Stinkendes Bürgerhaus, marodes Parkdeck

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Witzenhausen. Droht öffentlichen Gebäuden die Abrissbirne? Stadt steht vor schwerer Entscheidung.

Witzenhausen. Wird es demnächst kein Parkhaus mehr in Witzenhausen geben? Und auch kein Bürgerhaus? Was passiert mit dem Hallenbad? Über all diesen Gebäuden schwebt zu Zeit die Abrissbirne.

Die Mitglieder des Bau- und Verkehrsaussschusses mussten sich auf der vergangenen Sitzung mit Zahlen und Alternativen beschäftigen. Ein zahlreich erschienenes Publikum verfolgte die Diskussion. Die Parkdecks und das Bürgerhaus sind öffentliche Gebäude, die Bürgerinnen und Bürger nutzen.

Parkhaus ab März geschlossen

Mit dem Parkhaus soll bereits am 28. Februar Schluss sein. Untersuchungen belegen, dass das Gebäude nicht länger tragfähig und standsicher sei.

Bürgermeisterin Angela Fischer präsentierte gut vorbereitet etliche Alternativen zur innenstadtnahen Parkplatzsituation und wägte die Kosten gegeneinander ab. "Ein Abriss und die Entsorgung kostet natürlich", sagte sie. "Doch die Sanierung – und entsprechende notwendige Folgesanierungen werden noch mehr kosten. Hierbei stünden auch Untersuchungen des Untergrundes im Raum. Wie bekannt geworden sei, floss hier einst ein Bach.

Für das Parkdeck standen Zahlen für eine Komplettanierung von geschätzten 350.000 Euro gegenüber Abrisskosten von 141.000 Euro mit zusätzlicher Errichtung eines Parkplatzes von rund 110.000 Euro im Raum – der Parkraum schrumpft in diesem Falle jedoch erheblich: Von momentan 88 Stellplätzen werden nur die Hälfte übrig bleiben. Hier stehe die Stadt in Verhandlungen mit mehreren Grundstückseignern, so Fischer, um diesen Mangel zu kompensieren.

 Bürgerhaus nicht mehr ausgelastet

Auch das Bürgerhaus kam in der Ausschusssitzung nicht gut weg: Gutachten bestätigten, was jeder Nutzer bestätigen kann: Es stinkt in dem Gebäude, Fenster sind undicht, Technik veraltet und Schimmel macht sich breit. Viele Veranstaltungen mussten aus diesem Grunde verlagert werden. Belegungszahlen zeigen, dass das Bürgerhaus nicht mehr genügend ausgelastet ist. Der Vertrag mit den Pächtern läuft zum September aus.

Ein Verkauf sei aussichtslos, so Fischer zu diesem Thema. Dies sei bereits mehrfach versucht worden. Auch hier sei der Abriss kostengünstiger gegenüber einem umfangreichen Konzept mit kompletter energetischer Sanierung und Austausch von Rohrleitungen mit sanitären Einrichtungen. Es sei nicht einmal sicher, ob dies die Ursache des ,Kloakengestanks’ sei. Die Sanierungskosten von weit über zwei Millionen Euro stünden rund 450.000 Euro bei Abriss gegenüber. "Wenn man das still gelegte Hallenbad gleich mit abreißt, sind es geschätzte 926.000 Euro", erklärte Fischer. Im Gremium wurden Möglichkeiten diskutiert, Veranstaltungen und Tagungen an anderen Orten stattfinden zu lassen, beispielsweise in DGHs einiger Ortsteile, in Schulen oder anderen zur Dispostion stehenden Tagungsräumen. Ob es ein neues Bürgerhaus geben werde, sei noch zu entscheiden, so die Bürgermeisterin.

,Kein Aushängeschild'

Der Bemerkung aus dem Publikum, ob Witzenhausen nun ,plattgemacht’ würde und dies der Kirschenstadt nicht besonders gut zu Gesicht stehen würde, entgegnete die Rathaus-Chefin: "Ein vernagelten Parkhaus, ein trocken gelegtes Hallenbad und ein halb ausgelastetes Bürgerhaus ist auch kein Aushängeschild."

Über das Schicksal der betreffenden Gebäude entscheidet demnächst die Stadtverordnetenversammlung.

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