Erste Motorradtour: Mit Papa durch Marokko

Kimberly Gundlach auf Motorradtour durch Marokko
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Kimberly Gundlach auf Motorradtour durch Marokko

Kimberly Gundlach aus Kassel beschreibt ihre Erlebnisse auf einer Reise mit dem Motorrad durch Marokko.

Kassel/Marokko.  Die erste, große Motorradtour ist immer etwas ganz Besonderes. Vor allem dann, wenn man, wie im Falle von Kimberly Gundlach, gerade erst die Volljährigkeit erreicht hat und der Führerschein noch frisch ist. Die Kasselerin beschreibt ihre einzigartigen Erlebnisse auf einer gemeinsamen Tour, zusammen mit ihrem Vater, durch Marokko in ihrem Tagebuch:

16.09.2017: Anreise nach Marrakech

„Heute geht unsere Reise los. Papa und ich stehen schon um halb fünf auf. Auch Mama ist wach. Wir lassen sie nur ungern alleine, aber wir wollen diese Motorradreise unbedingt machen...

Schon während des Fluges lernen wir unsere Reisebegleiter Gaby und Dina kennen. In Marokko angekommen erwarten uns, im Gegensatz zum kalten Deutschland, angenehme 30 Grad und Sonne. Ein junger Mann nimmt uns vor dem Flughafen in Empfang. Doch wo sind jetzt Gaby und Dina? Wie sich herausstellt sind ihre Koffer, wie bei vielen anderen Fluggästen, nicht angekommen und sollen erst am nächsten Tag nachgeliefert werden.

Auf dem Weg zu unserem Riad (marokkanisches Wort für Unterkunft) fällt mir auf, dass es hier keine Regeln, die den Verkehr betreffen zu geben scheint. Jeder fährt einfach wie er will und an den Ampeln wird immer gehupt, sobald diese auch nur eine Sekunde grün sind.

Kimberly Gundlach auf Motorradtour durch Marokko

In der Mitte des Riad-Hofs, an einem kleinen Pool treffen wir schließlich unseren Reiseführer Reindert Dirksen. Bei einem Minztee erklärt er uns verschiedene Dinge, die für unsere bevorstehende Motorradtour wichtig sind. Anschließend besichtigten Papa und ich die Dachterrasse. Von hier oben kann man über die ganzen Häuser von Marrakech gucken! Nach dem Abendessen unterhalten wir uns noch eine Weile mit Gaby und Dina bevor wir noch einmal bei Nacht den atemberaub- enden Ausblick auf der Dachterrasse genießen und schließlich erschöpft ins Bett fallen.

17.09.2017: Besichtigung der Stadt muss sein

Nach einem reichhaltigen Frühstück treffen wir unseren Stadtführer. Dieser sollte uns nun den Großteil des Tages durch Marrakech führen. Dina und Gaby sind auch dabei. Wir kommen an zwei Grabstätten vorbei, von denen die einzelnen „Quaters“ ihre Namen bekamen. Außerdem besichtigen wir den Bahia-Palast und die Saadier Gräber.

Mir fällt auf, dass Marrakech überall anders riecht. Es gibt irre viele Gewürz- oder Duftstoffstände und Seifenläden an den Straßen. Aber oft stinkt es auch einfach nur nach Pipi.

Neben Autos fahren hier sogar ab und zu noch Kutschen herum. Motorroller gibt es im Überfluss.

Auf einer Dachterrasse im Judenviertel machen wir eine Teepause. Kurz darauf trennen Papa und ich uns von Dina und Gaby. Die beiden fahren zum Flughafen, um ihre Koffer zu holen. Unser Stadtführer zeigt Papa und mir in der Zwischenzeit den Platz, wo gerade der große Basar (die Souks) beginnt. Die Souks ist wirklich sehr nervenaufreibend, da man von allen Seiten angeschrienen und aufgefordert wird sich die eweiligen Produkte anzuschauen – selbst dann, wenn man schon mehrere Meter entfernt ist.

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Hier gibt es echt alles! Sogar Rocheneier oder Käfige mit Schildkröten und Chamäleons kann man kaufen. Ganz ohne etwas zu kaufen verlassen auch wir die Souks am Ende nicht. Papa hat jetzt eine neue Bauchtasche und ich ein Paar neue Schuhe. Zurück in unserem Riad genießen wir die Ruhe. Auch Gaby und Dina sind jetzt inklusive ihrer Koffer wieder angekommen. Somit steht der Abreise mit den Motorrädern am nächsten Tag nichts mehr im Weg.

