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Audi S3: Schlägt der 310-PS-Hammer Golf R und Cupra Formentor 2.0?  

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Von: Rudolf Bögel

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Audi S3 gelb Front
Besser als der große böse Golf R ? Der Audi S3 hat zwar den gleichen Motor, tickt aber beim Fahrverhalten ein wenig anders. © Graeme Fordham / Audi

Wer ist besser – Audi S3, Cupra Formentor VZ 2.0 oder doch der Golf R? Das giftige 300-PS-Trio im Vergleich.

Geerbt, gespart – keine Lust auf Strafzinsen? Aber Bock auf einen der letzten kompakten Straßenfeger mit Verbrenner? Dann hat man die Qual der Wahl. Ob Audi S3, Golf R oder Cupra Formentor VZ 2.0 – für rund 50.000 Euro gibt es PS satt jenseits der 300. Gegründet hat dieses Segment der Golf GTI vor fast 50 Jahren anno 1975. 110 PS in einem Kleinwagen, das war damals eine Ansage. Eine geradezu lächerliche Motorleistung im Vergleich zu heute. 2020 hatte ein neu zugelassener Pkw in Deutschland statistisch gesehen schon 166 PS – aber im Durchschnitt! Ein Trend, der seit über zehn Jahren ungebrochen ist und der sich auch bei den Elektroautos fortsetzt. Dort aber in einer schwindelerregenden Spirale. Schon der vergleichsweise kleine Honda e hat 136 PS, aber schon der kleine Tesla Modell 3 startet bei 325, steigerbar bis zu 513 PS.

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VW Golf R blau
Nur fliegen ist schöner. Den Anspruch, die Nummer 1 zu sein, formuliert der Golf R mit diesem Foto. © www.martinmeiners.de / VW

Zwei Mal 310 PS, einer hat legt noch eine Schippe drauf

Aber zurück in die Welt, in der der Auspuff noch raucht und die nächste Tankstelle die Reichweite definiert. Wer 50.000 Euro auf der hohen Kante hat (noch besser 60.000 wegen der vielen Extras, die man dazunehmen kann), der hat die Qual der Wahl. Gerade im VW-Konzern. Der Golf R definiert die Spitze mit seinen 320 Pferdestärken, es folgen Audi S3 und der vergleichsweise neue Cupra Formentor VZ 2.0 – der jüngste in der Runde. Die Motoren sind samt und sonders aus dem Volkswagenregal, nahezu identisch.

Cupra Formentor 2.0
Hat von den drei Rennsemmeln aus dem VW-Konzern mit Abstand die coolste Optik: Der Cupra Formentor ist ein echter Hingucker. © Cupra

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Von 0 auf 100 unter 5 Sekunden – einer ist schneller

Und auch sonst sind die Unterschiede klein. Da mag das Blechkleid länger (Cupra Formentor) sein. Da darf der S3 als flachster Vertreter das Trio anführen. Und der Golf R schlägt mit 4,7 Sekunden beim Sprint auf Tempo 100 den Cupra um zwei Zehntel, den S3 nur um ein Zentel. Die entscheidenden Unterschiede liegen im Design, im Image und bei der Auslegung das Fahrwerks. Wer alle Daten vergleichen will – bitte ans Ende des Artikels scrollen, da stehen die wichtigsten Fakten des giftigen Trios im Überblick.

Audi S3 gelb Detail Kühler
Der Kühlergrill in Wabenoptik signalisiert: Was sich dahinter verbirgt, ist weit von der Norm entfernt. © Graeme Fordham / Audi

Audi S3: Phytongelber Raubfisch mit großem Maul

Nach Tests mit Golf R und Cupra Formentor sitzen wir nun im phytongelben Audi S3. Optisch ist das Teil wirklich ein echter Klatscher – und vielleicht der auffälligste Vertreter der PS-Bande von Volkswagen. Liegt mit ziemlicher Sicherheit an dem riesigen Kühler, der fast zwei Drittel der Front einnimmt und mit seiner Wabenoptik gierig wie ein Fisch auf Raubfang wirkt. Dazu die mächtigen Lufteinlässe und schmale verkniffene Augen: Wer auffallen will, der hat mit dem S3 gewonnen. Phytongelb muss er allerdings schon sein. Apropos Auftritt: Was die Akustik angeht, so hat man dem aufmüpfigen Ingolstädter einen Maulkorb verpasst. Die vier Endrohre des Auspuffs machen zwar optisch auf dicke Hose, der Sound jedoch ist der Umwelt zuliebe eher dezent und wird künstlich zugespielt im Innenraum.

