Bestie in Motorradgestalt (Test: Suzuki GSX-S 1000)

Thomas Schupp hat die neue GSX-S 1000 von Suzuki auf Herz und Niernen getestet.

Ich bin dem Ruf der neuen Suzuki GSX-S 1000 nach Nordhessen zur Motorradwelt Kassel gefolgt, um mir persönlich und hautnah einen Eindruck von der neuen Japanerin zu verschaffen. Schon als ich auf das Firmengelände einbiege steht das Testbike mit scharfem, stolzem Blick auf dem Hof vor dem Verkaufsraum für mich bereit.

Ab ins Weserbergland

Da ich mit den top Motorradstrecken Nordhessens nicht ganz so vertraut bin, empfiehlt mir Geschäftsinhaber Erhard Fisseler eine ganz besondere Rute: Also rauf aufs Bike, den Schnell-Startknopf drücken ohne die Kupplung ziehen zu müssen, Visier runter und ab geht’s erst mal in Richtung Witzenhausen und dann Richtung des bereits niedersächsischen Hann. Münden. Beim Beschleunigen aus Kassel heraus muss ich das Bike zügeln, damit ich die Suzuki nicht über die erlaubte Höchstgeschwindigkeit bringe, so direkt und kräftig hängt sie am Gas. Ich sitze gut drin in der Maschine, bequem und mit direktem Kontakt zur Straße. Der Renthal Fatbar Lenker liegt gut in der Hand. Es vibriert und prickelt zwischen meinen Schenkeln und wir zwei haben schon nach wenigen Kilometern vollstes Vertrauen zueinander. Der coole Sound hinter meinem rechten Ohr, gerade in der Beschleunigungsphase aus dem unteren Drehbereich heraus, hört sich fett an. Und das obwohl auf dem Testbike der serienmäßige Auspuff montiert ist. Auch optisch macht der "Topf" eine gute Figur, so dass ein umrüsten auf einen anderen Schalldämpfer unnötig ist. Etwas gewöhnungsbedürftig für mich ist der schrille Klang, wenn ich die Susi über 5000 Umdrehungen ziehe.Die Bergab-Passage auf der B496 kurz vor Hann. Münden ist so reizvoll zu fahren, dass ich spontan umdrehe und mir den vollen Genuss bergauf gönne. Ich teste ja schließlich auch zu meinem eigenen Vergnügen.

Ein wenig springt die Kupplung. Habe ich sie zu hart und schnell in den ersten drei Gängen gefordert? Stört mich jetzt zwar nicht, aber warten wir mal ab, welche Rückmeldung ich auf den nächsten Testkilometern erhalte. Beim Runterschalten, liegt die Suzuki sehr ruhig, wippt nicht nach, ruckelt nicht, bricht nicht aus – einfach Klasse, macht echt Spaß. Das Handling im Gesamten ist leicht, geschmeidig und wendig. Drei Attribute pro Suzuki GSX-S 1000. Das Bike gehorcht dir aufs Wort, was man nicht von jeder Frau sagen kann!

Geballte Kraft

Das Triebwerk ist eigentlich entwickelt, um die Rennstrecke zu beherrschen. Für die Straße wurde es neu abgestimmt . Der 4-Zylinder 4-Takt wassergekühlte Reihenmotor kann aber seine Herkunft nicht verbergen.

Er ist eine modifizierte Version des legendären Motors der GSX-R1000 aus den Baujahren 2005 bis 2008. Schon unten heraus hat die Suzuki ordentlich Zug. Sie beschleunigt selbst mit wenig Drehzahl im 6. Gang kraftvoll nach oben. Über 5.000 U/Min., zusammen mit dem angesprochenen Kreischen, gibt es nochmal einen unfassbaren Schub."Laut Herstellerangaben hat die Gute 145 PS. Misst man jedoch sauber nach, so kommen wir auf fast 160 Pferdestärken”, so Erhard Fisseler. Drehfreudig ist die Japanerin, keine Frage. Das zeigt sie mir in den Kurven der B 3 nach dem Ort Scheden hinauf Richtung Dransfeld bis zur Abfahrt nach Hemeln.

