Unser Heimatbier

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Peter Bormann ueberprueft beim sogenannten Spindeln wieviel Extrakt sich in Alkohol verwandelt hat. Fotos:Liese

Hinter den Kulissen der Eschweger KlosterbrauereiEschwege. Der Weg des Bieres beginnt im Herzen der Brauerei – im Sudhaus. Hier wird das Malz – wa

Hinter den Kulissen der Eschweger Klosterbrauerei

Eschwege. Der Weg des Bieres beginnt im Herzen der Brauerei – im Sudhaus. Hier wird das Malz – was aus der heimischen Braugerste gewonnen wird –, in sieben großen Silos gelagert. Von hier aus wird es dann in der Schrotmühle zu Schrot gemahlen. Die Qualität des Malzes ist übrigens für den Geschmack, das Aroma und die Farbe des Bieres verantwortlich.

In der Maischpfanne – maischen heißt übrigens so viel wie vermischen – wird dann das Schrot mit Wasser gemischt. Die dadurch entstandene Maische wird anschließend zirka zwei Stunden lang auf verschiedene genau festgelegte Temperaturen geheizt. Dabei werden die lösbaren Bestandteile des Malzschrotes nach und nach flüssig. Durch die natürlichen Enzyme des Malzkornes wird die Stärke in vergärbaren Zucker umgewandelt. Von diesem Zeitpunkt an spricht der Bierbrauer von Würze. Im Läuterbottich wird die Würze von den festen Bestandteilen des Malzes getrennt. Die aus dem Läuterbottich abfließende Würze mit ihren wertvollen Inhaltsstoffen gelangt nun in die Braupfanne.

Brauer und Mälzer kontrollieren alles

Und wisst Ihr eigentlich, was die die Seele eines Bieres ist? Genau. Das ist der Hopfen. Hopfen gibt dem Bier Aroma und den typischen herben Geschmack. Auch die schöne weiße Schaumkrone auf einem frisch gezapften Bier kommt vom Hopfen, der beim Kochen in der Braupfanne zugegeben wird. Damit das Bier auch immer so richtig gut schmeckt, dafür sorgen die gut ausgebildeten Brauer und Mälzer. Der Braumeister zum Beispiel kontrolliert mit einem Schauglas die Qualität der Würze. Ist die Würze feurig glänzend, gibt der Braumeister sie zur Weiterverarbeitung frei.

Dann geht der Weg für die Würze weiter in den Rotapool, wo sie durch eine starke Drehbewegung ordentlich in Wallung gebracht wird. Hierbei setzen sich dann die festen Eiweißbestandteile in der Mitte als Kegel ab.

Zum Abkühlen wandert die Würze dann in einen Plattenkühler und dann geht es ab in die sogenannten zylindrokonischen Gärtanks – insgesamt verfügt die Klosterbrauerei über zwölf Gärtanks, die jeweils ein Fassungsvermögen von 660 Hektolitern haben – in den Gärkeller, wo nun die Hefe zugegeben wird.

Junge Hefe vermehrt sich im Übrigen allein durch Zellteilung. Der Hefestamm wird im betriebseigenen Stamm herangezogen. Die eigentliche Vermehrung findet aber in der Abteilung Hefereinzucht statt. Hier entsteht dann auch die untergärige und obergärige Hefe. Obergärige Hefen werden für die Herstellung von Weizen benötigt, alle anderen Biere der Eschweger Klosterbrauerei werden mit der untergärigen Hefe hergestellt.

Die Hefe bringt die Bierwürze zum Gären. Bei dieser Gärung entstehen aus Malzzucker Kohlensäure und Alkohol. Wer lieber ein alkoholfreies Bier möchte, für den wird die Gärung gestoppt. Es entsteht dann kein Alkohol. Nach sieben Tagen setzt sich die Hefe in dem Konus der Gärtanks ab und die vergorene Würze wird dann in große Lagertanks, die sich im Lagerkeller befinden, gepumpt. Das Jungbier muss nun vier Wochen in den Tanks nachgären und reifen.

Während der Lagerung gewinnt das Jungbier auf natürliche Weise Kohlensäure dazu und reift solange bis es dem Eschweger Biertrinker schmeckt.

Damit der heimische Schoppen auch so aussieht wie man ihn kennt, wandert das Bier zum Schluss nochmal in einen Kombifilter, wo all das herausgefiltert wird, was nicht ins Bier gehört. Jetzt wirft der Braumeister noch ein letztes Mal einen Blick auf das Bier, testet es und gibt dann grünes Licht. Jetzt ist das Bier zur Abkühlung freigegeben.

24.000 Flaschen Eschweger Bier pro Stunde

Während der Bierherstellung ist Sauberkeit das oberste Gebot. Denn das Eschweger Bier wird nach strengen Qualitätskriterien gebraut. Für die Gastronomie wird das Bier in sogenannte Kegs, das sind kunststoffummantelte Edelstahlfässer, abgefüllt. Die Abfüllanlage hat eine Leistung von 70 Kegs pro Stunde. Abgefüllt wird in 50, 30, 20 und 10 Liter-Fässer und natürlich in das Euch bekannte 5-Liter-Partyfässchen.

Zirka 70 Prozent des Eschweger Bieres wird im Flaschenkeller in Flaschen abgefüllt. Pro Stunde werden in der Abfüllanlage bis zu 24.000 Flaschen (1951 waren es lediglich 2.000 Flaschen pro Stunde) betankt – ein Traum für jeden Biertrinker.

Dann noch Etiketten und Herstellungsdatum drauf, ab auf die Kisten, auf die Paletten und dann mit dem LKW ab ins Lager, das sich in der Thüringer Straße in Eschwege befindet. Hier werden die Biere kurz zwischengelagert bevor sie dann an den Kunden ausgeliefert werden, damit auch alles zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

Kein Vergleich mehr zur früheren Zeiten

Dafür dass das heimische Bier auch immer pünktlich beim Kunden, also auch bei Euch sein kann, sorgen insgesamt 50 Mitarbeiter. Dabei arbeiten in der Produktion je nach Saison zwischen 12 bis 15 Mitarbeiter. Insgesamt braut die Eschweger Klosterbrauerei 80.000 Hektoliter im Jahr. Dabei ist das Eschweger Pils das beliebteste Bier, dicht gefolgt vom Eschweger Export.

Was im 19. Jahrhundert noch per Hand oder per Pferd erledigt wurde, läuft heute völlig automatisch. Früher wurden in der Landwirtschaft und der Brauerei 20 Pferde einsetzt, das Bier wurde ausschließlich mit Pferdefuhrwerken ausgefahren. Der erste Lkw kam 1916 ins Spiel. Die letzte Bierkutsche wurde in den 70er Jahren vom Lkw abgelöst. Bis dahin wurde die Innenstadt noch mit einem Pferdegespann beliefert.

Deswegen wird der Bierfahrer auch heute noch ab und an mal als "Bierkutscher" bezeichnet. Mittlerweile umfasst der brauereieigene Fuhrpark sechs Mercedes- und MAN-Lkw, vier Auflieger, ein Servicebus, eine VW-Pritsche, zwölf Kühlwagen und zwölf Ausschankwagen.

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