Streit vor Gericht

Unfall an durchgezogener Linie: Auffahrender hat Hauptschuld

+
Bei einem Auffahrunfall trägt der Auffahrende fast immer die Hauptschuld. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Autofahrer müssen zu jeder Zeit aufmerksam sein. Sie können nicht von einem typischen Verhalten ausgehen. Das heißt, auch wenn es auf einer Straße eine durchgezogene Mittellinie und Sperrfläche gibt, kann der "Vordermann" stark bremsen. Am Unfall ist dann der Auffahrende Schuld.

Frankenthal (dpa/tmn) - Wer mit dem Auto auf seinen Vordermann auffährt, trägt die Hauptschuld am Unfall. Das gilt auch dann, wenn sich der Vorausfahrende zum Abbiegen entschlossen hat, wegen einer durchgezogenen Linie oder einer schraffierten Fläche an dieser Stelle aber gar nicht abbiegen darf.

Im Urteil des Amtsgerichts Frankenthal, auf das der ADAC hinweist (Az.: 3a C 251/16) fuhr eine Frau mit ihrem Auto auf der linken von zwei Spuren. Sie wollte links abbiegen, hielt an und blinkte. Dann fielen ihr an ihrer Position eine durchgezogene Mittellinie und eine schraffierte Sperrfläche auf. Da sie dort nicht abbiegen durfte, gab sie wieder Gas. In diesem Augenblick fuhr ein anderes Auto von hinten auf. Dessen Fahrer forderte Schadenersatz. Sein Argument: Die Frau habe abrupt und nicht blinkend bis zum Stillstand abgebremst. An der Stelle habe er aufgrund der Mittellinie und der Sperrfläche aber gar nicht mit einem Abbiegemanöver rechnen können. Die Versicherung zahlte nur ein Drittel des Schadens, der Mann zog vor Gericht.

Dort hatte er aber keinen Erfolg. Denn der sogenannte Anscheinsbeweis spricht bei einem Auffahrunfall in der Regel für die Schuld des Auffahrenden. Und einen untypischen Verlauf konnte das Gericht hier nicht feststellen. Die durchgezogene Mittellinie und die Sperrfläche seien nur ein Schutz für den Gegenverkehr.

Das Gericht ging stattdessen davon aus, dass der Mann zu schnell fuhr oder zu wenig Abstand gehalten hatte. Doch auch die Frau kam nicht ungeschoren davon: Da sie unerlaubt abbiegen wollte und dadurch den Verkehr behinderte, sei ein Mitverschulden von einem Drittel anzusetzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Der Kia Stonic im Praxistest - so spritzig wie ein Gin Tonic

Nun hat auch das Kleinwagensegment das SUV-Fieber gepackt. Neben VW, Seat oder Opel bietet Kia nun seinen eigenen großen Kleinen an. Wir haben zum Test gebeten.
Der Kia Stonic im Praxistest - so spritzig wie ein Gin Tonic

Neue Sondermodelle: Hollywood-Legenden und gelbe Renner

Die Autohersteller tauchen ihre neuen Sondermodelle in Farbe. So gönnt Lexus seinem Luxus-Coupé LC eine Yellow Edition. Auch Mazda präsentiert den Signature mit …
Neue Sondermodelle: Hollywood-Legenden und gelbe Renner

Diese saftigen Bußgelder drohen Ihnen, wenn Sie Blitzer-Apps nutzen

Sie sind praktisch, ersparen einem viel Ärger - und sind kostenlos: Blitzer-Apps. Doch wer nicht aufpasst, dem drohen nicht nur Strafen - sondern sogar Gefängnis.
Diese saftigen Bußgelder drohen Ihnen, wenn Sie Blitzer-Apps nutzen

Turbomotor nach Vollgasphasen erst abkühlen lassen

Erst Vollgas geben, dann ausschalten - das kann einem Turbomotor schlecht bekommen. Nach einer rasanten Fahrt sollte die Maschine erst etwas abkühlen, bevor sie gestoppt …
Turbomotor nach Vollgasphasen erst abkühlen lassen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.