Vollgetankt wiegt das ganze Bike nur 207 kg. Zu verdanken ist dies den vielen hochwertig und leichten Materialien.

3-stufige TraktionskontrolleIch schalte die Traktionskontrolle aus und wage den Ritt ohne technische Unterstützung. Geil, top Straßenlage, kein Wackeln, nichts, was den Fahrspaß trüben würde. Und auch in diesen engen Kurvenpassagen fühle ich mich total sicher. Eingeschaltet überprüft das System der GSX-S 1000 250 mal pro Sekunde die Drehzahlen von Rädern und Kurbelwelle sowie die Sensordaten von Drosselklappe und Getriebe. Sobald unzulässiger Schlupf am Hinterrad erkannt wird, greift das System der Traktionskontrolle ein. Der Fahrer kann drei Modi einstellen. Stufe eins ist sehr sportlich. Der technische Assistent ist dann kaum zu spüren. Der Normalfahrer liegt mit Stufe zwei immer richtig. Sie sorgt für eine gute Balance bei standardmäßigen Straßenverhältnissen. Kommt ein Regenguss, dann sorgt Stufe drei für erhöhte Sicherheit. Das Ganze ist leicht am Schalter des linken Lenkers zu händeln und auf dem digitalen Display ablesbar.

Sportler durch und durch

Was die Suzuki nicht mag, sind Ortschaften, Städte und Geschwindigkeitsbeschränkungen von 50 oder 30 Km/h. Hier kann sie auch schon mal etwas ruckeln, weil sie mehr will. Sie ist geboren für Geschwindigkeit, für die Landstraße und kurvenreiche Straßen bergauf.

Auf der sehr intensiven Kurvenpassage nach Hemeln runter, nehme ich sie richtig ran. Gashahn auf und voll in die Eisen. Sowohl Gasannahme als auch Verzögerung reagieren optimal. Eine Anmerkung muss ich an dieser Stelle loswerden: Solche Passagen sollte man sich aus Spaßgründen alleine gönnen! Auch wenn Erhard Fisseler bei der Vorstellung des Bikes vom hohen Sitzkomfort für den Beifahrer geschwärmt hat. "Der Sozius ist echt bequem. Aufgrund des großen Abstandes zwischen Sitzbank und Fußraste absolut mitfahrertauglich!”

Die letzten Kehren

Per Fähre überquere ich die Weser. Dann geht es zurück über die Bundesstraßen B80 und der B3. Wieder merke ich eine gewisse Unruhe in dem Bike. Die Suzuki GSX-S 1000 hat den unbändigen Drang nach vorne. Cruisen? Nun ja, möglich, aber eigentlich will sie rennen!

Die Marketing-Abteilung der Japaner bezeichnet sie als eine kauernde Bestie. Und genau das trifft nicht nur auf die Optik zu.

Fazit

Die neue Suzuki GSX-S 1000 ist ein sehr sportliches, richtiges Naked-Bike mit ordentlich Dampf. Sie ist leicht, wendig und sicher fahrbar. Die Gänge gehen rein wie Butter, was das notwendige Fahren durch die Stadt sehr angenehm macht. Ein zeitgemäßes Bike, ohne große technische Gimmicks, natürlich mit Sicherheitsstandard wie ABS und Traktionskontrolle. Die Einladung zu purer Sportlichkeit habe ich gerne angenommen und ausgiebig genossen. Ihr Eldorado ist die Landstraße – dort fühlt sie sich wohl. Ich wäre gespannt auf das Feeling mit ihr über einen Alpenpass! Der Preis liegt bei 12.195 Euro. In den nächsten Monaten kommt noch eine vollverkleidete Variante der GSX-S 1000 für diejenigen, die einen vollen Windschutz haben wollen oder brauchen.

Weitere Informationen unter: www.motorwelt-kassel.de

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