Mainschleife: Eine Motorrad-Tour im Frühling

Thomas Schupp vom Bike Portal mit einem Tourenbericht von Fulda durchs Sinntal nach Hammelburg.

Osthessen. Endlich, ja endlich ist es soweit: Meine erste Tour in der neuen Motorrad-Saison steht bevor. Schon Wochen zuvor wurde der Grundstein gelegt, damit technisch gesehen ein reibungsloser Start von statten geht. In regelmäßigen Abständen hatte ich meine Ducati Monster 1100 EVO mit Öko-Strom aus der Steckdose versorgt, damit ich jetzt nur noch den Startknopf drücken muss. Schon schnurrt die Monster. Das dumpfe Dröhnen aus den Terminioni-Töpfen klingt, nach so langer Zeit der Entbehrung, wie Balsam auf der Seele.

Ab durchs Sinntal

Dass ich die Maschine noch in der Garage nach einer gewissen Einlaufzeit aufreiße, auch wenn sie noch auf dem Ständer steht, müssen meine Nachbarn schon aushalten. Ein Check von Beleuchtung, Bremsen, Rädern und Reifendruck und kurz danach geht's los.

Mainschleife: Eine Motorrad-Tour im Frühling

Meinen Freund Berthold musste ich nicht lange davon überzeugen, dass er mit dabei ist, auch wenn ihm aktuell nur eine 48 PS starke Yamaha XT 660 R zur Verfügung steht. Wir nutzen die lange Frankfurter Straße, um langsam mit 50 km/h unsere Heimatstadt Fulda mit dem prächtigen Barockviertel hinter uns zu lassen.

Meter für Meter wächst die Vorfreude mal kräftiger am Gashebel zu drehen. Auf den wenigen Kilometern der doppelspurigen Bundesstraße 27 in Richtung Rothemann lasse ich meine 110 PS zur Entfaltung kommen, warte dann aber im Cruising-Modus, bis mein Freund auf seiner Enduro mit dem flüssigkeitsgekühlten Einzylindermotor wieder aufgeschlossen hat.

Aber Achtung: Die zwei festinstallierten Blitzanlagen am Anfang und Ausgang des Ortes Rothemann warten nur darauf, von Biker und Moped ein gestochen scharfes Bild zu schießen -- aber ohne uns.

In Döllbach verlassen wir die Bundesstraße 27, biegen rechts ab, schlängeln uns die kurvenreiche Landstraße 3207 hinauf durch den Wald gen Uttrichshausen, durchfahren das kleine Örtchchen Heubach, verlassen den Landkreis Fulda und tauchen von der Anhöhe kurz vor dem Ortsteil Ziegelhütte mit breitem Genussgrinsen im Gesicht hinunter ins Sinntal. Die Straße ist hier für wenige hundert Meter zwar grottenschlecht, aber das tut der guten Laune keinen Abbruch.

Mainschleife: Eine Motorrad-Tour im Frühling

Hier unten geht's einmal links und dann gleich wieder rechts entlang. Eine schön langgezogene Linkskurve auf der K936 erwartet uns. Danach durchfahren wir in stark gedrosselter Fahrweise die Ortschaft Weichersbach. Von links grüßt die Ruine der Burg Schwarzenfels bevor wir den Ort Mottgers erreichen.

Ab hier beginnt das Sinntal. Wir bewegen uns auf einer Strecke fast wie im Bilderbuch für Motorradfahrer: Geschwungene Straßenführungen, geiler Asphalt, kleine Örtchen mit Einkehrmöglichkeiten. Es geht über Brücken und unter einem geschichtsträchtigen Eisenbahn-Viadukt hindurch. Fast 40 Kilometer Genuss pur.

Der Main ruft

Für Neulinge dieser Strecke empfehle ich einen Zwischenstopp in der Stadt Rieneck einzulegen. Graf Ludwig von Rieneck residierte hier mal in der gleichnamigen Burg -- auf dem europäischen Festland einmalig: die Turmkapelle. Selbst in der Lederkombi lohnt sich dieser Aufenthalt per Pedes. Wir unterbrechen nicht unsere Tour, auch wenn ein verlockender Duft in unseren Nasen uns fast dazu verleitet hätte.

