Wildschweine werden zum Problemwild der Kulturlandschaft

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Werra-Meißner. Die ungebremste Zunahme der Wildschweine beobachten die Jäger und Jägerinnen im Werra-Meißner-Kreis mit wachsender Sorge. Nachdem e

Werra-Meißner. Die ungebremste Zunahme der Wildschweine beobachten die Jäger und Jägerinnen im Werra-Meißner-Kreis mit wachsender Sorge. Nachdem es im vergangenen Jahr bei Eichen und Buchen zu einem besonders starken Fruchtansatz gekommen war, sind die Wildsauen sehr gut über den letzten Winter gekommen. Die Tiere sind in einem sehr guten Ernährungszustand in das Frühjahr gegangen. Dies habe auch die Vermehrung des Schwarzwildes stark angeregt.

"Die meisten Bachen (weibliche Wildschweine) haben in diesem Jahr zweimal Frischlinge bekommen und sogar viele Jungbachen, die noch kein Jahr alt sind, führen schon eigene Junge", betonte Rainer Stelzner, der Vorsitzende des Jagdvereins Hubertus Kreis Eschwege e.V. "Dies verstärkt einen Trend, der sich schon seit einigen Jahren nicht nur in unserer Region, sondern in ganz Mitteleuropa abzeichnet. Hinzu kommt, dass in diesem Jahr auch im Werra-Meißner-Kreis die Anbaufläche für Mais stark zugenommen hat. Gerade der Mais aber ist bei den Wildschweinen sehr beliebt, sodass hohe Wildschäden, die den Landwirten in der Regel von den Jägern ersetzt werden müssen, zu erwarten sind. Dies kann in einzelnen Fällen für den Jagdpächter zu einer existenzbedrohenden Belastung werden. Schon heute ist es schwierig geworden, Jagdreviere mit hohem Wildschadensdruck neu zu verpachten. Neben dem Wildschadensersatz und den oft hohen Jagdpachten werden die Jäger auch im Werra-Meißner-Kreis noch mit der als ungerecht empfundenen Jagdsteuer bestraft."

"Das Schwarzwild ist die letzte der wehrhaften Großwildarten, die in unserer dicht besiedelten und durch Straßen übererschlossenen Kulturlandschaft überleben konnte und seit einigen Jahren trotz scharfer Bejagung kontinuierlich zunimmt," erklärte Stelzner weiter "Über die Ursachen sind sich die Experten seit langem einig. Milde Winter durch Klimaerwärmung, häufige Fruchten der Waldbäume, Ausdehnung der Maisanbaufläche, auch für den Betrieb von Biogasanlagen, führen dazu, dass die Wildschweine das ganze Jahr hindurch einen gedeckten Tisch vorfinden. Die Jäger versuchen durch intensive Bejagung der Wildschweine den Bestand zu begrenzen. Dabei ist besonders die Wildschweinjagd ein schweres und gelegentlich aufreibendes Handwerk, das im Werra-Meißner-Kreis von ortansässigen Jägern ausgeübt wird. Im Frühjahr und Sommer erfolgt dies auf dem Einzelansitz meist zur Nachtzeit bei Mond. Im Herbst und Winter aber werden groß angelegte, revierübergreifende Jagden organisiert, deren Ziel es ist, an einem Jagdtag möglichst viele Tiere zu erlegen."

"Wir Jägerinnen und Jäger verstehen uns aber ausdrücklich nicht als staatlich lizensierte Schädlingsbekämpfer", betonte Stelzner. "Das vorrangigste Ziel der waidgerechten Jagd ist, alle Wildarten, so auch die Wildsauen, in einer angemessenen Zahl in unserer Landschaft zu erhalten. Bei allen Jagdarten wird dem Tierschutz unbedingter Vorrang eingeräumt. Die notwendige Erlegung der Tiere muss ohne unnötige Schmerzen und Qualen durch einen schnell tötenden, von einem geübten Schützen aus der Jagdwaffe abgegebenen Schuss erfolgen. Muttertiere, die Bachen, die noch Frischlinge führen, sind bei allen Jagden streng geschont! Der Schutz der Muttertiere ist eine der wichtigsten Forderungen der waidgerechten Jagd, und nicht umsonst hat das Jagdgesetz das Töten eines Muttertieres zu einer Straftat erklärt. Wenn der Winter zu hart wird, was auf den Höhen der Mittelgebirge schnell der Fall sein kann, verzichten die Jagdpächter freiwillig auf die Jagd, auch wenn die Jagdbehörde noch nicht die Notzeit mit Jagdverbot und Fütterungspflicht erklärt hat."

"Immerhin aber hat die Zunahme der Wildschweine auch eine positive Seite", freut sich Stelzner. "Da immer mehr Sauen erlegt werden, können die Jäger im Werra-Meißner Kreis der Bevölkerung immer öfter eine schmackhaften Wildschweinbraten oder eine nach regionaler Handwerkskunst hergestellte Wildscheinwurst zu sehr moderaten Preisen anbieten. Das in der Region gewonnene Wildfleisch ist ein naturreines, biologisch erzeugtes Lebensmittel von bester Qualität."

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