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Audi S3 Interieur
Die Lüftungsdüsen sitzen rechts und links vom Cockpit und betonen die Ausrichtung des Armaturenbretts auf den Fahrer. © Graeme Fordham / Audi

Der S3-Fahrer hat sogar seine eigene Kühlung

Die Sportsitze des S3 sind bequem, bieten trotzdem auch bei flotter Fahrt ordentlich Seitenhalt. Beim Cockpit können wir kaum einen Unterschied zu einem herkömmlichen A3 erkennen. Die Lüftungsdüsen sitzen rechts und links vom digitalen Tacho, direkt auf den Fahrer gerichtet. Damit er bei atemloser Fahrt genügend Luft bekommt, oder als Kühlung für kleine Hitzköpfe, die sich nur zu gerne von der Wucht der 310 PS verführen lassen. Lob an dieser Stelle für das Infotainment-System: In der neuen Generation ist es so logisch geworden, dass man sich mühelos zurechtfindet. Sogar die Klangeinstellungen sind nur zwei Kacheln entfernt.

Audi S3 gelb Heck
Der S3 ist richtig giftig © Graeme Fordham / Audi

Ein Tritt auf das Gaspedal – der S3 ist richtig giftig

Wir haben noch das kraftvolle, aber kultivierte Fahrgefühl beim Cupra Formentor VZ 2.0 im Gefühl, als der S3 nach einem Druck auf den Startknopf losbollert. Schon beim ersten Tritt auf das Gaspedal merkt man den Unterschied. Der Audi S3, der ist ja richtig giftig. Passend zur pythongelben Lackierung. Giftiger als der Cupra. Sofort hängt der kleine Kompakte mit der großen Leistung am Gas. Und dabei haben wir noch gar nicht die Stufe Dynamic eingelegt. Während der Formentor erwachsener wirkt, steckt der S3 noch voll in der Pubertät. Mitreißend schaltet das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe die Gänge hoch, keine Verzögerung, kein Turboloch. Das geht linear auf Tempo 100 unter dem Einsatz von 400 Newtonmetern (Nm) Drehmoment, das bei 2.000 Umdrehungen schon anliegt und bis 5.450 Nm anhält. Just da, wenn der Motor den Höhepunkt seiner Leistung erreicht.

Audi S3 gelb Kofferraum
Auch wenn der Kofferraum auf diesem Foto ziemlich groß aussieht - im Vergleich zu Cupra Formentor und Golf R ist er kleiner. © Graeme Fordham / Audi

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Audi, Cupra, VW – der Unterschied liegt im Fahrwerk

Warum der S3 so anders wirkt als beispielsweise ein Cupra Formentor oder sogar als ein Golf R, der sich in der Komfort-Stufe schon fast an der Grenze zur Langweile fährt, liegt an der Auslegung des Fahrwerks. Im Vergleich zum herkömmlichen A3 hat der Sportler natürlich ein Sportfahrwerk schon in der Serie. Man sollte sich aber für 760 Euro noch die adaptiven Dämpfer leisten, die noch präziser reagieren und den S3 um 15 Millimeter nach unten schrauben. Verteilt werden die Antriebskräfte vom Allradsystem Quattro, für das Audi einst berühmt geworden ist. Im normalen Betrieb zieht der S3 hauptsächlich an der Vorderachse, bei entsprechender Leistungsanforderung schickt er auch schon mal ein paar PS nach hinten. Das geht nahezu bis 100 Prozent, dann wird aus dem kleinen Audi ein echter Sportler. Wenn man alle Systeme scharf auf der Stellung „Dynamic“ scharf gestellt hat, dann geht der Audi auch scharf um die Kurven. Und aufgepasst: Auch die elektronischen Sicherheitsagenten wie das ESP lassen dann mehr zu. Vorausgesetzt er beherrscht das, kann der Fahrer schon mal das Heck um die Kurven schwänzeln lassen. Kettenkarussell-Feeling pur. Die Progressivlenkung reagiert vielleicht manchmal ein wenig gefühllos, aber man gewöhnt sich daran.

Audi S3 gelb von oben
Flotter Feger aus Ingolstadt aus der Vogelperspektive. Der S3 von Audi wirkt mit der Signalfarben Gelb besonders dynamisch. © Audi

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Rocker, Gentleman oder Grandseigneur – wer darf es sein?

Audi S3, Cupra Formentor VZ 2.0 oder doch der Golf R? Welcher von den dreien soll es nun sein? Letztendlich ist das eine reine Geschmacksfrage – denn die technische Basis ist nahezu identisch. Alle drei sind echte Spaßmobile, die auch für den Alltag bestens gerüstet sind. Der Audi S3 ist vielleicht mehr ein kleiner Rocker, der Cupra Formentor ein Gentleman mit Understatement-Genen, während der Golf R als Grandseigneur der Truppe die vielleicht größte Spreizung zwischen Sportwagen und komfortabler Limousine aufweist.

Technische Daten Audi S3 Sportback TFSI

Technische Daten Cupra Formentor VZ 2.0 TSI 4Drive

Technische Daten Golf R

Rudolf Bögel *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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