Zurück zum Ursprung

Der große Vergleich: Wie schlägt sich der neue 3er BMW gegen seinen Großvater?

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Wir haben den neuen 3er BMW gegen einen BMW 316 aus dem Jahre 1980 antreten lassen.

Der Dreier von BMW ist ganz schön in die Jahre gekommen. Und dennoch aktuell wie am ersten Tag. Wir haben den BMW 320d Baujahr 2019 gegen den BMW 316 Baujahr 1980 antreten lassen.

1975 debütierte die Mittelklasse, intern als E21 bezeichnet, als Nachfolger der legendären 02-Baureihe und legte eine Erfolgsgeschichte hin, da sie sich über 1,3 Millionen Mal verkaufte. Und nun steht der 320d vor uns, Erstzulassung am 11. Januar 2019, strahlend weiß und inzwischen in siebter Generation, intern als G20 bezeichnet. Wir wollten wissen, wie groß die Unterschiede zwischen damals und heute sind – und durften dank der BMW Group Classic mit einem 316, Baujahr 1980, aus dem Museum zurück zum Ursprung und einen nicht objektiven Vergleich mit dem aktuellen Dreier anstellen.

BMW 320d gegen BMW 316: Die Maße

Schon auf den ersten Blick wirkt der Neue größer als der Ur-Dreier. Der Vergleich zeigt: In allen drei Dimensionen hat er zugelegt (siehe Datenblatt), vor allem aber in der Breite. Das kommt natürlich den Insassen zugute, die auf allen fünf Plätzen Langstreckenkomfort genießen. Im Ur-Dreier war schon die Fahrt zur Eisdiele oder an den Baggersee eine kuschelige Angelegenheit. Das Wachstum schlägt sich natürlich auch beim Gewicht nieder: Der aktuelle Dreier hat ganz ordentlich was auf den Rippen und ist nun mehr als ein Drittel schwerer als das Ur-Modell.

Die Niere des neuen BMW 320d ist mit 90 Zentimeter deutlich breiter als früher.

Neue Dimensionen auch bei Niere und Scheinwerfer: Beim 316 maß das charakteristische Kühlerelement gerade mal 20 Zentimeter, heute streckt es sich über 90 Zentimeter Breite. Der Rundscheinwerfer hatte einen Durchmesser von 18 Zentimetern, die Lichtorgel heute misst 60 Zentimeter in der Breite. Geschrumpft ist dagegen der runde Propeller auf dem Kofferraumdeckel: BMW-Logo hatte einst einen Durchmesser von 8,5 Zentimetern, inzwischen sind’s nur noch sieben Zentimeter.

Den 316 gab es nur als Zweitürer. Da heißt es also beim Einstieg für Hinterbänkler, sich schlangengleich reinzuquetschen und Beine und Knie anzuziehen. Viel Freiheit hatte man nicht und für den Mittelplatz blieb nur ein Beckengurt, dafür genoss der Fahrer dank schmaler B- und C-Säulen eine sehr gute Rundumsicht.

Im viertürigen 320d sitzt man auch hinten sehr kommod: jede Menge Platz, viel Beinfreiheit und auch auf langen Strecken sehr bequem. Dafür ist der Fahrer ohne die ganzen elektronischen Helferlein ziemlich aufgeschmissen, wenn die Dimensionen des Wagens beachtet werden müssen.

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BMW 320d gegen BMW 316: Motor/Leistung

Früher war die Niere nur 20 Zentimeter breit.

Beide haben einen Vierzylindermotor unter der Haube. Damit endet die Gemeinsamkeit. 422 Kubikzentimeter trennen das Modell aus dem Jahr 1980 vom aktuellen – 1.573 gegenüber 1995 Kubikzentimeter. Aber jeder Dreier war bzw. ist zu seiner Zeit in Bezug auf die Leistung vorne mit dabei: Die 90 PS des 316 reichten, um das Image von BMW als sportliche Marke zu manifestieren und den Wagen auf bis zu 161 km/h zu beschleunigen (was wir aber lieber nicht ausprobiert haben). Die 190 PS im aktuellen 320d reichen, um sehr zügig unterwegs zu sein, auf die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h haben wir ebenfalls verzichtet.

BMW 320d gegen BMW 316: Das Cockpit

Sich in den aktuellen 320 zu setzen, hat etwas vom Einstieg in eine Kommandozentrale: Das üppig dimensionierte Lenkrad hat jede Menge Knöpfe und Schalter, links und rechts am Armaturenbrett geht die Auswahl weiter, dazu einen Touchscreen, der früher fast schon als Wohnzimmerfernseher durchgegangen wäre. 420 Seiten ist die Bedienungsanleitung dick, in der ausführlich erklärt wird, wie das alles funktioniert. Wer lieber fährt: Auch im Control Display kann sprachgesteuert in der Bedienungsanleitung geblättert werden.

Die einen würden es aufgeräumt nennen, andere finden es spartanisch: das Cockpit des BMW 316.

Im 316 dagegen ist alles klar und einfach. Das Lenkrad ist dünn und hat nur vier Tasten für die Hupe – und sonst nichts. Airbag? Gab’s damals noch nicht. Der Blinkerhebel ist massig, merken muss man sich noch, dass die drei Hebel links am Armaturenbrett für Licht, Heckscheibenheizung und Nebelschlussleuchte sind. Dafür hat der 316 einen Aschenbecher, in den vermutlich die Überreste einer gesamten Schachtel Reval passen würden. Unser Dreier ist aber ein Nichtraucherauto.

