Alex: Eine Bikerin in der Männerdomäne Motorradfahren

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Bikerin Alex aus Fulda

Selbstfahrende Frauen sind unter Bikern nach wie vor die Minderheit. Eine der wenigen, die dieses Hobby mit vielen Männern teilt ist Alex aus Fulda.

Fulda. In der Männerdomäne Motorradfahren gehört sie zu den wenigen Prozent Frauen, die zwischen heulenden Motoren, Benzingeruch und Auspuffabgasen „ihren Mann“ stehen. Die Rede ist von Alexandra oder sagen wir besser „Alex“, wie sie von allen genannt wird: Eine junge, sympathische, gut aussehende Frau von 35 Jahren, Sternzeichen Widder, ledig, ohne Kinder. Und auch wenn dies keine Vermittlungsaktion ist, drehen sich die folgenden Zeilen um genau diese Frau. Eine, die sich durchzusetzen weiß in der Bikerszene und zudem sehr viel Sachverstand in Bezug auf Motorräder mitbringt.

Eine von wenigen

Wenn auch auf dem Vormarsch, so besaßen 2016 im Vergleich zu Männern nur 4,3 Prozent der Frauen einen Motorradführerschein in Deutschland. Im Landkreis Fulda waren es statistisch in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 5,08 Prozent. Und noch eine Statistik: Ende Juni 2017 waren im Landkreis Fulda 12,05 Prozent der Motorräder (inkl. Leichtkraftrad, aber ohne Quad) auf Frauen zugelassen.

Bikerin Alex aus Fulda

Zu beiden Gruppen gehört Alex! Sie hat bereits im zarten Alter von sieben Jahren den Virus Motorradfahren von Ihrem Onkel Lothar implantiert bekommen. Er fuhr damals eine laut röhrende Kawasaki. Erste Kilometer als Sozia, legendäre Geschichten und ölverschmierte Hände sind für Alex drei markante Erinnerungen aus der damaligen Zeit. Zu diesem Zeitpunkt entstand auch ihr Traum, von dem am Ende noch die Rede sein wird. Jahre später waren es die Freunde, die Alex fest umklammerte, als es auf den Mopeds rasant um die Kurven ging. So war es unumgänglich und sonnenklar, dass sie so früh wie möglich den Motorrad-Führerschein machte, auch wenn Papa aus Sorge um das „Mädchen“ eigentlich strikt dagegen war.

Buel XB9R Firebolt

Markant und aufregend zugleich war das Jahr 2002für Alex: Einstieg beim Arbeitgeber Harley-Davidson in Fulda und der Kauf einer Buell XB9R! Obwohl die damalige Clique mit R1 und GSX-R durch die Kurven sauste, entschied sich Alex für eine Mischung aus Rennmotorrad und Harley. Die 84 PS starke Firebolt war ursprünglich mal weiß.

Bikerin Alex aus Fulda

Eine gute Freundin - erfahrene Autolackiererin – half ihr dabei ihr erstes Motorrad in Blau erscheinen zu lassen. Über den Winter hat Alex die Teile abgebaut, dann abends in der Badewanne nass angeschliffen und zum Umlackieren ihrer Freundin in die Werkstatt gebracht. Jetzt trägt die Buell die gleiche Farbe wie ihre Motorrad- Jacke. Doch nur selten schraubt Alex selbst. „Wenn was dran ist, dann stelle ich sie zu den Jungs“. Mit „Jungs“ sind die Mechaniker bei Harley in Fulda gemeint. Und ganz wichtig: Nur Schrauber Frank darf ihre Buell auch fahren; ansonsten heißt es „fremde Finger weg!“ Was das betrifft ist Alex eigen. Dazu passt ein bekannter Spruch so mancher ihrer männlichen Bikerkollegen: „Sein Motorrad und seine Frau verleiht man nicht!“

Die Frau mit dem Benzin im Blut brauch bei einem Motorrad keine hohe Endgeschwindigkeit . Eine ihrer ihrer Leidenschaften ist das relaxte Fahren. Nach dem Job den Kopf frei fahren – gemütlich ihr Motorrad durch die kurvenreichen Strecken ihrer jetzigen Heimat Rhön bewegen. Doch ihre Buell ist auch ein Kurvenfresser, „da sie ja den kleinsten Radstand ihrer Klasse hat“. Bei dieser Anmerkung hört man sofort die Fachfrau. Natürlich lässt sie es auch mal krachen. Sie liebt es, sportlich das Motorrad in den Kurven zu bewegen; kein Wunder: Motorrad und Alex kennen sich seit Jahren.