18.09.2017: Endlich auf zwei Rädern nach Ouirgane

Heute fahren wir endlich in die Neustadt zum Motorradverleih. Man merkt den Unterschied zwischen Neu- und Altstadt sofort: Hier gibt es richtige Geschäfte, Restaurants und Markenläden wie wir sie gewohnt sind. Beim Verleih geht alles ohne Probleme. Ich bekomme sogar ein größeres Motorrad als geplant (eine Husqvarna Terra 650), weil hier anscheinend Niemanden unterschiedliche Führerscheinklassen interessieren. Reindert fährt das gleiche Motorrad wie ich, Papa eine Husqvarna 701 Enduro und die beiden Damen jeweils eine BMW F700.

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Bevor es richtig losgehen kann begleitet der Besitzer des Verleihs uns noch zur Tankstelle. Bereits auf dieser kurzen Strecke merke ich, dass mein Motorrad gar nicht gut läuft. Es geht ständig aus und die Motorwarnleuchte ist auch dauerhaft an. Auch als der Besitzer das Bike nochmal testet, geht es aus. Seine Lösung: Er dreht einfach die Drehzahl im Leerlauf höher. Sie liegt jetzt über 3000 rpm!

Die ersten Kilometer fahren Papa und ich gemeinsam mit dem Besitzer des Verleihs. Während die Anderen heute auf asphaltierten Wegen bleiben, entschließen wir uns gleich für eine Piste durch Sand und Wasser. Als wir aus der Stadt raus sind wird der Verkehr schnell weniger. Schon nach ein paar Minuten sind wir fast die Einzigen auf der Straße. Ab und zu kommen wir an scheinbar verlassenen Häusern vorbei. Wir durchqueren kleine Siedlungen, die nicht einmal Ortsschilder besitzen. Wenn wir doch mal auf Menschen treffen ziehen wir im Vorbeifahren ihre verwunderten Blicke auf uns. Wir fahren an Hängen entlang, wo die Wege nur einen Meter breit sind und genießen die unberührte Natur.

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In der Nähe eines Staudammes, wo wir zu Mittag essen, treffen wir wieder auf Dina und Gaby. Hier verabschieden sich Papa und ich von unserem bisherigen Guide, der sich wieder auf den Rückweg nach Marrakech macht. Beim Essen machen wir uns mit unseren Tourbe-gleitern/Mechanikern bekannt. Ihre Namen sind Mustafa und Nurdin.

Anschließend fahren wir alle zusammen rund 60 Kilometer in Richtung unseres neuen Hotels. Papa und ich haben nun unsere Motorräder getauscht und fahren Reindert hinterher. Hinter uns fahren die beiden Damen und zum Schluss das Auto. Je weiter wir kommen, desto weniger Straße gibt es, bis es schließlich so wenig ist, dass von Straße eigentlich keine Rede mehr sein kann. Entweder ist sie völlig kaputt, oder sie ist einfach weggeschwemmt worden. Hinzu kommt, dass die Wege sehr schmal und kurvig sind, so dass ich fast mit einem Auto zusammen stoße, weil ich es hinter einer Kurve nicht sehen kann. Auch Papa kann diesem PKW nur knapp ausweichen!

Höher in den Bergen wechselt die Landschaft. Es gibt jetzt wesentlich mehr Grün. Wieder ein Stück weiter unten erreichen wir unseren Zielort Ourigane. Im Hotel werden wir herzlich mit einer Tasse Tee empfangen.

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Wir kühlen uns gerade im Pool ab, als Mustafa vorbei kommt und uns mitteilt, dass mein Motorrad kaputt ist. Er fährt mit Nurdin nach Marrakech zurück, um ein anderes zu holen. Papa und ich genießen währenddessen bei dem ein oder anderen Dosenbier die herrliche Sonne. Nach einiger Zeit gesellen sich auch Dina, Gaby und Reindert zu uns. Zusammen erleben wir einen wunderschönen Sonnenuntergang, bevor wir gemeinsam zum Abendessen gehen. Der Tag war aufregend und anstrengend und so liegen wir schon um kurz nach 21 Uhr im Bett.

