Fahrbericht M2 Competition

Wegen Abgasnorm: Dieser BMW darf in Europa nicht mehr verkauft werden

BMW M2
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Dieser Sonnenuntergang ist symbolträchtig. Ende September wird der M2 Competition nicht mehr für den europäischen Markt produziert.

Wer eine der besten Fahrmaschinen kaufen will, die es derzeit auf dem Markt gibt, der muss ziemlich schnell sein. Der BMW M2 Competition wird wegen schärferer EU-Abgasnormen zumindest in Europa eingestellt. So schade!

  • Bye, Bye Fahrspaß - Abschied von einer weiß-blauen Rakete von BMW*.
  • Der M2 glänzt mit Heckantrieb und Sechsgang-Handschalter.
  • 6 Zylinder, 410 PS, 280 km/h Spitze - für Autofans sind das Traum-Maße.

Ende September ist Schluss. Die weißblaue Rakete namens M2 Competition wird zwei Jahre früher als gedacht in Rente geschickt. Um den immer schärfer werdenden Schadstoff-Vorgaben der EU gerecht zu werden, hätte der Reihensechzylinder, der auch schon im bereits eingestellen M3 werkelte, umfangreich überarbeitet werden müssen. Rechnet sich nicht, schließlich kommt der Nachfolger des M2 schon 2022 neu auf den Markt. Fans hätten die Galgenfrist von mehr als eineinhalb Jahren noch gerne genutzt. Und so heißt es Abschied nehmen - zumindest in Europa. Auf allen anderen Märkten darf das Katapult auf vier Rädern weiter fleißig gekauft werden.

BMW M2 Competition: Volle Kraft voraus, 3.000 Umdrehungen lang

Was ist das doch für ein feines Maschinchen! Ein Dreiliter-Benziner mit doppelter Turbo-Aufladung. Kernig, drehfreudig, gschmackig. Das Drehmoment liegt bei 550 Newtonmetern. Das ist schon mal eine Wucht. Aber so richtig Laune macht das Beschleunigen, weil das Drehmoment über den langen Zeitraum von 2.350 bis 5.230 Umdrehungen (U/min) zur Verfügung steht. Das ist so, als ob ein 100-Meter-Sprinter die volle Power auch bei einem 1.000-Meter-Lauf halten kann. Beim M2 der BMW M GmbH spürt man die Kraft eines jeden Zylinders, sechs an der Zahl - und das ist ein komplett anderes Gefühl, als wenn man mit vier Töpfen und der identischen PS-Anzahl unterwegs ist. 

Geschmiedete Felgen machen fast jedes Auto schöner, den M2 auf alle Fälle.

Warum man auf die Automatik beim BMW M2 Competition pfeifen kann

Ein echter Genuss für Puristen ist auch das Getriebe. Ein Sechs-Gang-Handschalter - er zählt zu den letzten einer leider aussterbenden Art. Natürlich kann man den M2 auch mit einem Doppelkupplungsgetriebe ordern. Und wahrscheinlich ist das für den Alltag auch bequemer. Aber wer den Sechszylinder wirklich genießen will, der muss selber schalten. Bei den Fahrwerten kostet das zwar ein paar Zehntelsekunden, aber was soll´s? Ob der BMW nun in 4,4 Sekunden oder in 4,2 Sekunden von 0 auf 100 sprintet, ist doch wirklich nur für Zahlen-Fetischisten oder dem Prahlhans von nebenan wichtig. Die Gänge schön ausdrehen und mit dem Drehmoment spielen - Autofahrer-Herz was willst Du mehr?

Vorsicht Heckantrieb - da wird es gefährlich!

Heckantrieb und 411 PS lassen den M2 um die Kurven tanzen. Beim Fahrertraining lernt man sogar das Driften.

Dazu passt eine ebenfalls bedrohte Art. Der Heckantrieb. Lange Jahre zählte er zur DNA der weißblauen Autohersteller. Aber nach und nach stellt man auf Front-Antrieb um, oder liefert gleich Allrad. Bei einem klassischen Heckantrieb muss man natürlich immer aufpassen, beim M2 sogar höllisch - zumindest, wenn man die Hilfssysteme runterfährt. Denn die BWM-Rakete neigt bei einem nervösen Gasfuß dazu mit dem Gesäß ein wenig zu weit zu wackeln. Da braucht es gute Nerven und Fahr-Erfahrung noch dazu. Bei regennasser Straße sollten die Assistenten eingeschaltet sein. Wer ein Fahrertraining bei BMW dazubucht, kann jedoch die Grenzen austesteten. Beim Driften wird der M2 zum Walzerkönig auf Asphalt.

