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Lada statt Mercedes: Russen sollen wieder heimische Autos fahren

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Von: Marcus Efler

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Westliche Automarken galten in Russland als Status-Symbole. Doch wegen der Sanktionen müssen sich die Autofahrer der Kriegs-Nation wieder an alte heimische Marken gewöhnen.

Moskau (Russland) – Gold-schwarze Lackierung außen, beiges Leder innen, V12-Motor unter der Haube: Der Mercedes-Maybach S 680 by Virgil Abloh ist wie geschaffen für reiche russische Autofahrer, die es optisch etwas auffälliger mögen. Doch daraus wird nun nichts. Mit dem wirtschaftlichen Boykott als Reaktion auf die Ukraine-Invasion haben auch die deutschen Autohersteller, die viele ihre Topmodelle an die Oligarchen absetzten, den Export nach Russland ebenso wie Produktion vor Ort eingestellt. Und auch eher gewöhnliche Pkw von VW und Co, die von der dortigen Mittelschicht geschätzt wurden, sind nicht mehr verfügbar –  der russische Automarkt ist komplett kollabiert.

Lada Niva
Der Lada Niva genießt sogar in Deutschland Kult-Status. (Symbolbild) © Jason Langley/Imago

Mercedes goodbye: Russen sollen wieder Lada fahren

Der Ausweg, wie der Kreml sich ihn vorstellt: Alte Automarken des Riesenreiches sollen reaktiviert oder deutlich gestärkt werden. Industrieminister Denis Manturow verkündete Pläne „zur Wiederbelebung von Wolga oder Pobeda – oder sogar beider“. Auch die einstige, in damalige sozialistische Bruderländer exportierte Marke Moskwitsch (Spottname unter DDR-Bürgern: „Rostquietsch“) steht angeblich vor einem Neuanfang.

Zu Sowjetzeiten galten die robusten Wolga-Modelle als Fahrzeug der Wahl für Funktionäre der zweiten Reihe, denen die Limousinen von ZIL, der sowjetischen Antwort auf Mercedes, nicht zustanden. Pobeda wiederum steht für Autos, die in den 50er Jahren westliche Errungenschaften wie die selbsttragende Karosserie kopierten.

Mercedes goodbye: Lada rutscht technisch wieder ab

Lada, vor allem in Deutschland Synonym für russische Autos, soll ebenfalls wieder eine wichtige Rolle spielen. An dem Autowerk in Toljatti, quasi ein russisches Wolfsburg, hatte Renault noch vor kurzem Anteile gehalten. Auch technisch hatten die Franzosen großen Anteil daran, dass Autos wie der Lada Vesta technisch durchaus brauchbare Pkw waren, die auch deutsche Budget-Kunden schätzten.

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Wie der einheimische Autokonzern Avtovaz nach dem Renault-Rückzug weitermachen will, ist noch nicht bekannt. Auch den anderen reaktivierten Marken bescheinigen Branchen-Experten eher zweifelhafte Erfolgsaussichten. „Wir stehen vor einer Primitivisierung und werden gegenüber dem Rest der Welt um ein Jahrzehnt zurückgeworfen“, zitiert die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ einen Auto-Fachmann von der Moskauer Higher School of Economics.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Mercedes goodbye: Russische Autoindustrie nutzte Teile aus dem Westen

Fünf Jahre werde es mindestens dauern, bis die einheimischen Marken den Kreml-Befehl ausführen und mit einer eigenständigen Produktion Serienautos bauen können, schätzt das Münchner Beratungsunternehmens Berylls laut dem „Spiegel“. Denn „die Autoindustrie war auf ausländische Komponenten angewiesen“, so der Moskauer Economics-Experte laut Bloomberg: „Es gab praktisch keine Fabriken, die nicht auf ausländischen Plattformen arbeiteten“.

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