19.09.2017: 335 Kilometer Abenteuer

Noch vor sieben Uhr stehen wir auf. 335 Motorrad-Kilometer liegen vor uns. Nach dem Frühstück treffen wir uns am Pool und gehen gemeinsam zu unseren Motorrädern. Mein neues Motorrad ist eine BMW GS 650. Diese war eigentlich auf dem Pick-up als Ersatz. Dort steht nun eine BMW Sertao.

Zu Beginn fahren wir eine, an einem Berg gelegene, kurvenreiche Straße. Es geht an einem Stausee entlang und schon bald befinden sich nur noch steile Klippen neben uns. Einige Male ist es wieder knapp mit dem plötzlich auftauchenden Gegenverkehr. Allgemein ist es aber recht leer auf den Straßen. Straßenschilder oder irgendwelche Verkehrszeichen gibt es hier fast gar nicht mehr. Auch Leitplanken oder Ähnliches fehlen.

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An der nächsten Tankstelle wird bei meinem Motorrad die Sitzbank gewechselt. Das ist auch nötig, denn meine alte war tiefer gelegt. Zusätzlich sind an dem Motorrad auch noch höher gelegte Fußrasten montiert, so dass ich darauf saß wie ein Affe auf dem Schleifstein. Jetzt ist es gottseidank besser!

Wir fahren weiter durch die kurvigen Straßen, den Atlas hinauf. Auf 2.100 Metern erreichen wir schließlich den höchsten Punkt. Hier gibt es einen fantastischen Ausblick. Kurz darauf geht es schon wieder abwärts. An einem kleinen Cafe zeigt uns Mustafa eine besondere Stelle, an der eine Kurve so gebaut worden ist, dass sie aussieht wie ein Herz. Deshalb gibt es hier oben wohl auch Gebäck in der Form von Herzen zu kaufen.

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Wir fahren die Straße weiter hinab. Auf Grund der engen Kurven schleift bei mir des Öfteren der Ständer auf dem Boden. Schon bald wird die Strecke zweispurig und damit das Fahren sicherer. Reindert fährt vorne und macht gut Tempo. Ich fahre hinter ihm und Papa hinter mir. Die Anderen lassen es ruhiger angehen. Wir hatten sie schon kurz nach der Herzkurve verloren.

Nachdem die zweispurige Straße einfach aufhört bewegen wir uns nur noch auf lehmigen Boden. Wir halten an und wollen auf die anderen warten. Doch Reindert schickt Papa und mich schon mal voraus. Jetzt geben wir richtig Gas. Ich komme locker auf 160 km/h. Leider geht bei Papa snicht mehr als 140, weil die Maschine dann anfängt zu flattern. Als sich die Straße teilt warten wir auf unsere Mitfahrer.

Nach 40 gemeinsamen Kilometern auf der Hauptstraße erreichen wir ein Restaurant, wo wir unsere Mittagspause machen. Nach der Stärkung geht es noch einige Kilometer mit allen zusammen die Hauptstraße entlang, bevor es wieder kurvig wird. An den meisten Ecken ist außer uns niemand unterwegs.

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Wir teilen uns erneut auf: Papa und ich fahren zusammen mit dem Pick-up etwa 40 Kilometer Piste. Die anderen fahren mit Reindert knapp 130 Kilometer Umweg auf der Straße. Mitten in der Wüste finden Papa und ich einen alten Brunnen, in dem sogar noch Wasser ist. Ein echt cooler Platz für eine kleine Pause. Als wir weiter fahren kreuzen Streifenhörnchen unseren Weg. Es geht über steinige Strecken und durch ausgetrocknete Flussbetten - eine echte Abenteuertour.

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Hinter einem kleinen Ort kommen Kinder auf uns zugerannt und winken uns wie verrückt zu. Sie scheinen sich zu freuen mal etwas anderes zu sehen. Laut Mustafa sind es jetzt noch 25 Kilometer. Auf serpentinenartigen Wegen fahren wir einen Berg hinauf. Beim herunterfahren müssen wir uns zu 100% konzentrieren, um keinen Fehler zu machen, der einem hier das Leben kosten könnte. Irgendwie ist aber genau das der Reiz. Es macht es irre viel Spaß sich dieser Herausforderung zu stellen.

