Vom Element zur Energie: Junior Ingenieur Akademie der Johannisberg-Schule Witzenhausen widmete sich Windkraft-Projekt

Schulklasse auf dem Dach der Johannisberg-Schule Witzenhausen stellt Umweltprojekt vor.
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Auf der Energieterrasse der Johannisberg-Schule stehen die fünf Windkraftanlagen (im Hintergrund rechts zu sehen) der Junior Ingenieur Akademie. (V.li.) Referendar Niklas Momberg, 1. Kreisbeigeordneter Dr. Rainer Wallmann, Gabriele Maxisch, Umweltberaterin des Werra-Meißner-Kreises, Schulleiter Andreas Hilmes und Physiklehrer Kamil Daniek schauten sich gemeinsam die Apparaturen an, die die Klassen 10a und 10b entwickelt und gebaut haben. Als Dankeschön erhielten die Beteiligten je einen wiederverwendbaren und biologisch abbaubaren Kaffee-/Tee-Becher des Landkreises.

Im Zuge der Junior Ingenieur Akademie (JIA) der Johannisberg-Schule in Witzenhausen haben über ein Dutzend Jugendliche in den zurückliegenden Monaten mannshohe Windräder entwickelt, die Energie erzeugen können.

Witzenhausen. In der vergangenen Woche überzeugten sich von dem Windkraftprojekt der Johannisberg-Schule der 1. Kreisbeigeordnete Dr. Rainer Wallmann (Grüne) und Gabriele Maxisch, die Umweltberaterin des Werra-Meißner-Kreises, begleitet von Schulleiter Andreas Hilmes.

Knifflige Praxis: Tüfteln, verwerfen, entwickeln

Schüler*innen der Klassen 10a und 10b haben seit dem ersten Halbjahr an den Anlagen getüftelt, sie verworfen und wieder neu entwickelt. Das Zusammenwirken von Bauweise und -material stellte sich als wichtiger Faktor heraus, um ein effizientes Windrad zu bauen. So waren Prototypen zu sehen, die es aufgrund schwerer Bauweise nicht auf das Dach des Schulgebäudes geschafft haben. Da stehen sie nun, fünf völlig unterschiedliche Windräder, die die fünf verschiedenen Schülergruppen erschufen.

„Alle funktionieren, an einem habe ich bereits mein Handy geladen“, erklärte Physiklehrer Kamil Daniek. Wie der Pädagoge erklärt, wolle die Johannisberg-Schule einerseits das Interesse an zukunftsweisender, innovativer Technik wecken, aber andererseits auch den Nachhaltigkeitsgedanken in den Mittelpunkt rücken. „Deshalb griffen wir beim Bau auch auf Materialien zurück, die bereits einem anderen Zweck dienten, darunter Fahrradfelgen, Plastikrohre oder Mülleimerdeckel.“ Entstanden sind zum einen klassische Anlagen mit im Kreis angeordneten Rotorblättern, aber auch unkonventionelle Apparate, bei denen die vom Wind betriebenen Flügel vertikal angeordnet sind und dennoch ihre Aufgabe erfüllen. Das Ausnutzen der Luftströmung aufgrund ausgeklügelter Bauweise macht dies möglich.

Um das Projekt abzurunden, beschäftigten sich die Klassen auch mit der Frage, wie der Strom von Offshore-Anlagen in Norddeutschland in Richtung Süden möglichst verlustarm transportiert werden kann. Ein Thema, das den Landkreis unter dem Stichwort „SuedLink“ tangiert.

Im Kleinformat demonstrierten die jungen Tüftler, wie über selbst gebaute Mini-Generatoren mechanische in elektrische Energie umgewandelt wird, um kleine Lämpchen zum Leuchten zu bringen. Wie viel Strom ihre großen Windräder erzeugen können, ist allerdings noch unbekannt: „So weit sind wir noch nicht. Denkbar ist, dass sich die nächste Klasse der Energiemessung widmet. Das wäre dann der nächste logische Schritt, um das Projekt weiterzuführen“, informierte Daniek.

Das Windkraftprojekt der JIA bewirbt sich auf den Umweltschutzpreis des Werra-Meißner-Kreises, der in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie allerdings nicht ausgelobt wird, weshalb sich die Bewerbung auf 2022 verschiebt. Dr. Rainer Wallmann zeigte sich schon mal begeistert von der Leistung des Schüler*innen. Die Entwicklung moderner Technik, um erneuerbare Energien möglichst effektiv zu nutzen, würde viel zu langsam voranschreiten: „Wir hätten schon vor zehn Jahren über Klimaschutz reden müssen und müssen deshalb heute noch viel mehr tun, um das Versäumte aufzuholen. Der Treibhauseffekt, das Auftauen der Permafrostböden und der Anstieg der Temperaturen sind Folgen dieser Entwicklung. Sie sorgt dafür, dass jüngere Generationen ihre Lebensgrundlagen verlieren. Deshalb müssen wir noch schneller eine massive Energiewende umsetzen, bevor die Lage unumkehrbar wird.“

Als Dankeschön für den Einsatz der Schüler*innen bei der Durchführung des Projekts und um den Nachhaltigkeitsgedanken zu fördern, überreichten Wallmann und Maxisch allen Beteiligten je einen orangefarbenen, wiederverwendbaren Kaffee-/Tee-Becher des Werra-Meißner-Kreises, der zu 100 Prozent biologisch abbaubar ist und dabei helfen soll Abfall zu vermeiden.

Hintergrund

Die Junior Ingenieur Akademie der Johannisberg-Schule Witzenhausen bewarb sich mit ihrem Windkraftprojekt für den Umweltschutzpreis des Werra-Meißner-Kreises. Der Preis wird normalerweise jährlich vergeben. In diesem Jahr wird es aufgrund der Corona-Pandemie allerdings keine Prämierung geben. Alle Bewerbungen für 2021 werden mit ins nächste Jahr genommen.

Der Umweltschutzpreis wird ausgelobt, um die Sensibilisierung für die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen aufrecht zu erhalten und zu fördern. Der Preis soll das Bewusstsein für notwendige Maßnahmen im Umwelt-, Klima- und Naturschutz sowie in der Landschaftspflege fördern und die Motivation wecken, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Die Bewerber sollen u.a. folgende Voraussetzungen erfüllen: Das Engagement soll ehrenamtlich erfolgen, die Arbeiten müssen Vorbildcharakter haben, es müssen praktische Tätigkeiten nachgewiesen sowie theoretische Hintergründe berücksichtigt werden. Neben der Bewerbung in Papierform sind Videos, CDs und andere Datenträger zugelassen. Ausdrücklich wird auf die Möglichkeit, sich mit einer Ausstellung oder einer Veranstaltung zu bewerben, hingewiesen.

Die Anmeldungen und Unterlagen sind zum 1. April jeden Jahres beim Werra-Meißner-Kreis, Der Kreisausschuss, FD 7.5 Abfallwirtschaft und Klimaschutz, Schlossplatz 1, 37269 Eschwege, einzureichen.

Anmeldungen und Unterlagen werden von einer „Vorentscheidungsjury“ geprüft und einer Punktebewertung unterzogen. Die Entscheidung über die Preisvergabe fällt der Kreisausschuss. Der Preis selbst setzt sich aus einer Urkunde und einer Geldzuwendung zusammen. Das Preisgeld beträgt 2.500 Euro und sollte möglichst zweckbestimmt verwendet werden. Die Aufteilung der Summe sowie die Einbehaltung von Restbeträgen ist möglich.

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