt die Verkehrsgesellschaften unter Druck, sich grundsätzlich den Alternativen zu stellen“, schätzt Bernd Frölich die Lage derzeit ein. Mit der Green Vehicle Directive (GVD), die ab 2025 in Kraft tritt, werden die öffentlichen Auftraggeber verpflichtet, einen größer werdenden Anteil an „sauberen“ und „reinen“ Fahrzeugen auf die Straßen zu bringen, deshalb würden schon jetzt Alternativen gesucht. Zur Zeit stellt das Betanken eines Erdgasbusses ein Problem dar, denn nur in Eschwege gibt es eine Erdgastankstelle. „Nach dem Hype von Erdgas in den 90ern ist die Zahl der Tankstellen sehr zurück gegangen“, berichtet Markus Lecke, der Geschäftsführer der Stadtwerke Eschwege. Sollten Busse dieser Art vermehrt zum Einsatz kommen, müsste hier in Infrastruktur investiert werden.

Bei der Probefahrt konnten sich die Mitfahrer davon überzeugen, dass der Bus etwas leiser ist, als seine dieselbetriebene Konkurrenz. Wie der Verbrauch des neuen Modells ist, wird sich in der Testphase zeigen. Von dem Ergebnis der Überführungsfahrt aus dem IVECO Werk in Ulm zeigte sich Bernd Frölich angetan. „Für den Überlandbetrieb, wie er im Werra-Meißner-Kreis überwiegt (96 Prozent aller Fahrten, Anm. d. Red.), kommt man derzeit an Verbrennungsmotoren nicht vorbei. Es gibt zwar elektrisch betriebene Busse, deren Reichweite ist aber zu gering, deshalb kommt Elektro bei der heutigen Batterietechnik nicht in Frage. Für Stadtbusse in Eschwege gibt es da aber grundsätzlich Möglichkeiten“, sagt Bernd Frölich.

Alle Anwesenden waren sich einig, das der Erdgasantrieb nur eine Übergangslösung sein kann, da hier nur ein fossiler Brennstoff gegen einen anderen ausgetauscht wird. Anders wäre das, wenn, wie Dr. Rainer Wallmann, der erste Kreisbeigeordnete des Werra-Meißner-Kreises erläuterte, das für das Fahren verwendete Gas mit dem Einsatz von Windstrom erzeugt werden könnte. Erdgasbusse sind in der Anschaffung 20 Prozent teurer als dieselbetriebene Fahrzeuge gleicher Bauart. Die Leistung der Busse ist vergleichbar. Inwieweit Erdgasbusse in den nächsten Jahren im Werra-Meißner-Kreis zum Einsatz kommen werden, wird sich zeigen.

Modellregion Hamburg

Hamburg gehört zu einer der neun Wasserstoff-Modellregionen. Seit 2012 fahren in der Hansestadt vier Brennstoffzellenbusse und ab 2020 will die Hochbahn Hamburg nur noch Hybrid und Wasserstoffbusse einkaufen, denn den Alltagstest haben beide Techniken dort schon bestanden. Zur Zeit sind jedoch beide Antriebsarten noch nicht wirtschaftlich, was am subventionierten Dieselpreis und den hohen Anschaffungskosten der Busse liegt.

Die eingesetzten Busse werden noch nicht in Serie gefertigt, jedes Einzelstück kostet weit über eine Million Euro. Ein vergleichbarer Dieselbus kostet etwa 250.000 Euro. Die Anschaffung der Brennstoffzellenbusse rechnet sich nur durch einen Zuschuss des Bundesverkehrsministeriums, das 48 Prozent der Anschaffungskosten übernimmt. Bei den Anschaffungskosten könnte aber Bewegung in den Markt kommen, denn ein deutscher Bushersteller baut derzeit in Kanada ein Werk für die Serienproduktion von Brennstoffzellen auf und auch ein japanischer Mitbewerber verstärkt seine Aktivitäten in diesem Segment.

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