Kurz bevor wir das Hotel in Aguinane erreichen begegnen uns erneut Kinder. Sie feuern uns an mehr Gas zu geben. Ihnen zu liebe machen wir das natürlich gern. Am Ende sind wir gut 45 Minuten vor den anderen am Ziel. Der Ort ist vollkommen von Bergen umschlossen. Überall ist es grün. Der Ausblick von unserem Hotel auf die Palmen, über das Dorf und die Berge ist einfach nur grandios. Auf der Dachterrasse essen wir zu Abend und lassen den erlebnisreichen Tag noch einmal Revue passieren. Dabei fliegen Fledermäuse nur knapp einen Meter über unseren Köpfen umher.

20.09.2017: Blaue Steine auf dem Weg nach Tafraoute

Zum Frühstück gibt es am nächsten Morgen, wieder auf der Dachterasse, frisch gebackene Teigtaschen. Herrlich! Dann, um kurz vor neun, geht es los. Wie schon am Tag zuvor fahren Papa und ich vor. Ich bin nur kurz unaufmerksam und schon habe ich eine Abzweigung verpasst. Und dann fahre ich mich beim Wenden auch noch im Sand fest. Anstatt mir zu helfen steht Papa nur da und schaut zu. Egal, ich schaffe es letztendlich auch alleine und es kann weiter gehen.

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An einer Gabelung warten wir auf unsere Mitreisenden. Die Sonne scheint jetzt gnadenlos. Es ist extrem heiß, obwohl wir erst 10 Uhr haben. 50 Kilometer fahren wir gemeinsam durch die Hitze bis wir unsere Mittagspause einlegen. Währenddessen kommen uns ab und zu Autofahrer entgegen die uns zuwinken oder uns den Daumen hoch zeigen.

Nach der Mittagspause fahren wir noch ein einige Kilometer Straße bevor der Untergrund wieder lose wird. Die Strecke besteht nun aus Erde und ein paar Steinfeldern dazwischen. Während Papa und ich diese Passage ohne größere Probleme meistern stürzt Gaby auf einem der Steinfelder. Dina kann nicht mehr rechtzeitig reagieren und fällt ebenfalls. Nach dem Vorfall entschließt sich Dina nicht mehr selber zu fahren und nimmt für den Rest der Piste im Pick-Up Platz. Erst als wir wieder auf eine Straße kommen fährt sie weiter Motorrad.

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In einer Palmenoase legen wir einen Trinkstopp ein und genießen die niedrigere Temperatur unter den Gewächsen. Das Fleckchen mitten in der Wüste wirkt wie in einem Märchen aus 1000 und eine Nacht.

Nur wenige Kilometer weiter erreichen wir unser nächstes Ziel: die „Blauen Felsen“. Letztlich sind es nur sehr viele, hellblau angemalte Steine, die irgendwo im Nirgendwo stehen. Ich finde sie sind aber trotzdem den Ausflug wert. Papa und ich fahren noch ein Stückchen hinter die „blauen Felsen“ und finden uns in einer vollcrossähnlichen Passage wieder. Ich springe einen Abgrund hinunter, bei dem ich mir kurz vor dem Abheben überlege, ob mein Motorrad dies überhaupt schaffen wird. Zum Glück geht alles gut. Papa fährt sich derweil in einem Graben fest und muss kämpfen da wieder heraus zu kommen. Wir fahren zu den Wartenden zurück. Papa ringt auf Grund der Anstrengung im Graben sichtlich nach Luft, was doch sehr zur Belustigung aller Anwesenden beiträgt.

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Die übrigen Kilometer bis nach Tafraoute gehen schnell. Hier werden wir die nächsten zwei Tage verbringen. Nach einer Abkühlung im großen, hoteleigenen Pool nutzen wir noch das hiesige WLAN, um uns bei unseren Familien zu melden, bevor wir zum Abendessen gehen.

