Spurwechsel

Reißverschlussverfahren für Autofahrer ein Rätsel

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Ferienzeit ist Stauzeit.

Beim Thema "Reißverschlussverfahren" sind viele deutsche Autofahrer, laut TÜV Rheinland, überfordert. Das Unwissen verursacht oft kilometerlange Staus an Engstellen.

Vor über 40 Jahren wurde das sogenannte Reißverschlussverfahren in Deutschland eingeführt. Doch scheinbar kennen viele Autofahrer das System nicht mehr.

"Oft ist zu beobachten, dass Verkehrsteilnehmer bereits weit vor der Engstelle auf die weiterführende Spur wechseln", sagt Hans-Ulrich Sander, Kraftfahrtexperte von TÜV Rheinland. Und genau das ist falsch. Bei einer Spurverengung ist es wichtig erst ganz zum Schluss die Fahrbahn - im Reißverschlussverfahren - zu wechseln.

Reißverschlussverfahren in der StVO

Damit der Verkehr reibungslos fließt, gibt es laut Straßenverkehrsordnung bei Straßen mit mehreren Fahrstreifen in einer Richtung besondere Regeln: Endet beispielsweise ein Fahrstreifen oder ist die Weiterfahrt dort nicht möglich, greift das so genannte Reißverschlussverfahren.

Die an der Weiterfahrt gehinderten Fahrzeuge dürfen auf den freien Fahrstreifen wechseln. Dazu fahren sie bis unmittelbar vor die Verengung und ordnen sich im Wechsel mit den Fahrzeugen auf dem freien Fahrstreifen ein. Die Fahrzeuge auf dem benachbarten Fahrstreifen müssen diesen Wechsel ermöglichen.

Das ist kein Vorbeimogeln

 "Das hat nichts mit Vorbeimogeln zu tun. Denn wer sich schon mehrere hundert Meter vor dem Ende des Fahrstreifens einfädelt, verschenkt viel Platz und kann sogar, je nach Verkehrsaufkommen, einen Stau verlängern oder verursachen", sagt der Verkehrsexperte.

Häufig weisen deshalb Schilder mit der Aufschrift wie "Reißverschluss erst in 200 Metern" darauf hin, dass der Fahrbahnwechsel auch erst dann erfolgen sollte.

Vorfahrt bei Autobahnauffahrten beachten

Doch Vorsicht: Das Reißverschlussverfahren gilt nur beim Wegfall einer Fahrspur - nicht jedoch auf den Beschleunigungsstreifen von Autobahnen.

Wer auf die Autobahn auffährt, ist stets wartepflichtig und muss unbedingt die Vorfahrt gewähren. "Falls notwendig, muss der Kraftfahrer sogar anhalten und den fließenden Verkehr passieren lassen, um anschließend vorsichtig, aber zügig auf die Schnellstraße zu gelangen", erklärt Sander.

