Gerichtsurteil

Kind fährt mit Tretauto auf die Straße: Haften die Eltern?

+
Mit dem Tretauto oder Kettcar ist schnell ein Unfall verursacht. Im vorliegenden Fall entschied das Gericht für eine hälftige Schadensteilung. Foto: Ralf Hirschberger

Eltern haften, wenn sich ihr Kind unbeaufsichtigt mit einem Tretauto im Verkehrsraum bewegt und einen Unfall verursacht. Doch müssen sie die volle Höhe des Schadens tragen?

Zeitz (dpa/tmn) - Wann Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, lässt sich nach Unfällen nicht pauschal beurteilen. Es hängt vom Einzelfall sowie unter anderem vom Alter, Entwicklungsstand und Charakter des Kindes ab.

Wer aber den Nachwuchs ohne Aufsicht mit einem dafür ungeeigneten Spielzeug wie einem Tretauto im Verkehrsraum fahren lässt, haftet. Das zeigt zumindest ein Urteil des Amtsgerichts Zeitz, auf das der ADAC hinweist (Az.: 4 C 22/18).

Eine Frau fuhr mit ihrem Auto auf ein Tankstellengelände. Dabei bemerkte sie ein sechseinhalbjähriges Kind auf einem Tretauto. Nach dem Tanken stieß sie mit dem Kind zusammen, das auf die Straße fuhr. Die Autofahrerin wollte den entstandenen Schaden ersetzt bekommen und klagte gegen die Eltern wegen Verletzung der Aufsichtspflicht.

Dem kam das Gericht auch nach, entschied aber auf eine hälftige Schadensteilung. Pauschal lasse sich eine Verletzung der Aufsichtspflicht nicht beurteilen, sondern immer nur im Einzelfall.

Die Eltern sagten aus, dass sie das Kind hinreichend und mehrfach aufgeklärt hätten, wie es etwa über die Straße zu gehen habe und dies auch geübt. Sie gaben zudem an, sich davon überzeugt zu haben, dass es sich verantwortungsbewusst an die Vorgaben hält. Zudem laufe es allein zum Schulbus.

Das reichte dem Gericht aber nicht. Denn entscheidend sei immer, was Eltern in einer konkreten Situation tun müssen, um Dritte nicht zu schädigen. Demnach verletzten die Eltern die Aufsichtspflicht, indem sie ihr Kind unbeaufsichtigt und mit einem dafür ungeeigneten Tretauto im öffentlichen Verkehrsraum fahren ließen. Die hälftige Haftung der Autofahrerin resultiert auf der Betriebsgefahr ihres Autos und daraus, dass sie das Kind bereits zuvor bemerkt hatte.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Kilometerlang auf der Mittelspur: Polizei stoppt Autofahrer

Jeder kennt sie, kaum einer hat Verständnis dafür: Mittelspurschleicher. Die Polizei hat nun ein Video eines solchen Fahrers veröffentlicht – ihm droht eine Strafe.
Kilometerlang auf der Mittelspur: Polizei stoppt Autofahrer

Mann kauft Oldtimer für 10.000 Euro und verkauft ihn für Millionen

Gerade einmal 50 Stück wurden vom Alfa Romeo 8C 2900B jemals gebaut. Er galt vor dem Zweiten Weltkrieg als das schnellste Auto mit Straßenzulassung.
Mann kauft Oldtimer für 10.000 Euro und verkauft ihn für Millionen

Vorsicht: Millionen Führerscheine bald ungültig - darauf müssen Sie achten

Bis 2033 müssen die alten "Lappen" gegen den EU-Führerschein im Scheckkartenformat getauscht sein. Der Verkehrsausschuss im Bundesrat sagt aber etwas anderes.
Vorsicht: Millionen Führerscheine bald ungültig - darauf müssen Sie achten

Frau parkt mit Kindern auf Mutter-Kind-Parkplatz - und muss jetzt fast 300 Euro Strafe zahlen

Mutter-Kind-Parkplätze sind für Personen, die mit Kleinkindern unterwegs sind, gedacht. Eine Mutter hielt sich an diese Regel - dennoch musste sie fast 300 Euro zahlen.
Frau parkt mit Kindern auf Mutter-Kind-Parkplatz - und muss jetzt fast 300 Euro Strafe zahlen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.