21.09.2017: Moped fahren mit Handicap

Schon in der Nacht geht es mir gar nicht gut. Mir ist furchtbar übel, aber ich will Papa nicht wecken. Am Morgen übergebe ich mich direkt mehrfach auf der Toilette. Wie es aussieht, habe ich den Hauptgang des Abendessens nicht vertragen, auch wenn dieser ganz gut geschmeckt hat. Papa besorgt mir Magentropfen von Gaby.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich die heute anstehende 120 Kilometer Tagestour überhaupt mitfahren soll, entscheide mich aber schließlich dafür. Ich will ja auch nichts verpassen!

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Wir fahren eine kurvenreiche Strecke. Leider bekomme ich von der Landschaft nicht allzu viel mit, weil mir immer noch sehr schlecht ist. Nach mehr als eineinhalb Stunden kommen wir zur Kasbah, einer Festungsanlage, die wir heute besichtigen wollen. Auf den Mauern trinken wir Tee. Die Aussicht ist wieder einmal atemberaubend.

Viele Kurven und unzählige Stopps auf dem Rückweg führen dazu, dass wir anstatt um halbzwei erst um halbvier wieder am Hotel sind. Papa, Reindert und ich fahren noch zu einer Apotheke im Ort, um dort ein Mittel gegen Übelkeit zu besorgen. Wieder im Hotel gehe ich sofort aufs Zimmer und lege mich erstmal für zwei Stunden hin. Zusätzlich zur Übelkeit habe ich jetzt auch noch starke Kopfschmerzen. Zum Abendessen nehme ich nur etwas Gemüsesuppe zu mir. Wir packen die Sachen für den nächsten Abschnitt unserer Tour, ich gehe duschen und gleich wieder ins Bett.

22.09.2017: Silberschmuck und Meeresbrise

Tagsdarauf geht es mir schon um Welten besser. Unser heutiges Reiseziel ist Tiznit. Dabei handelt es sich um eine alte Silberstadt. Auf halber Strecke werden wir kurz vor einem Cafe von Regnen überrascht – eine willkommene Abwechslung bei sonst nur brennender Sonne. Wieder auf der Straße kommen wir an etliche Baustellen vorbei. Außerdem fallen mir viele Frauen auf, die Sträucher und alles mögliche Andere von den Feldern transportierten. Schwer bepackt laufen sie unter der Last stark nach vorne gebeugt.

In Tiznit angekommen gehen wir gleich in einen Laden, in dem mehrere Händler ihre Waren ausstellen. Wir finden alle etwas, was wir kaufen wollen. Bei Dina und Gaby sind es Armreifen und ein paar Ohrringe. Papa und ich kaufen ein Schmuck-Set für Mama und eine Kette sowie zwei Ringe für mich. Papa ist für das Handeln von unseren Sachen zuständig. Die Händler können allerdings nur arabisch, weshalb wir Hilfe von Mustafa und Nurdin bekommen.

Nach dem Shoppen trinken wir noch einen Tee während Gaby und Dina in die Souks gehen, um dort noch etwas zu kaufen. Mustafa bringt uns ein paar Kaktusfeigen von denen wir alle probieren – Lecker, nur etwas harte Kerne!

Als wir weiter fahren trennen sich Papa und ich wieder von Gaby und Dina. Wir fahren zusammen mit Reindert Piste. Schon während der Fahrt geht hin und wieder eine Brise mit Meeresluft. Dann endlich können wir von einem Berg aus den Atlantik sehen.

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Als wir im Hotel in Mirleft ankommen, sind die anderen schon da. Wir ziehen unsere Badeklamotten an und gehen im Atlantik schwimmen. Das Meer befindet sich direkt vor dem Hotel, man muss nur eine Treppe hinunter gehen. In der Mitte des Strandes steht ein beeindruckender, etwa 20 Meter großer Fels. Leider ist der Strand aber so stark vermüllt, dass ein längerer Aufenthalt am Wasser nicht besonders reizvoll ist.

23.09.2017: Tausche Moped gegen Surfbrett

In der Nacht merke ich erneut, dass es mir nicht gut geht. Ich habe mir eindeutig den Magen verdorben. Auch am Morgen ist es nicht besser und ich muss auf das Frühstück verzichten.

Trotzdem starten wir gegen halbzehn unsere heutige Tour zu den Brandungstoren. Besonders weit ist es nicht bis dorthin. Papa und ich beschließen am Strand durch die Tore hindurch zu fahren. Einige, streunende Hunde rennen uns hinterher. Sie wollen wohl spielen.

