Suchtberatung warnt: Online-Casinos können Glücksspielsucht verstärken

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Die Suchtgefahr des Glücksspiels ist online wesentlich höher als an Automaten in der Spielhalle. Vor allem die ständige Verfügbarkeit ist eine Verlockung.

Die Fachstelle für Suchthilfe und Prävention des Diakonischen Werkes in Eschwege warnt: Bunte und quirlige Fernsehwerbung für Online-Casinos kann stärker in die Anhängigkeit führen als das Spielen an Automaten in Spielhallen oder Gaststätten.

Werra-Meißner-Kreis - Für die einen ist die gewonnene Freizeit durch den Lockdown oder Kurzarbeit ein Gewinn, können sie doch endlich Heimprojekte angehen oder einfach mal entschleunigen. Für die anderen kann jedoch auch genau das zur Gefahr werden. Denn die vermehrt freie Zeit zuhause kann dazu führen, dass verhältnismäßig öfter der Fernseher als Ablenkung oder Beschäftigung eingeschaltet wird. Und hier kann Werbung tatsächlich zur Gefahr werden.

„Die wachsende Anzahl der Fernsehwerbung für Glücksspielanbieter im Internet macht sich gerade in der jetzigen Situation deutlich bemerkbar. Durch die Sperrung der Spielhallen und gastronomischen Betriebe wird es attraktiv, den Verlockungen der Werbung nachzugehen. Das vermeintlich schnelle Geld durch das Smartphone oder Tablet zu erhalten, hat seinen Reiz“, warnt Anna Niebeling von der Fachstelle für Suchthilfe und Prävention des Diakonischen Werkes in Eschwege. Auch die ungewisse finanzielle Situation vieler Menschen verstärke diesen Gedanken oftmals.

Suchtpotenzial bei Online-Casinos ist höher

Eine Verlagerung des Glücksspielens weg von der Spielhalle und hin zum Onlinecasino sei in der aktuellen Zeit von Corona also keine Seltenheit. „Dabei wird unterschätzt, dass das Online-Glücksspiel ein weitaus höheres Suchtpotenzial besitzt als das Spielen an den Automaten in der Spielhalle. Dies beinhaltet auch die ständige Verfügbarkeit und das risikoreiche Spiel mit immensen Einsätzen“, sagt Niebeling.

Sie beraten in der Fachstelle für Suchthilfe und Prävention in Eschwege auch Betroffene der Glücksspielsucht: (v.li.) Harald Nolte, Anna Samland, Renate-Rudolph-Kohl, Kai Herzog, Andrea Böhnke und Anna Niebeling.

Konkrete Zahlen, wie hoch der Anstieg der Glücksspielsüchtigen ist, kann sie nicht geben, da der Online Glücksspielmarkt nicht geregelt ist. Lediglich Klienten, die in Suchtberatungsstellen kommen, können erfasst werden, die Dunkelziffer sei weitaus höher. „Wenn ich betrachte, wie häufig die Online-Casinos Werbung im TV schalten, ist mit Sicherheit ein Anstieg in diesem Bereich zu verzeichnen“, sagt Anna Niebeling.

Beratung durch die Fachstelle

Um hoher Verschuldung entgegenzuwirken und für sich einen Ausweg zu suchen, bietet die Fachstelle Beratung und Informationen an. Auch Angehörige und Personen des sozialen Umfelds, die problematisches Spielverhalten vermuten, können sich an sie wenden. Für diese stellt sich die Frage, ob sie etwas tun können oder sollten und was am besten. Nicht selten sind sie versucht, existentielle finanzielle Nöte auszugleichen und kommen an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit. Gleiches gilt auch bei einer Alkohol- oder Drogenproblematik. Auch hier sind Rückfälle durch die Corona-Krise durchaus denkbar. „Zukunftsängste und die fehlenden sozialen Kontakte wirken sich negativ auf alle Menschen aus- und im Besonderen auf suchtmittelabhängige oder auch psychisch erkrankte Menschen.“

Präventions-Tipps

Doch wie kann man der Verlockung durch Fernseh-Werbung widerstehen? „Möglichst nicht 24/7 vor dem Fernseher sitzen, Kontakte durch Videotelefonie oder mit Abstand im Freien aufrecht zu erhalten, sich Aktivitäten widmen, für die einem sonst die Zeit fehlt, zum Beispiel Sport, Yoga, Buch lesen und selbstverständlich sich mit der Werbung auseinanderzusetzen. Ich denke, dass sollte man bei jeder Werbung tun, durch die man sich angesprochen fühlt. Genauer hinzuschauen, um was es sich dabei handelt. In diesem Fall können die Folgen sehr weitreichend sein. Und das sollte einem bewusst sein, bevor man sich in so ein Online-Casino begibt. Deswegen ist uns die Sensibilisierung für das Thema auch sehr wichtig.“

Die Fachstelle ist daher weiterhin telefonisch für alle Personen da, die sich beraten lassen wollen, telefonisch unter 05651-3394292 oder per Mail an suchthilfe@diakonie-werra-meissner.de

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