Bikerin Alex aus Fulda

Trotzdem ist Alex immer achtsam, wenn sie auf das Motorrad steigt, auch dann, wenn sie flott unterwegs ist. Jungs auf einem Bike hinter ihr begegnet sie meist relativ relaxt. Sie brauch keinem zu beweisen, dass sie Motorrad fahren kann. Nur wenn jemand direkt hinter ihr klebt, und sie auf Biegen und Brechen herausfordert: dann kann es schon mal passieren, dass sie je nach Tagesform das Duell annimmt. Knapp 30.000 Kilometer stehen auf dem Tacho der Buell; also wirklich nicht allzu viel für den Zeitraum von 14 Jahren. Ist auch kein Wunder, wenn man wie Alex sich fast täglich eine andere Harley greifen kann. Im Durchschnitt fährt sie pro Jahr um die 3.000 bis 5.000 Kilometer. Das ganze bisher unfallfrei, wie Alex stolz berichtet. Der einzige Lapsus der ihr mal passiert ist: „Einmal ist mir das Motorrad umgefallen“.

Neue Liebe Softail Slim

Gerade hat sich Alex neu verliebt. Diesmal in eine „echte Harley“. Eine schwarze Softail Slim mit luftgekühltem 45 Grad V-Twin Motor und einem Hubraum von 1690 ccm hat ihr Herz erobert. Sie genießt auf ihr das völlig entspannte Fahren, das Cruisen, eben auch mal nach links oder rechts schauen. „Hier fühle ich mich so richtig wohl“, so Alex in Kurzform über die Annehmlichkeiten ihres neuen Bikes.

Kein Tussi-Typ

In Sachen Kleidung geht Alex keinen Kompromiss ein: Leder oder Gore-tex mit entsprechenden Protektoren und Schildkrötenpanzer; auf jeden Fall einen Integralhelm. Bei Kurztouren und schönem Wetter trägt sie meist Jeans mit Kevlar-Beschichtung. Zum Schuh- Repertoire gehören neben Motorrad-Stiefeln natürlich auch Turnschuhe und High-Heels. Ihre Mähne: Schwarz und lang. Zwar meist geflochten, erst recht unterm Helm. Offen getragen, reichen ihre Haare bis zum Ansatz des Gürtels. Sie ist burschikos, sicherlich kein Tussi-Typ und eine Frau, die weiß was sie will und was sie nicht will.

Bikerin Alex aus Fulda

Heiße Öfen, Benzin sowie die gesamte Biker-Szene, das ist das Terrain wo Alex sich auskennt und wohlfühlt. „Ich arbeite ja in einer Männerdomäne und wenn ich so ein zartes Püppchen wäre, dann wäre ich nicht schon fünfzehn Jahre Teil der Harley-Familie“, so Alex. Einziger Frauen-Tick sind ihre Fingernägel. Lang müssen sie sein und die Optik des Gels ist immer anders: Vom Totenkopf mit Flammen oder die Harley-Farben schwarz/orange bis hin zu einfachem Weiß. Ihre „Nageltante“ kennt den Geschmack von Alex und kreiert immer ein Design, das die ihr gefällt: Schwarz ja, rot oder rosa nein – das geht gar nicht! Trotz langer Fingernägel hat Alex in den letzten Jahren so einiges gestemmt: Job, Hausbau; dabei beim Innenausbau selbst Fliesen gelegt, Badewanne eingemauert, Fußböden verlegt, Gartenmauer gebaut; da braucht man Energie. Zu nichts ist sie sich zu schade und scheut vor keiner Aufgabe: Nur Löcher bohrt Alex nicht!

Die Familie Harley

Anfangs im Bekleidungs-Verkauf und teilweise im Verwaltungsbereich aktiv, später dann für die Bekleidungsabteilung verantwortlich, hat Alex jetzt, seit drei Jahren, einen Stock tiefer im Team des Motorrad-Verkaufes ihren Platz gefunden. Ihre Rolle als Frau sowohl im Job als auch im Chapter sieht Alex ganz entspannt. Anders als unter Bikern generell sind im Chapter ein knappes Viertel selbstfahrende Frauen.

Bikerin Alex aus Fulda

Früher haben Männer anders getickt, was Frauen auf Motorräder betraf. Heute gehören sie mit zum Bild der Szene. Von daher fühlt sich Alex absolut wohl und genießt in vollen Zügen sowohl ihre Arbeit als auch die Touren mit dem Chapter. Noch heute schwärmt sie von der letztjährigen, mehrtägigen Fahrt ins Kleinwalzertal. „Die kurvenreiche Streckenführung, die Passstraßen – ein Traum!“

Ihr Traum

Apropos Traum: Da gibt es ja noch etwas aufzulösen vom Anfang dieser Geschichte: Irgendwann wird Alex mit einer Harley durch die USA fahren; das will sie und das wird sie umsetzen. „Und wenn ich neunzig bin und die müssen mich mit dem Krahn aufs Motorrad heben“, so ihr Kommentar dazu.

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