Fahrbericht

Drei Räder für ein Halleluja: Die Yamaha Niken im Test

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Wir konnten die Yamaha Niken auf Herz und Nieren prüfen.

Man muss Mut haben, um sich auf dieses Motorrad zu setzen. Weniger, weil die Yamaha Niken wegen ihrer drei Räder vielleicht fahrtechnisch eine besondere Herausforderung darstellen könnte, sondern weil sie so polarisiert.

Die Neue verunsichert, wie wir auf unseren ausführlichen Testfahrten feststellen konnten. Man wird bei jedem Tankstopp darauf angesprochen. Und unterwegs grüßen andere Motorradfahrer einen so gut wie nie – vielleicht, weil sie zu sehr staunen müssen. Für sie – und natürlich auch alle anderen Biker – haben wir die Erfahrungen mit dem Dreirad aufgeschrieben, an deren Ende ein kräftiges Hallelujah steht.

Erstmals gibt es nach diversen Dreirädern aus dem Roller-Segment nun auch ein leistungsstarkes Motorrad mit drei Rädern. Rund um den Dreizylindermotor aus der MT-09 mit 847 Kubikzentimetern und 115 PS wurde ein komplett neues Bike gebaut.

Yamaha Niken: Einfach aufsteigen und vergessen

Möglichen Bedenken zum Trotz: Die Niken fährt sich wie ein normales Motorrad. Nur besser, sobald es in Kurven geht oder wenn der Untergrund kritisch ist oder wenn Split in der Kurve liegt. 10 bis 20 km/h mehr Geschwindigkeit und ein paar Grad mehr Schräglage in den Kurven der Hausstrecke sind locker drin, ohne Risikogrenzen überschreiten zu müssen. Tramgleise, Spurrillen und schlechten Straßenbelag schluckt sie locker, auch die Fahrt auf verschiedenem Untergrund (zum Beispiel links Asphalt und rechts Schotter) packt sie problemlos, man muss nur darauf achten, wo das Hinterrad ist, damit die Fuhre stabil bleibt.

Der beste Weg, sich der Niken zu nähern und ihr Potenzial kennenzulernen: Einfach aufsteigen und vergessen, dass da vorne zwei Räder sind. Die sind sowieso von der breiten Verkleidung um den 18-Liter-Tank verdeckt. Die Spiegel sitzen weit vorn an der Verkleidung und tiefer als normal, aber das schränkt die Sicht nach hinten nicht ein. Ansonsten ist alles so wie bei einem normalen Motorrad: Zündung an, Kupplung ziehen, Startknopf drücken, Gang einlegen und los.

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So fährt sich die Yamaha Niken

Dann also rein ins Vergnügen und sich in die Kurven stürzen. Wer Vorerfahrung mit Dreirad-Rollern hat, tut sich leichter, ansonsten muss man einfach auch mal das Herz in die Hand nehmen. Mit jeder Kurve wachsen die Sicherheit und das Vertrauen in die drei Räder, und in diesem Maße steigt dann auch das Vergnügen.

An die Charakteristik in Kurven gewöhnt man sich schnell: Die Niken lenkt willig ein, zieht sauber durch, mag es aber weniger, wenn man zwischendurch korrigierend eingreift. Sie hat da halt ihre Prinzipien. Der Dreizylinder wird mit der 263 Kilogramm schweren Yamaha spielend fertig. Ebenso ist’s andersrum: Die Bremsen verzögern souverän, das Bike bleibt stets stabil.

Eine Fahrt mit der Yamaha Niken ist ein echtes Erlebnis.

Es gibt aber auch ein paar Kritikpunkte, welche die Freude ein bisschen schmälern: Die Anzeigen im Cockpit sind nur schwarzweiß, ein Farbdisplay würde besser zu diesem futuristischen Bike passen. Die Schalter an den Lenkerenden sind während der Fahrt nicht gut zu bedienen, ungewohnt ist, dass die Lichthupe umständlich mit dem Daumen aktiviert werden muss und andererseits die Einstellungen fürs Menü im Display mit dem Zeigefinger, mit dem man sonst aufblendet. Warum ist das nicht wie gewohnt?

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Yamaha Niken: Preis und Verbrauch

Die Yamaha Niken steht für 14.995 Euro beim Händler. Mit knapp sechs Litern auf 100 Kilometern liegt der Verbrauch im Rahmen, zumal wir der Niken gerne auch auf der Autobahn (Vmax: 190 km/h) die Sporen gegeben haben – wo übrigens viele Autofahrer hektisch die linke Spur räumten. Fast so, als sei da ein unbekanntes Flugobjekt im Rückspiegel aufgetaucht.

Bleibt zum Schluss die Erkenntnis: Hallelujah, was ist das für ein Erlebnis! Wer sich überwindet und sich auf eine Runde mit der Niken traut, wird begeistert sein. Das Dreirad kommt nämlich kaum an seine Grenzen, eher schon der Fahrer. Und wer etwas Übung hat, wird kaum mehr absteigen wollen, so viel Spaß macht es. Experten wagen sich sogar amn Drifts. Yamaha beweist mit der Niken viel Mut, der hoffentlich belohnt wird.

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Volker Pfau

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Retro-Bike: Die Ducati Scrambler ist ein neues Motorrad mit einer Optik, die an klassische Maschinen erinnert. Foto: Giuliana Casadei/Ducati/dpa-tmn
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Die BMW 1200 GS gehört zu den große Reiseenduros. Foto: Arnold Debus/BMW/dpa-tmn © Arnold Debus
Vollverkleidet für die große Reise: Reisetourer wie die BMW K 1600 GTL. Foto: Arnold Debus/BMW/dpa-tmn
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