Während man beim Mordstrumm im 320d die Lenkbefehle notfalls sogar mit nur zwei Fingern geben könnte, weil es so leichtgängig ist, muss man den Kranz im 316 fest umfassen und mit Nachdruck angeben, wie weit der Lenkeinschlag sein soll. Da ist Präsenz gefragt.

Erfahren Sie hier: Fahrspaß im Korea GTI - dem i30 N.

BMW 320d gegen BMW 316: Die Elektronik

Viel ist’s nicht, was im Oldie-Dreier Saft aus der Batterie bzw. der Lichtmaschine braucht: Der linke Außenspiegel wird elektrisch verstellt (einen Spiegel rechts gibt’s nicht). Die Antenne fürs Radio wird manuell herausgezogen, die Fenster mit der Kurbel geöffnet. Der Tankdeckel wird manuell verschlossen und der Motor klassisch mit dem Zündschlüssel gestartet.

Viel Elektronik gab's im BMW 316 damals nicht.

Im 320d gibt’s fast nichts, das nicht mittels elektronischer Helferlein erledigt wird. Kleine Auswahl gefällig? Beim Licht sind zwölf Funktionen einstellbar, der Regensensor steuert den Scheibenwischer, die Klimaautomatik temperiert und das Head-up-Display informiert übers Tempo, die Route und die Verkehrssschilder.

Unterm Stichwort Assistenzsysteme findet man unter anderem Park Distance Control, Rückfahrkamera, Surround View, Parkassistent, Surround View Panorama, Auffahrwarnung mit Bremsfunktion, Ausweichhilfe, Kreuzungswarnung mit City-Bremsfunktion, Personenwarnung mit City-Bremsfunktion, Spurwechselwarnung, Prävention Heckkollision, Falschfahrwarnung, Nothalteassistent, dynamische Bremsleuchten, Active Protection, Post-Crash-iBrake und den Aufmerksamkeitsassistenten.

Dagegen strotzt der BMW 320d nur so vor Assistenten und elektronischen Helfern.

Dazu Fahrstabilitätsregelsysteme wie ABS, Bremsassistent, Adaptiver Bremsassistent, Anfahrassistent, DSC, DTC, manuelle Geschwindigkeitsbegrenzung, Tempomat, aktive Geschwindigkeitsregelung mit Stop & Go-Funktion, Lenk- und Spurführungsassistent, Park Distance Control PDC. Klingt beinahe so, als ob man im 320d als Fahrer nichts mehr zu tun hätte.

BMW 320d gegen BMW 316: Das Fahrverhalten

So war es damals: Mit Nachdruck wird das Kupplungspedal bis zum Blech durchgetreten, mit viel Gefühl wird der erste von vier Gängen eingelegt, los geht’s. Rückwärts kommt man, wenn man den langen Schalthebel nach links zieht, den kleinen Widerstand überwindet und dann den Hebel nach vorne drückt. Alles Gefühlssache. Beim 320d ist eine Achtgangautomatik für den Vortrieb zuständig, die in jeder Lebenslage so ziemlich jeden Beschleunigungswunsch erfüllt – mal dezent, auf Wunsch auch eher sportlich-brachial. Das Fahrwerk erlaubt eine sportliche Gangart, ohne Fahrer und Passagiere zu stressen, an unserem Exemplar verzögern obendrein Sportbremsen.

BMW 320d gegen BMW 316: Preis/Verbrauch

Der 316 kostete 13.600 DM. Inflationsbereinigt entspricht das 19.100 Euro. Und er hatte Durst: Wer ihn sportlich fuhr (das taten wohl die meisten), musste mit elf bis zwölf Litern Super auf 100 Kilometer kalkulieren. Der 320d genehmigt sich zwischen 5,4 (im Eco-Modus, aber nicht spaßbefreit) und über acht Liter (weder Eco noch Öko) Diesel auf 100 Kilometer. Basispreis: 40.450 Euro, dank üppiger Sonderausstattung kommt unser Testwagen auf 67.180 Euro Endpreis.

BMW 320d gegen BMW 316: Datenblatt

BMW 316, Baujahr 1980

BMW 320d, Baujahr 2019

Maße:

Länge: 4,35 m, Breite: 1,61 m, Höhe: 1,38 m

Länge: 4,70 m, Breite: 1,82 m, Höhe: 1,43 m

Gewicht:

1.040 Kilogramm

1.629 Kilogramm

Motor:

Vierzylinder Reihenmotor

Vierzylinder-Reihenmotor

Hubraum:

1.573 ccm

1.995 ccm

Leistung:

90 PS bei 6.000 U/ min

190 PS bei 4.000 U/min

Getriebe:

Viergang-Schaltgetriebe

Achtgang-Automatik

Beschleunigung 0–100 km/h:

13,8 sec

7,1 sec

Höchstgeschwindigkeit:

161 km/h

240 km/h

Bremsen:

vorn: Scheibenbremsen, hinten: Trommelbremsen

Scheibenbremsen rundum

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Volker Pfau

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