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Nach einer ausgiebigen Fotosassion und nachdem wir die Motorräder von Sand und Salz befreit haben fahren wir in die Altstadt von Sidi Ifni. Der Stil erinnert an eine spanische Altstadt. Von einem Steg aus haben wir eine tolle Aussicht auf das Meer. Leider fallen uns auch hier wieder die Massen an Müll unangenehm auf.

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Zurück im Hotel geht es mir wieder besser. Ich ziehe gleich meine Surfklamotten an, da es heute geeignete Wellen zu geben scheint. Papa hat sich entschlossen das Wellenreiten auch mal zu probieren. In Mirleft leihen wir uns ein Board. Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe ich den Dreh schließlich ganz gut raus: Zwei, drei Mal surfe ich auf einer Welle bis zum Strand. Nur das Hinstellen funktioniert noch nicht so richtig. Bei Papa funktioniert es eigentlich gar nicht. Er probiert es allerdings auch nicht sonderlich lange. Anschließend wärmen wir uns noch etwas im Pool auf und genießen den Rest des Tages auf den Liegen.

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24.09.2017: Trockene Wasserfälle

Heute schaffen wir es sogar etwas früher als geplant loszufahren. Nachdem wir uns etwas von der Küste entfernt haben, wird es schnell drückend heiß. Auch als wir in die Berge kommen senkt sich das Thermometer nicht.

In einem Bachlauf sitzen Menschen zum Essen und Trinken im Wasser, um die Hitze erträglicher zu machen. Wir halten an einem kleinen Cafe in den Bergen und machen es den Leuten nach. Nur sitzen wir nicht direkt im Wasser sondern auf einer kleinen Insel.

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Bis Agadir fahren wir noch weiter durch die Berge, dann kommen wir auf eine Schnellstraße. Obwohl hier richtig viel Verkehr herrscht kommen wir gut voran, weil wir uns im Slalom um die Autos schlängeln.

Komplett durchgeschwitzt gönnen wir uns an einer Tankstelle ein kleines Päuschen im Schatten. Doch bei über 40 Grad bringt uns auch das nur wenig Erholung. Wir lassen Agadir hinter uns und bewegen uns wieder auf gewohnt kurvigen Straßen bis wir zu einem Wasserfall kommen, den wir besichtigen wollen. Der Wasserfall ist auch sehr schön, nur leider fehlt etwas Entscheidendes: Wasser! Wie wir erfahren plätschert es hier nur im Winter. Einen richtigen Winter gab es allerdings das letzte Mal vor drei Jahren!

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Schließlich beziehen wir nach ein paar weiteren Kilometern unser Hotel in Imouzzer. Beim Abendessen unterhalten wir uns viel mit den Anderen über die bisherigen Erlebnisse bevor alle auf ihre Zimmer gehen.

25.09.2017: Fast den Rucksack verloren

Die heutige Tour starten wir erneut mit vielen Kurven in den Bergen. Nach dieser Passage halten wir vor Essaouira noch ein letztes Mal an, um zu tanken. Nach dem Stopp soll ich hinter dem Pick-up herfahren. Das tue ich auch. Erst nach ein paar hundert Metern merke ich, dass hinten mir auf meinem Motorrad unser Rucksack liegt. Ich halte ihn also mit einer Hand fest bis ich irgendwann anhalte, um ihn aufzuziehen. Als Papa kommt ist er sehr aufgebracht. Er fragt mich warum ich einfach mit dem Rucksack abhaue? Ich hätte doch umdrehen müssen. Ich finde das nicht ganz fair, schließlich hat er den Rucksack doch auf mein Motorrad gelegt, ohne dass ich davon etwas wusste.

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Der kurze Streit ist aber bis Essouira schon vergessen. Dort angekommen besichtigten wir als Erstes den Hafen. Tausende von Möwen tummeln sich hier. Außerdem gibt es allerlei Stände, mit verschiedenen Arten fangfrischem Fisch.

In der Stadt selbst kaufen Papa und ich Gewürze für Mama, bevor es ungefähr 200 Kilometer Richtung Marrakech zurück geht. Wir fahren viel Autobahn und so langsam tut das viele Sitzen auf dem Moped echt weh. Einige Kilometer vor Marrakech sehen wir einen Mann der am Straßenrand, mitten im Nirgendwo, kniet und betet.