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Roter Startknopf wie bei einer Rakete

Das Cockpit kommt aus dem Serienauto, leider kann man es nicht peppiger ordern. Aber dafür stimmt der Verkaufspreis beim M2.

Nicht nur dem Motor merkt man an, dass dieser BMW rein auf Spaß getrimmt wurde. Auch das Fahrwerk glänzt durch Direktheit. Kein Wunder, stammt die Technik doch vom großen Bruder, dem M3. Die Lenkung ist sauber und präzise. Die Dämpfer lassen die Straße auf angenehme Art und Weise spüren. Fühlt sich stramm und straff an, so wie es sein muss. In den Kurven tänzelt das Auto wie ein echter Sportwagen.

Kompakter Zweisitzer. Auf der Hinterbank können zwei kleine Menschen problemlos sitzen. Das Kofferraumvolumen entspricht dem normalen Zweier BMW.

Fast vergisst man, dass man in einem schlichten Groß-Serienauto sitzt. Denn auch die Optik im Innenraum ist im M2 eher von schlichter Natur. Außer dass man sich die Polster in den M-Farben Blau und Rot besticken kann, fällt nur der rote Startknopf auf. Wie bei einer Rakete. Nachdem er betätigt wurde, erscheint im Display die Mitteilung „Volle Antriebsleistung in Kürze verfügbar“. Eine reine Spielerei für das Kopfkino, auf dessen Leinwand eine riesige Startrampe erscheint. Ansonsten herrscht im Innenraum des M2 leider die Tristesse eines gewöhnlichen Zweier-BMWs mit dem schon oft gegeißelten, aber nicht unbedingt ansehnlichem Billig-Plastik.

So viel Leistung für schmales Geld hat nur der Ford Mustang

Zwei doppelte Auspuffrohre signalisieren, dass im Motor viel drin sein muss, damit hinten so viel rauskommt.

Aber irgendwo muss es ja auch Einschnitte geben, um den für diese Leistungsklasse recht günstigen Preis zu ermöglichen. Denn der ist neben Motor und Fahrwerk die große Stärke des M2. Für 61.000 Euro bekommt man einen reinrassigen Sportwagen, der sonst gut und gerne 20.000 Euro mehr kostet, wie etwa der Porsche Cayman GTS mit 400 PS (ab 82.000 Euro). Oder man holt sich den amerikanischen Spaßbomber Ford Mustang für rund 50.000 Euro. Der kann aber bei Fahrwerk und Performance nicht ansatzweise mit einem M2 mithalten. Im Basispreis des BMW ist außerdem schon ziemlich viel Ausstattung dabei. Wer die Sportbremse in Grau haben will, muss noch mal mit 1.600 Euro zusätzlich leben, das Drivers Package mit Fahrertraining und Freischaltung der Höchstgeschwindigkeit auf 280 km/h kostet 2.400 Euro extra.

Sechs Zylinder, Doppelturbo - für Autoenthusiasten ist dieses BMW-Triebwerk, verfeinert von der M GmgH, ein echter Leckerbissen.

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Wie geht es weiter mit dem M2? 

So gut wie sich das aktuelle Modell verkauft hat, dürfte das Spaßmobil eine sorgenfreie Zukunft haben. Der reguläre Zweier kommt 2021, und der guten M-Tradition folgend dauert es dann noch ein Jahr, bis die scharfe Variante auf den Markt kommt. Rein spekulativ kann man davon ausgehen, dass der Nachfolger den neuen Sechszylinder bekommt, der schon im X3 M eingebaut ist. Da hat er 480 PS und 600 NM Drehmoment. Beim M2 werden beide Werte allerdings nach unten korrigiert. Optisch dürfte er auffälliger werden als sein Vorgänger. Der umstrittene Riesen-Kühlergrill würde zum M2 passen. Dicke Lippe – und auch noch viel dahinter.

Doppelstreben im Grill dazu dezent das M 2-Logo. Wer nicht genau hinsieht, kann das Sportauto kaum unterscheiden vom Serienwagen.

Datenblatt zum BMW M2 Competition

Hubraum:2.979 ccm
Leistung:411 PS bei 6.250 U/min
Drehmoment:550 Nm zwischen 2.350 und 5.230 U/min
Motor:Reihen-Sechszylinder Benziner mit Twin Turbo
Getriebe:6-Gang-Handschalter
Antrieb:Heckantrieb
Länge/Breite/Höhe:4,46 / 1,99 / 1,41 Meter
0 auf 100:0 – 100 in 4,4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit:250 km/h
Verbrauch:10,0 l/100 km
Co2:227 g/km
Leergewicht (zul):1.625 kg/ 460 kg
Kofferraum:390 l
Preis:ab 60.924,37 Euro

(Rudolf Bögel)*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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