Bad Sooden-Allendorf bekommt Hessens ersten „Heilwald“

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Erzieherin Uschi Lingmann, Natur- und Walderzieherin Irene Rogée (beide ev. Kindergarten St. Crucis), Bauamtsleiter Helmut Franke, Bürgermeister Frank Hix, Verwaltungsleiter Michael Abert, Chefarzt der Orthopädie Dr. Volker Stück (beide Klinik Hoher Meißner) im Söder Wald.

In Bad Sooden-Allendorf soll der erste „Heilwald“ Hessens entstehen. Gerade gab es eine Förderzusage vom Land Hessen für das 58.000-Euro-Projekt. Jetzt muss nur noch die Stadtverordnetenversammlung dem Projekt zustimmen.

Bad Sooden-Allendorf.  Die Stille und frische Luft des Waldes genießen und die Seele baumeln lassen: Seit knapp zwei Jahren lädt im Ostseebad Heringsdorf der erste Heilwald Europas zur Erholung ein. Doch schon bald müssen Erholungssuchende nicht mehr unzählige Kilometer Richtung Ostsee zurücklegen, um in den Genuss des in Deutschland bisher einzigartigen Erholungsangebots zu kommen. Aufbauend auf dem Konzept des ersten Heilwaldes auf Usedom soll in Bad Sooden-Allendorf ein zweiter Heilwald entstehen.

Besonderer Therapieort in der Natur

Heilwälder sind Waldgebiete, die unter therapeutischen Gesichtspunkten für spezielle Indikationen gestaltet werden – dazu gehören Erkrankungen der Atemwege, des Bewegungsapparats sowie psychosomatische Erkrankungen. Ein Waldspaziergang kann nämlich nicht nur der Seele gut tun, sondern auch einen ganz handfesten Nutzen für die Gesundheit haben. Die Menschen sollen beim Spaziergang durch den Wald aufatmen können. So sieht das Konzept des Heilwaldes vor, den Wald nicht nur als Rückzugsort und Erholungsraum zu betrachten, sondern ihn gleichzeitig zu einem Therapieort zu machen.

„Ich war von dem Konzept des Heilwaldes auf Usedom begeistert und habe die Projektidee für uns aufgegriffen“, berichtet Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix über die Idee, in der nordhessischen Kurstadt Deutschlands einen zweiten Heilwald entstehen zu lassen. Gemeinsam mit dem Hessischen Heilbadverband, an den sich Hix mit seiner Idee gewandt hatte, habe die Stadt dann ein Konzept für den Heilwald in Bad Sooden-Allendorf erstellt.

Der Heilwald soll im Stadtteil Bad Sooden entstehen und die bestehenden Rundwanderwege im bisherigen Stadtwald sowie einen qualifizierten Premiumwanderweg mit einbeziehen. Er soll wichtige Sehenswürdigkeiten ebenso umfassen wie Ruhe- und Aktivplätze. Mit schmalen Pfaden, steil ansteigenden und abfallenden Wegeabschnitten, lichtdurchfluteten und dunklen Waldbereichen biete der Stadtwald gute Grundlagen für das Projekt. „Wir erfüllen damit alle Kriterien für die Ausweisung eines Heilwaldes“, so Hix. Für den Heilwald wird auf rund 50 Hektar ein gekennzeichnetes Wegenetz angelegt, das rund zwölf Kilometer bereits bestehende Wanderwege einbezieht. Dabei sollen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade der Bewegungsmotivation dienen. Für körperliche oder meditative Übungen werden Waldplätze angelegt. Info-Tafeln und Broschüren geben Anleitungen für Bewegungsprogramme sowie Aufmerksamkeits- und Entspannungsübungen. Damit können die Besucher den Heilwald sowohl selbstständig als auch mit Begleitung durch Fachpersonal nutzen.

Heilwald soll Standort attraktiver machen

Mit dem Heilwald soll das Gesundheitsangebot des Heilbads Bad Sooden-Allendorf attraktiv erweitert werden. „Wir versprechen uns ein zusätzliches besonderes Angebot in unserer Kur- und Tourismusstadt“, betont Hix die Bedeutung des Projekts für die Region. Man wolle einerseits den Kurstandort stärken, denn auch die Kliniken befänden sich in einem Wettbewerb und die Attraktivität ihres Umfeldes spiele dabei eine wesentliche Rolle. Außerdem eröffnen sich durch den Heilwald zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten. Der Heilwald sei aber auch für Gesundheitstouristen, Touristen und Einheimische eine Bereicherung, so der Bürgermeister weiter. „Insgesamt erhoffen wir uns dadurch auch ein höheres Gästeaufkommen und schließlich mehr Einnahmen.“ Darüberhinaus soll der Heilwald den ländlichen Raum sowie die GrimmHeimat Nordhessen attraktiver machen.

Förderung durch das Land Hessen

Die geschätzten Gesamtkosten für das innovative Projekt belaufen sich nach Informationen der Stadt auf 58.000 Euro. Dies sei ein überschaubarer Betrag, weil bereits viele Qualitätsmerkmale vorhanden seien, so Hix.

Finanzielle Unterstützung für den Heilwald gibt es vom Land. Wie Hessens Wirtschaftsminister Tarek AL-Wazir in dieser Woche bekannt gab, will sich das Land Hessen mit 29.000 Euro an dem Projekt beteiligen. Und auch die Kliniken vor Ort hätten bereits Unterstützung für den ersten Heilwald Hessens zugesagt, berichtet Hix. Insbesondere von den Kliniken Hoher Meißner und Sonnenberg soll es einen finanziellen Zuschuss für den Betrieb geben.

Extra-Info: Seit einem Jahr auf Usedom

Im Herbst 2016 ist in Heringsdorf auf Usedom Europas erster Heilwald entstanden. Auf rund 187 Hektar können die heilenden Kräfte des Waldes bewusst genutzt werden. Der Wald als Naturheilmittel soll besonders bei Erkrankungen der Atemwege, der Haut und des Bewegungsapparates, bei psychosomatischen Erkrankungen wie Burnout, bei Schlaflosigkeit oder Depressionen sowie bei Erschöpfungszuständen helfen und die Stärkung des Herz-Kreislaufsystems unterstützten. Die heilsamen Einflüsse des Gesundheitsstudios Wald werden mit integrierten Heilwaldplätzen und Pfaden unterstützt. Ein gekennzeichnetes Wegenetz mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden dient der Bewegungsmotivation. An verschiedenen Waldplätzen werden die Besucher zu speziellen körperlichen oder meditativen Übungen eingeladen, die das ganzheitliche Wohlbefinden fördern. Der Kur- und Heilwald kann sowohl von Patienten der Rehakliniken als auch für die eigene Gesundheitsfürsorge und für das eigene Wohlbefinden genutzt werden.

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