Das Wichtigste zum Thema Stau

Meist sind es nur Sekunden, die plötzlich einen Mega-Stau verursachen. "Oft genug bremsen Autofahrer vor Autobahnwegweisern, weil sie sich unsicher sind oder doch nochmal hecktisch auf die Karte schauen", weiß Verkehrsforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen. Deswegen rät der Experte: Trotz Navigationssystem - vor Reisebeginn einen Blick auf die gute alte Straßenkarte zu werfen. © dpa
Nachtfahrten bieten Vorteile: "Es sind weniger Lkws auf den Straßen und viele Fahrer trauen sich in der Dunkelheit auch nicht zu fahren", weiß Schreckenberg. Wer mit den Kindern in den Urlaub fährt, könne sich nachts zudem über mehr Ruhe im Auto freuen. "Und die große Hitze bleibt einem auch erspart." Eine Nachtfahrt sei jedoch nur etwas für ausgeruhte Fahrer. © dpa
Vorausschauendes Fahren ist Trumpf: "Genügend Abstand zum Vordermann sorgt dafür, dass plötzliches Bremsen selten von Nöten ist", so der Stauforscher. Dadurch wird nicht nur Stillstand auf der Autobahn vermieden, das Auto verbraucht auch weniger Sprit. © dpa
Beim Thema "Reißverschlussverfahren" sind viele deutsche Autofahrer offenbar überfordert: "Als vor 40 Jahren das System eingeführt wurde, funktionierte es ganz gut. Aber mittlerweile haben es die Leute scheinbar wieder verlernt", bedauert der Verkehrsexperte. Wichtig sei es, bei Spurverengungen erst ganz zum Schluss die Fahrbahn zu wechseln, alles andere wirkt sich Schreckenbach zufolge kontraproduktiv aus. © dpa
Spurwechsel zwecklos: Laut Schreckenberg bringt es nichts, bei zähflüssigem Verkehr die Fahrbahn zu wechseln: "Es ist sogar absolut hinderlich für den Verkehrsfluss. Die Menschen haben immer das subjektive Gefühl, der restliche Verkehr sei stets schneller. Wir haben das ausführlich getestet: Als Kolonnenspringer hat man am Ende kaum eine Minute gewonnen und stattdessen erhöhten Stress." © dpa
Umfahrungen lohnen sich meist nicht: "Nur bei Vollsperrung sollte man von der Autobahn abzufahren. Stau hat immer noch eine bestimmte Geschwindigkeit, mit der man weiter voran kommt", so Schreckenberg. Navigationssysteme würden gerne übereifrig Ausweichrouten empfehlen, die dann genauso überlastet seien. "Folgen der Empfehlung ihres Navis nur 10 Prozent der Fahrer, kommt auch dort der Verkehr zum Erliegen." © dpa
Wer sich einem Stauende nähert, sollte umgehend den nachfolgenden Verkehr durch Einschalten der Warnblinkanlage aufmerksam machen. Nach einem Urteil des Landgerichts Memmingen kann dem Fahrer bis zu 25 Prozent Haftung auferlegt werden, sollte es im Stau zu einem Auffahrunfall wegen nicht eingeschaltetem Warnblinker kommen. © dpa
Kommt der Verkehr zum Erliegen, sollte rechtzeitig der Motor abgestellt werden. Der Umwelt zuliebe, und auch dem eigenen Auto: So vermeiden Sie, dass Ihr Wagen mit einem leeren Sprittank oder überhitzten Kühler selbst zum Verkehrshindernis und Stauverursacher wird. © dpa
"Autofahrer machen viel zu selten eine Pause. Im Urlaubsverkehr kommt es aber in der Regel nicht auf eine Stunde an", meint der Experte. Es gehe ja nicht darum, als Erster anzukommen, sondern entspannt an sein Reiseziel zu gelangen. Deswegen einfach mal Rasten. "Mit Stress auf der Straße versaut man sich nur gleich den Urlaubsstart." © dpa
Wenn nichts mehr vorwärts geht, müssen die Autofahrer eine Rettungsgasse bilden. Jede Hilfe sollte den Unfallort schnell erreichen können. Die Rettungsgasse ist immer zwischen der äußersten linken und der zweiten Spur von links zu bilden, ganz gleich wie viele Fahrstreifen vorhanden sind. In der Mitte liegt sie nur bei einer zweispurigen Fahrbahn. Der Standstreifen dient übrigens nur dazu, liegen gebliebene Fahrzeuge aufzunehmen. © dpa
An die sicherste Methode, um Stau und Stress mit dem Urlaubsauto zu umgehen, denken nur wenige Reisende: Mit dem Autoreisezug können viele hundert Kilometer zurückgelegt werden, ohne auch nur einen einzigen Stau zu erleben. Bucht man zu bestimmten Zeiten, ist die Kombination aus Straße und Gleis unter Umständen sogar günstiger. © dpa

obs/ml

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