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In Marrakech herrscht extrem viel Verkehr, der gefühlt zu 0 Prozent geregelt ist. Irgendwie schaffen wir alle es trotzdem unfallfrei zum Motorradverleih. Papa, Gaby und ich haben keinerlei Probleme beim Abgeben der Motorräder. Wir bekommen unsere Kaution wie geplant zurück. Doch weil Dina mehrfach gestürzt war, was man auch dem Motorrad ansieht muss sie 700 Dirham (etwa 150 Euro) Selbstbeteiligung bezahlen.

Unser Hotel für den letzten Tag ist sehr nobel. Am Abend fahren wir mit dem Taxi zum großen Platz in Marrakech, um etwas vom Nachtleben mitzubekommen. Der Platz wirkt nachts vollkommen anders als am Tag. Dort, wo am Tag noch alles frei ist, stehen jetzt Essensstände in langen Reihen aneinander. Wir fühlen uns eher unwohl. Immerwieder wird man aufgefordert sich die Waren an den Ständen anzuschauen und etwas zu kaufen. Am Ende finden wir aber doch etwas leckeres zu Essen. Was es genau ist wissen wir zwar bis heute nicht, aber wir können wenigstens zugucken wie es gebraten wird. Nach dem Essen schlendern wir noch etwas über den Platz und fahren schließlich zurück ins Hotel.

26.09.2017: Zu hause bei Mama

Heute ist Abflugtag. Bevor wir zum Flughafen fahren fahren gehen wir nocheinmal in die Stadt. Meine Ausbeute hällt sich mit einm Paar Schuhen aber doch in Grenzen. Auf dem Rückflug läuft alles nach Plan. Wir landen sogar früher als gelant , schon um 19.55 Uhr, in Frankfurt. Hier verabschieden wir uns von Gaby und Dina. Es ist ein trauriger Moment, da wir uns gut aneinander gewöhnt hatte und irgendwie schon eine Art Freundschaft entstanden ist.

Nachts um kurz nach 11 sind wir endlich zu Hause. Mama ist noch wach und erwartet uns. Die Wiedersehensfreude ist natürlich groß. Wir zeigen ihr gleich unsere neuen Errungenschaften und gaben ihr den Schmuck, den wir für sie mitgebracht haben. Zur Mitternacht gehen wir dann alle ins Bett und unsere Abenteuer-Reise ist vollständig beendet.

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Mein Fazit:

Wir haben uns lange auf diese Reise vorbereitet. Auch wenn wir nicht genau wussten, was uns erwartet – damit hatten wir nicht gerechnet: Marokko auf zwei Rädern zu bereisen war einfach komplett anders, als alles was ich bisher gesehen hatte.

Egal was manchmal berichtet wird. Die Leute waren uns gegenüber alle sehr nett und zuvorkommend. Man merkt, dass sich viel Mühe gegeben wird,den Tourismus weiter anzuregen. Wir haben das Land von vielen verschiedenen Seiten kennengelernt. Wir waren in den großen Städten und in den entlegensten Ecken mitten in den Bergen.

Das Land ist extrem vielseitig und bietet jede Menge zu sehen/erleben. Besonders schön fand ich es außerhalb der Städte, wenn es einfach fast nichts gibt außer dir selbst und dem Land. Natürlich haben auch die Sehenswürdigkeiten ihre Reize.

Die Kultur in diesem Land unterscheidet sich sehr stark von der deutschen, aber es gibt keine Probleme, wenn man sich darauf einlässt. Gerade auf dem Land sieht man dort noch das „wahre Leben“. An vielen Ecken haben die Leute fast nichts und trotzdem schaffen sie es, glücklich zu sein. Das bewundere ich. Ich bin absolut dankbar für die Möglichkeit eine solche Reise erlebt haben zu dürfen.

Sollte ich nocheinmal die Gelegenheit dazu bekommen, würde ich es wieder tun. Dann allerdings würde ich mich mehr auf die entlegeneren Orte fokussieren. In der großen Stadt ist es mir einfach zu voll . Diese Motorradreise durch Marokko mit meinem Papa war eine Erfahrung, die ich in meinem Leben nicht mehr vergessen werde. Kimberly Gundlach

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