Zwei Projekte aus dem Werra-Meißner-Kreis sind Preisträger des Hessischen Denkmalschutzpreises

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Horst und Lutz von Buttlar haben die alte Dorfschule in Markershausen saniert und dafür den Hessischen Denkmalschutzpreis erhalten.

Die ehemalige Dorfschule in Herleshausen-Markershausen und die Jugendbauhütte der Jugendburg Ludwigstein in Witzenhausen gehören zu den Preisträgern des diesjährigen Hessischen Denkmalschutzpreises.

Markershausen/Witzenhausen/Wiesbaden - Den überreichte in der vergangenen Woche Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn in Wiesbaden. „Die Jury des Hessischen Denkmalschutzpreises hat eine beneidenswerte Aufgabe: Sie reist quer durch Hessen, um sich Denkmäler anzuschauen, in die Menschen viel Arbeit, Herzblut und natürlich auch Geld gesteckt haben, um sie wieder zum Strahlen zu bringen.

In diesem Jahr war die Qualität der Bewerbungen so großartig, dass es nur erste und zweite Preise gibt und die Hessen Lotto GmbH ihr Preisgeld aufgestockt hat. Das ist eine wunderbare Entwicklung und zeigt, wie der Denkmalschutz immer mehr an Bedeutung gewonnen hat – auch für die Hessinnen und Hessen. Baudenkmäler und ganze Ensembles, historische Stadtkerne und neu genutzte Bauten der Industriegeschichte tragen zur Urbanität und Lebensqualität in unserem Land bei. Das Engagement der Preisträgerinnen und Preisträger erhält diese Schätze für uns alle – dafür danke ich Ihnen herzlich und wünsche weiterhin viel Schaffenskraft bei der Pflege Ihrer historischen Schätze“, so Dorn.

Der zweite Preis wurde viermal vergeben: Horst und Lutz von Buttlar haben mit der Sanierung der alten Dorfschule in Herleshausen-Markershausen dazu beigetragen, den historischen Ortskern zu erhalten. „Es gab viele Rückschläge, schlaflose Nächte und verzweifelte Telefonate – am Ende aber haben wir es geschafft“, erinnert sich Horst von Buttlar. „Als die Sonne das Haus an einem strahlenden Sommertag durchflutete, spürten wir: Hier ist etwas Einmaliges entstanden.“ In der 1783 errichteten Dorfschule im Ortskern von Markershausen wurde bis nach dem 2. Weltkrieg unterrichtet.

Anschließend diente das Gebäude als Wohnhaus und stand seit 2012 leer. Sowohl das ursprüngliche Gebäude als auch der im 19. Jahrhundert angebaute Schulsaal waren in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand, als die Brüder Horst und Ludwig von Buttlar das Ensemble Ende 2014 erwarben. Bei den seit 2016 erfolgten Sanierungsarbeiten galt der Grundsatz der Nachhaltigkeit. Ergänzungen aus den 1980er Jahren wurden zurück gebaut, soviel historische Bausubstanz wie möglich erhalten. Die Anpassung an einen zeitgemäßen Wohnkomfort erfolgte durch historische Materialien auf der Grundlage überlieferter Gestaltungsprinzipien. Ziel der Brüder von Buttlar war es, dem Gebäude sein authentisches Erscheinungsbild zurückzugeben, Altes zu bewahren - aber auch Neues zuzulassen.

Neben diversen Reparaturen und einem Neuanstrich mit Leinölfarbe wurde die mit Feuchtigkeit belastete Nordfassade verkleidet und alle Außenwände durch Anbringung einer fünf Zentimeter starken Innendämmung energetisch optimiert. Erhaltene Lehmputze und Dielenfußböden, Treppen und Türen wurden aufgearbeitet. Eine durch florale Ornamente geprägte Stuckdecke im Obergeschoß wurde aufwändig restauriert. Die Sanierung der Dorfschule ist ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung des historischen Ortskerns von Markershausen.

Die Burg Ludwigstein ist ein Ort der Begegnung und des Lernens.

Zudem wurden drei Ehrenamtspreise verliehen. Für die Jugendbauhütte der Jugendburg Ludwigstein wurden Dirk Osmers und Jule Stiebing ausgezeichnet. Mit der Unterstützung vieler Helferinnen und Helfer gaben sie der Burg Ludwigstein in Witzenhausen eine neue Bestimmung als Ort der Begegnung und des Lernens.

Als Ort der Begegnung, des Lernens und Verstehens steht die Jugendburg Ludwigstein seit über 100 Jahren in der Tradition des Wandervogels für den Erhalt der Burg ein. Die Vereinigung Jugendburg Ludwigstein erwarb die Burg im Jahr 1920 in ruinösem Zustand, um sie als aus eigener Kraft zu sanieren. Mit dem Aufbau einer Jugendbauhütte knüpfen die Stiftung Jugendburg Ludwigstein und das Archiv der deutschen Jugendbewegung seit 2005 an diese Tradition an.

Unterstützt von einem professionellen Team aus Architekten, Ingenieuren, Meistern und Gesellen aus den Jugendbünden, dem sogenannten Bauhüttenkreis, stehen derzeit 15 Jugendgruppen als Raumpaten für einzelne Räume der Burg ein. Der Bauhüttenkreis und die Jugendlichen, die ein freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege absolvieren, organisieren die Winterbauhütten. Darüber hinaus engagieren sich etwa 200 ehrenamtliche Burgbauhelfer für den Erhalt der Burg. Große Teile des Fachwerks im Burginneren sowie die Bruchsteinmauer sind bereits saniert, die Fenster in der Kernburg konnten instand gesetzt und die historische Bausubstanz freigelegt und dokumentiert werden. Die vielfältigen Maßnahmen an der Burg wurden qualitativ hochwertig und denkmalgerecht durchgeführt. Mit dem Enno-Narten-Bau, einem Strohballenhaus, erweiterten die Jugendbünde die Burg und schufen Platz für eine Bauhütten- und Schülerwerkstatt mit Bibliothek und Seminarsaal, in dem zukünftige Generationen in traditionelle Techniken des Handwerks eingeführt werden sollen.

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