Schwere Ketten oder GPS

Was wirklich vor Motorraddiebstahl schützt

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An die Kette legen: Wer sein Motorrad liebt, sucht immer nach bestmöglichen Sicherungssystemen. Foto: Florian Schuh/dpa-tmn

Die Motorrad-Branche boomt und die Vielfalt der Stile von Bobber bis Scrambler bringt so viele attraktive Bikes hervor, wie nie zuvor. Das goutieren auch die Langfinger. Wie können Biker den Dieben das Leben möglichst schwer machen?

Berlin (dpa/tmn) - Wie so oft im Leben. Absoluten Schutz gibt es auch vor Motorraddieben nicht. "Wenn Profis unbedingt ein Motorrad stehlen wollen, werden sie das üblicherweise auch schaffen", sagt Michael Lenzen vom Bundesverband der Motorradfahrer.

Es gelte, potenziellen Dieben ihr Vorhaben immer so schwer wie möglich zu machen. Auch André Vallese vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz) sieht das so. "Es kann nur darum gehen, mit fortschreitender Dauer, die der Aufbruch eines guten Schutzes in Anspruch nimmt, auch die Chance zu erhöhen, dass der Dieb seinen Versuch abbricht", sagt Vallese.

In der Garage ist der sicherste Platz

"In diesem Sinne steht das Motorrad natürlich in der Garage immer am sichersten", sagt der ifz-Experte, der zudem rät, das Lenkradschloss auch dort zu nutzen. Auch Lenzen sieht in einer abgeschlossenen Garage einen deutlichen Sicherheitsgewinn, empfiehlt aber weitere Sicherungsmaßnahmen, etwa ein gutes Bremsscheiben-Schloss. Noch besser, so Vallese, sei eine Variante mit Alarmanlage: "Beim Versuch, aufgebrochen zu werden, stoßen diese Schlösser einen Sirenenton aus".

Patrick Mey ist Motorrad-Trainer beim Auto Club Europa. Er rät dazu, das Motorrad möglichst immer an einem fest montierten Gegenstand, etwa ein Geländer, anzuketten. "Klassische Kettenschlösser haben den Vorteil, sehr variabel zu sein", so Vallese. Und auch hier böten Sonderformen eine integrierte Alarmanlage.

Dicke Schlösser und viel Gewicht vs. digital Alarmanlagen

Allerdings steige mit der Länge der Kette nicht nur die Einsatzmöglichkeit, sondern auch das Gewicht. "Da können schnell einige Kilogramm zusammenkommen", so Vallese, der eine gute Qualität anrät. "Sonst kapitulieren Verschluss oder die Kette selbst allzu schnell vor einem Bolzenschneider". Auch könnte ein langes und robustes Qualitätsschloss nicht nur ein Gewichts-, sondern auch ein Platzproblem mit sich bringen, gibt Mey zu bedenken.

Neben diesen klassischen Lösungen gibt es digitale Sicherungen. "Die digitale Welt hat längst auch beim Diebstahlschutz für Motorräder Einzug gehalten", bestätigt Vallese. "Es gibt heute zahlreiche GPS-fähige Alarmanlagen und Ortungsgeräte, die helfen können, gestohlene Motorräder aufzufinden".

Das Wettrüsten der Hersteller und Diebe

Auch Lenzen hält die sogenannten Tracker für ein gutes Mittel, Langfingern das Leben zumindest zu erschweren. "Diese Geräte können zwar den eigentlichen Diebstahl nicht verhindern, geben aber via GPS-Ortung Aufschluss darüber, wo sich das Fahrzeug befindet".

Selbst GPS schützt aber nicht immer vor dem Totalverlust, wie Mey weiß. "Die andere Seite schläft nicht, und wer es darauf anlegt, findet im Internet problemlos Störsender, die das GPS-Signal blocken". Er selbst hat bei seinen Bikes daher einen kombinierten Unfall- und Diebstahlschutz verbaut.

Versicherungsschutz in Kauf nehmen

"Das System besteht aus einem Modul, einem Sensor, einem Taster sowie einer App für die Konfiguration" erklärt der Experte. Neben der Unfallerkennung und dem Absetzen eines Notrufs als Kernfunktion könne das System auch jeden Versuch, das Motorrad unerlaubt zu bewegen, erkennen und sende dann eine Nachricht an das Smartphone oder Tablet des Besitzers. "Wenn kein Mobilnetz vorhanden ist, kann auch das beste System nichts ausrichten".

Für Mey gehört daher eine gute Versicherung gegen Diebstahl zwingend dazu. Und zumindest für neue oder relativ teure Motorräder rät er zu einer Teil- oder sogar einer Vollkasko-Versicherung.

Leichter Rückgang bei Motorraddiebstählen

2018 wurden laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS 2018) in Deutschland rund 20.200 Diebstahldelikte von Mopeds und Krafträdern (inklusive unbefugter Ingebrauchnahme) amtlich registriert. Das bedeutet gegenüber 2017 zwar einen Rückgang von etwas mehr als drei Prozent.

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