Weiß-blauer Einstieg: BMW G 310 GS

BMW kann auch klein: Mit der neuen G-Baureihe wollen die Münchner weltweit punkten

+
Die BMW G 310 GS ist dank ihrer Robustheit, ihrem vielseitigen Einsatzspektrum und ihrer Handlichkeit Hausmannskost im besten Sinne des Wortes.

Als BMW im Herbst 2016 die Roadster G 310 R vorstellte, war es schon beschlossene Sache, dass es über kurz oder lang weitere Versionen geben wird. Mit nur einem Modell startet man keine Baureihe. Nun steht die neue Enduro G 310 GS beim Händler.

Zuerst einmal schaut man und staunt, denn die Kleine macht ganz schön was her. Das ist keine Schrumpf-GS, wenngleich die Modellbezeichnung "G 310" fast ein bisserl verschämt und kaum erkennbar in Schwarz auf der schwarzen Plastikverkleidung steht. Also schwingen wir uns auf die 83 Zentimeter hohe Sitzbank, drehen den Schlüssel und staunen über das umfangreiche Informationsangebot des Cockpits: Da werden unter anderem eingelegter Gang, Durchschnittsverbrauch und -geschwindigkeit, Reichweite, Motortemperatur sowie zwei Mal die Tageskilometer angezeigt. Für ein 5.800 Euro teures Motorrad ist das alles nicht selbstverständlich.

Filigranes ist bei diesem Zweirad natürlich nicht zu erwarten, was aber beileibe kein Nachteil sein muss. Das zeigt sich beispielsweise am wuchtigen Seitenständer, an den wenig filigranen Schaltern und Knöpfen am Lenker sowie am stabilen Hebelwerk für Bremse und Kupplung. Wir knattern los. Dank breiten Lenkerenden und aufrechter Sitzposition hat man schnell ein gutes Gefühl für die kleine und überaus handliche GS. Der Kopf ist frei fürs Wesentliche.

So fährt die kleine GS

Vom Einzylinder mit 313 Kubikzentimetern Hubraum sind keine Wunderdinge zu erwarten. Als Fahrer braucht man aber eine flotte Hand an Kupplungshebel und Gasgriff sowie einen fixen Fuß. Denn wer mit der 170 Kilogramm schweren BMW einigermaßen vorankommen will, muss drehen, blitzschnell schalten und wieder drehen – und dabei möglichst nicht unter 6.000 U/min kommen. Das nutzbare Drehzahlband ist ziemlich klein, dafür erledigen Kupplung und Schaltung ihre Aufgaben problemlos.

Lesen Sie hier, was Motorrad-Wiedereinsteiger beachten sollten.

Allerdings tut es schon in der Seele weh, das Motörchen so prügeln zu müssen, um zügig voran zu kommen oder einen Überholvorgang erfolgreich abzuschließen. Für Autobahnetappen muss man schon einen gewissen Hang zum Sadismus entwickeln, denn da wandert der Drehzahlbalken bis 9.500 U/min, wobei schließlich die Maximalleistung von 34 PS und die Höchstgeschwindigkeit von 143 km/h erreicht werden. Der Begrenzer setzt dann bei etwa 10.000 U/min ein. Bei diesem Ritt vibrieren die Rückspiegel so sehr, dass man nach hinten so gut wie nichts mehr sieht – nicht ganz ungefährlich in diesem Tempobereich.

Am Fahrverhalten gibt es nichts zu kritisieren, vor allem nicht auf kleinen und schlechten Straßen. Die G 310 GS bügelt Unebenheiten souverän weg und macht auch auf nicht asphaltierten Wegen eine gute Figur. Der Bremshebel muss dagegen mit viel Kraft betätigt werden, um eine Verzögerung zu erreichen, die Dosierung ist nicht ganz einfach.

Der Verbrauch und die Kosten

Der Verbrauch ist von der Fahrweise abhängig: Bei entspannter Tour auf kleinen Straßen brauchte die kleine BMW gerade Mal 3,2 Liter auf 100 Kilometer – aber je mehr man den Motor dreht, je flotter man unterwegs ist, desto stärker steigt der Durst und übersteigt dann locker die Vier-Liter-Marke. Elf Liter fasst der Tank und ermöglicht also im Idealfall Etappen von gut 300 Kilometern.

Fahrbericht: KTM 1290 Super Duke R mit 177 PS.

Die Verarbeitung der G 310 GS macht einen guten Eindruck, das Gesamtpaket passt, obendrein lässt sich das ABS für Geländeausflüge abschalten. Zu kritisieren wäre der etwas kurze Seitenständer, der das Motorrad beim Abstellen sehr weit nach links kippen lässt. Zudem sind die Blinkerleuchten im Cockpit zu funzelig und bei Sonne kaum zu erkennen. Das Basismodell für 5.800 Euro lässt sich ab Werk nicht aufwerten: Es gibt keine Sonderausstattung, sondern nur Zubehör. Da ist die Auswahl dann groß: Zum Beispiel kann man vom Topcase (ab 117 Euro) über LED-Blinker (je 40 Euro) bis hin zum Navi für 905 Euro beim Händler noch jede Menge Geld liegen lassen.

Fazit

Die BMW G 310 GS ist sicher nichts für anspruchsvolle Zweirad-Gourmets. Doch dank ihrer Robustheit, ihrem vielseitigen Einsatzspektrum und ihrer Handlichkeit ist sie Hausmannskost im besten Sinne des Wortes: schmackhaft, originell und günstig.

Auch interessant:   Bereits gefahren – Überarbeitete Ducati Multistrada 1260.

Technische Daten BMW G 310 GS

Motor

flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertakter mit 313 ccm Hubraum

Leistung

34 PS (25 kW) bei 9.500 U/min

Drehmoment

28 Nm (bei 7.500 U/min)

Höchstgeschwindigkeit

143 km/h

Radstand

1.420 mm

Sitzhöhe

835 mm

Gewicht (fahrfertig)

170 Kilogramm

Tankinhalt

11 Liter

Testverbrauch

3,8 Liter

Preis

Grundpreis: 5.800 Euro, Testmotorrad: 5.800 Euro

Volker Pfau

Die BMW G 310 GS im Test

BMW G 310 GS
 © iwp-press
BMW G 310 GS
 © BMW
BMW G 310 GS
 © BMW
BMW G 310 GS
 © BMW
BMW G 310 GS
 © BMW
BMW G 310 GS
 © BMW

 

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Die perfekte Nocke: Die BMW R 1250 RT im Test

Erst vor Kurzem feierte die BMW R 1250 RT ihre Weltpremiere auf der Motorradmesse Intermot – nun steht sie für einen ersten Fahrtest vor uns.
Die perfekte Nocke: Die BMW R 1250 RT im Test

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.