Schutz durch Chip?

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Sontra. Was Altenheime tun, wenn demente Menschen weglaufen.

Sontra. Am vorletzten Wochenende hielt das Verschwinden von Irmgard Kovac aus dem AWO-Seniorenzentrum ganz Sontra in Aufregung. Am späten Dienstagnachmittag wurde die demenzkranke Seniorin zufällig durch einen Landwirt bei Mitterode lebend aufgefunden.

"Solche Fälle kommen leider vor, sind aber die absolute Ausnahme”, betont Michael Schmidt, Geschäftsführer der AWO Nordhessen, die das Seniorenzentrum in Sontra betreibt. Grundsätzlich seien alle Altenheime offene Einrichtungen, wo die Bewohner nicht eingesperrt sind und jederzeit das Haus verlassen können. "Demenzkranke, die einen starken Bewegungsdrang haben und nach draußen gehen wollen, werden dabei von einem Mitarbeiter begleitet”, so Schmidt weiter. So werde die Sicherheit der Bewohner auch außerhalb der Einrichtung gewährleistet.Gerade im Fall von Irmgard Kovac sei ein solcher Bewegungsdrang besonders deutlich ausgepägt, so Schmidt. "Die Familie hatte schon öfter das Problem, dass Frau Kovac weglief, deshalb haben wir gemeinsam mit den Angehörigen nach einer Lösung gesucht”, erläutert der AWO-Geschäftsführer.

Mit Hilfe eines GPS-Senders , beispielsweise in der Armbanduhr, kann der genaue Standort des Bewohners festgestellt werden. Dessen Verwendung hätten AWO und Familie rechtlich und technisch abgeklärt. "Leider gibt es in Sontra und Umgebung enorme Empfangsprobleme, so dass wir den Sender von Frau Kovac nicht orten konnten”, bedauert Schmidt. Eine permanente Überwachung ist schon aus rechtlichen Gründen nicht möglich. "Das wäre dann eine freiheitsentziehende Maßnahme”, erläutert Torsten Rost, Geschäftsführer der Alzheimer-Gesellschaft in Eschwege, "deshalb wird ein GPS-Sender nur in Ausnahmefällen und mit vorheriger Abklärung mit dem Betreuer und dem Gericht verwendet.”  Dieser funktioniert ähnlich wie beim Geo-Catching und sendet ein permanentes Signal aus, das über Satellit geortet werden kann.

Alle Beteiligten sind jedoch froh, das Irmgard Kovac wieder lebend aufgetaucht ist und es ihr den Umständen entsprechend gut gehe.

Das AWO-Seniorenzentrum in Sontra ist die erste Einrichtung für ältere Menschen, die nach einem besonderen Konzept aufgebaut ist. "Unsere Bewohner wohnen in einer Art WG zusammen”, berichtet Michael Schmidt, "die meisten Dinge wie Essen oder Spielen werden gemeinsam gemacht.” Dabei ist ständig ein Mitarbeiter der AWO anwesend. Möchte ein Bewohner das Haus verlassen, wird er selbstverständlich begleitet. Durch technische Vorrichtungen an den Türen werden alle Mitarbeiter sofort informiert, falls ein Bewohner eigenständig das Haus verlässt. "Trotz dieser umfangreichen Maßnahmen können Fälle wie bei Irmgard Kovac aber vorkommen”, bestätigt Michael Schmidt. Die AWO will aber aus dieser Situation lernen und versuchen, dieses Restrisiko künftig noch weiter zu vermindern.

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