Beim Trial geht es nicht um Geschwindigkeit

Ein ganz besonderer Motorsport ist das Trialfahren. Je langsamer desto besser.

Als Mopped-Fahrer, ist mir bewusst, daß so ziemlich Jeder schnell fahren kann! Ist ja heutzutage auch sehr leicht, wenn man die Leistungsdaten von aktuellen Motorrädern anschaut. Noch vor zehn Jahren, wäre man mit den heutigen Supersportlern bei Rennen ganz vorne dabei gewesen. Jedoch ist es auch eine Tatsache, daß nur derjenige gut Mopped fahren kann, der auch in der Lage ist, seinen Bock jederzeit und überall ganz langsam zu bewegen! Und genau hier kommt der Trial-Sport ins Spiel. Denn Trial ist exakt das Gegenteil von schnell fahren! Trial ist eine komplett andere Sichtweise, ein Mopped zu bewegen! Körperbeherrschung und noch mehr, die schlafwandlerische Beherrschung des Sportgerätes sind hier die Trümpfe, die stechen. Trial ist ein Stehend-Wettbewerb. Das Sitzkissen dient nur zur Deko, oder wird maximal zwischen den Sektionen genutzt. Trial ist großer Sport!

Verächtlich mag jeder Fahrer eines Supersportlers auf die Leistungsdaten eines Trial-Wettbewerbs-Fahrzeugs schauen. Und genau hier muß ich gerade schmunzeln. Wohl wissend, daß vielleicht viele dieser verächtlich Schauenden, weder in der Lage sind, daß eine noch das andere Extrem von Mopped am Limit zu bewegen…

Deutschland-Cup der Trial-Serie der DTSG e.V.

Vom 03.-05.07.2015 fand in Schrecksbach ein tolles Trial-Event statt. Der MCS Schrecksbach brillierte wieder einmal mit einer perfekten Organisation der Veranstaltung! Die DTSG e.V. (Deutsche Trial Sport Gemeinschaft) veranstaltete auf dem Vereinsgelände des MCS Schrecksbach den 5. und 6. Lauf zum Deutschland-Cup.  Und die Cracks der Trial-Szene (Internationale Besetzung aus D, NL, CH, A und PL) kommen hier gerne der Einladung nach!

Das BIKE PORTAL nutzt die Gelegenheit und schaut sich ausgiebig im Fahrerlager und auf der Rennstrecke um. Insgesamt 80 Nennungen am Samstag und rund 70 Nennungen am Sonntag sind zu verzeichnen. Hitzebedingt, die Temparaturen kratzen an der 40 Grad Marke, haben rund 10 Teilnehmer für den 6. Lauf am Sonntag ihre Nennung zurück gezogen.

Der unglaublichen Hitze ist es auch geschuldet, daß nur in 8 Sektionen mit 3 Runden die Sieger ermittelt werden. Normalerweise wird ein Trial über 30 Sektionen gefahren!Mit Steffen Lutz, dem 1. Vorsitzenden der DTSG, komme ich ins Gespräch, als er zwischen zwei Wertungsläufen, im Nennbüro (Gruß an Christel, Ulrike und Helga) seinen Ergebniszettel des zuvor zurückgelegten Trials zur Auswertung abgibt. Steffen fährt eine CZ (Hans Reiter-Umbau) und verrät mir die technischen Eckdaten von Trial-Moppeds. "Historische Maschinen haben einen Hubraum von 125-350cm³, zwischen 15-18PS, Unterscheidung von Twin-Shock und Mono-Shock, werden mit einem durchschnittlichen Reifendruck von 0,4bar bewegt und in der Classic-Szene überwiegen Viertakter das Geschehen,”erklärt Steffen und schon ist er wieder unterwegs, um den Reifendruck seiner CZ auf  0,3bar zu senken. Der spröde Boden und die ausgedörrte Erde machen dies notwendig.

Familiärer Charakter

Die Classic-Veranstaltungen haben im Unterschied zu aktuellen Trial-Wettbewerben einen gänzlich anderen Charakter und Anspruch. Jedoch genau dieser Spirit erschliesst sich mir. Ich erkenne, daß man miteinander einen herzlichen Umgang pflegt. Gegenseitige Hilfsbereitschaft in familiärer Atmosphäre zeichnet diese verschworene Gemeinschaft aus. Ein offenes Fahrerlager gehört da genauso selbstverständlich dazu, wie einem neugierigen Reporter geduldig seine dummen Fragen zu beantworten. So lerne ich auf der Strecke z.B. den Wertungsrichter Karl Perham (mit seinen 76 Lenzen noch fit wie ein Turnschuh) kennen, der seine Sektion souverän mit der Trillerpfeife regiert. Karl war für dieses Event extra aus St.Pölten in Österreich angereist.

Cornelia vom MSC Wörpetal ist die Wertungsrichterin der 3. Sektion und zeigt mir die Finessen der Streckenführung auf. Mit farbigen Pfeilen ist der Trial in Fahrtrichtung gekennzeichnet. Insgesamt 5 Schwierigkeitsgrade (Grün, Rot, Weiß, Gelb, Blau, von einfach bis schwer) sind vorgegeben. Die jeweiligen Teilnehmer haben ihre Sportgeräte mit der entsprechenden Farbe gekennzeichnet. Am Ende der Sektion lochen die Wertungsrichter die Fehleranzahl in die Wertungskarte. Diese wird nach jeder Runde im Nennbüro ausgewertet.

Ich treffe Michael, der mit einer Royal Enfield, Baujahr 1958 (18PS, 350 cm³, Replika der 56'er Werksmaschine) seit 10 Jahren auf Trial’s anzutreffen ist.

Wilhelm vom MSV Hammelbach ist ein Urgestein in der Classic-Szene. Im zarten Alter von 70+ ist er seit über 40 Jahren im Trial-Sport aktiv. Sein Sohn und seine 3 Enkel mittlerweile ebenso. Wilhelm bewegt eine Matchless G3, die als Ex-Militärmaschine speziell für den Trial-Sport umgebaut wurde.

Ich nutze die Gelegenheit ausgiebig und gehe zu Fuß von Sektion zu Sektion, um die Rennfahrer bei den Trial’s zu beobachten. Da muß ich ehrlich gesagt schon recht aufpassen, daß mir die Klappe nicht runter fällt. Kein Stein zu hoch, kein Abhang zu steil, um ihn nicht unter die Räder zu nehmen. Und das alles, so langsam und bedächtig wie irgend möglich. Dabei ist es wichtig, weder die Füße auf die Erde zu stellen, noch die Körperspannung, oder geschweige denn die Kontrolle über die Maschine zu verlieren. Jeder Fehler kostet Strafpunkte und damit verringert sich die Chance auf’s Siegertreppchen steigen zu können.

Mein Resümee: "Das will ich auch mal probieren" ist ein Gedanke, der in mir aufkeimt. Mit moderaten 18€ Nenngeld kein teures Vergnügen. Trial ist großer Sport, der hier in Schrecksbach geboten wird und das durchweg von engagierten Enthusiasten, die oftmals das gleiche Geburtsjahr wie ihre Sportmaschinen ausweisen können. Über das aktuelle Geschehen in der Szene und die Ergebnisse der Wertungsläufe kann man sich auf der bestens gepflegten Homepage der DTSG (www.d-cup-dtsg.de) informieren!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.