Wegen Jagdverordnung: Michael Stein klagt gegen Land Hessen

Seit 1995 ist Michael Stein Jäger. Mit der neuen Jagdverordnung ist er so garnicht einverstanden. Foto: Archiv

Mit der neuen Jagdverordnung des Land Hessen, beginnt die Schonzeit für Waschbären und Füchse. Dagegen will Michael Stein vorgehen.

Ulfen/Kassel. "Das ist für mich einfach der Gipfel der Irrungen", ärgert sich Ulfens Ortsvorsteher und Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Ulfen über die neue Jagdverordnung des Landes Hessen. Unter großen Protesten aus der Jägerschaft hatte das Umweltministerium am 10. Dezember 2015 die Jagdverordnung in Kraft gesetzt."Mit über 3.000 Leuten haben wir dagegen in Wiesbaden demonstriert, aber geholfen hat es nichts", so Stein, der sich jetzt gezwungen sieht, mit einer Klage am Verwaltungsgerichtshof gegen das Land Hessen vorzugehen.

Schonzeiten für Waschbär und Fuchs

Hauptgrund für die Proteste der Jäger sind die neu eingeführten Schonzeiten für Waschbären und Füchse. Von März bis Juli dürfen demnach keine Waschbären geschossen werden, Füchse sind sogar bis August geschützt. "Das ist nicht zu verstehen. Aus Brüssel wird uns vorgeschrieben, dass der Waschbär als invasive Art in Deutschland ausgerottet werden soll und vom Land wird uns das Schießen verboten", zeigt sich Stein erbost.Gemeinsam mit der pensionierten Richterin Annemarie Schwintuchowski wehrt er sich nun mit einem Normenkontrollantrag gegen die Verordnung. "Der Waschbär vermehrt sich unglaublich schnell und nun dürfen wir ihn fast ein halbes Jahr lang nicht schießen – das kann zu einer Plage führen. Beim Fuchs das gleiche. Beide Tiere sind aber nicht nur Raubtiere, die andere Arten wie Stock­enten oder Feldhasen angreifen, sondern übertragen auch noch eine Menge  Krankheiten", warnt der passionierte Jäger. Begründet wurde die neue Verordung mit dem Schutz von Muttertieren während der Aufzucht. "Das ist aber so oder so geregelt. Ein Muttertier, egal welcher Wildart, das mit Jungen unterwegs ist, darf nicht geschossen werden. Rechtlich gibt es also keine Begründung für die Schonzeiten", so Schwintuchowski. Mit den Schonzeiten wurde nun aber auch die Jagd auf die Jungtiere im Frühjahr genommen.

Pachtpreise leiden unter Gesetz

Ärger bringt diese Regel auch für die Verpachtung von Jagdgrundstücken. Pachtzahlungen werden nach dem Tieraufkommen berechnet. Sollten sich Waschbären und Füchse aber verhalten wie Stein es erwartet, würde es schnell weniger Hasen, Enten und Vögel geben. Auch Kitze sind den Raubtieren meist schutzlos ausgesetzt. "Die Vielfalt der Tierart könnte stark dezimiert werden, was dann unter anderem Auswirkungen auf die Pachtverträge und Einnahmen der Genossenschaften hat", so Stein.  Der Jäger und die Richterin ärgern sich aber  auch über die unverhältnissmäßigen Schutzmaßnahmen für die Tierarten.

"Waschbären und Füchse, die  Krankheiten auf Haustiere übertragen können, werden geschützt, das Rotwild und Rehe dürfen erst in Notzeiten gefüttert werden. Diese darf laut Gesetz aber erst ausgerufen werden, wenn innerhalb von drei Wochen 60 Zentimeter Schnee gefallen sind", bis dahin, seien die Tiere schon nah am Hungertod, so die Experten.Darf dann doch gefüttert werden muss die Hegegemeinschaft darüber abstimmen, wann, was und wo gefüttert werden muss. Laut Gesetz muss man sich einstimmig einigen. "Und einigen sie sich mal mit 100 Mitgliedern, da gibt es immer einen, der quer schießt", so Stein.

"Mit dem Gesetz werden den Jägern unnötig Steine in den Weg gelegt. Die Regulierung des Tierbestands wird eine fast unmögliche Aufgabe. Soetwas kann man nicht durchgehen lassen", ergänzt Annemarie Schwintuchowski. Mit dem Normenkontrollantrag will man nun die bemängelten Teilpunkte des Gesetzes aufheben. Unterstützt wird die Jagdgenossenschaft Ulfen dabei vom hessischen Jagdverband. "Wir sind die einzige Genossenschaft, die klagt. Wir wollen aber für alle gewinnen", so Stein abschließend.

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