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Das Aroma eines Espressso gönnen wir uns später -- hundertprozentig. Vorher aber lasse ich unmittelbar hinter Schippach die Kraft meiner Ducati nochmals auf den Asphalt brennen. Die knapp 1000 Meter Bergauf- Passagen haben es in sich und sind gleichzeitig Verlockung pur, auch wenn Berthold hier nicht mitkommt. Anschließend lasse ich es ruhig angehen und rolle mit Hilfe der Motorbremse sanft den Berg hinunter ins unmittelbar vor mir liegende Maintal. Mein Kumpel schließt wieder auf, wir durchqueren den Kreisel und biegen sozusagen links weg nach Gemünden zu unserem ersten Stopp, direkt am Main gelegen.

Der Marktplatz mit Cafés und Eisdiele ist längst kein Geheimtipp mehr für Biker. Hier findet sich zu jeder Tageszeit ein wortgewaltiger Gesprächspartner für Benzingespräche oder über Gott und die Welt. Extra ausgewiesene Motorrad-Parkplätze gibt´s direkt vor dem Marktplatz, gleich rechts, wenn du über die Alte Brücke mit der darunter fließenden Fränkischen Saale gefahren bist.

Mainschleife: Eine Motorrad-Tour im Frühling

Klar sind wir hier als Motorrad-Fans nicht alleine. Wir treffen sogar jemanden aus dem hohen Norden Hessens. Horst, ein vollbärtiger Vierziger, hat sein Bike, eine fette Harley Road King, direkt neben uns abgestellt und wir drei haben uns spontan dazu entschieden, die paar Meter über den Marktplatz gemeinsam zu gehen -- in direkter Linie zum Italiener. Eine Kugel Eis und einen Espresso; dieser gemeinsame Wunsch verbindet uns.

Horst aus Kassel

Wie sich herausstellt, kommt Horst direkt aus der Stadt Kassel und das Bike Portal ist für ihn nicht unbekannt. Ganz im Gegenteil: Erst letztes Jahr war er zum Abschluss der Saison beim Meet & Greet des Bike Portals am Edersee. Von Horst erfahre ich auch, dass er sehr oft soweit hier runter an den Main fährt und immer wieder neue reizvolle Tourenabschnitte findet. Vor lauter Quatschen vergeht die Zeit wie im Flug. Ein Blick auf die Uhr veranlasst uns adios zu sagen.

Unser Weg führt uns weiter nach Karlstadt. Normalerweise würden wir die Landstraße auf der anderen Mainseite bevorzugen, denn sie ist wenig befahren und schlängelt sich ganz eng am Main entlang, vorbei an Feldern, Auen, Weinorten und idyllisch gelegenen kleinen Bootshäfen. Aber aktuell wird die Mainbrücke in Gemünden abgerissen. Der Neubau soll erst im Sommer 2018 fertig sein.

Also nutzen wir diesmal die relativ stark befahrene Bundesstraße 26 vorbei an Weinbergen bis zu dem Ort Karlstadt im fränkischen Weinland.

Geschichtsträchtig und lebendig zugleich präsentiert sich die Kleinstadt mit historischem Kern direkt am Main. Unten am Mainkai machen wir kurz Stopp. Ein Schleppkahn vergangener Tage mit holländischer Flagge zieht unter der alten Mainbrücke gerade seine Bahn. Zeitgleich geht eine ganze Schar von Menschen von Bord der MS Symphonie, einem Flusskreuzfahrtschiff.

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Hätten wir nicht erst gerade vor 15 Kilometern eine Pause gemacht, hier würden wir normalerweise einen weiteren Zwischenstopp einlegen. Zu empfehlen wäre er auf jeden Fall. Eine fast geschlossene Stadtmauer umgibt Karlstadt und mitten drin befinden sich Geschäfte, Weinlokale, Gaststätten und Cafés teils im schmucken Fachwerkstil.

Retour über Hammelburg

Mein Tacho verrät mir, dass wir bis hier hin genau 91 Tourenkilometer zurückgelegt haben. Die gleiche Entfernung wartet noch auf uns und unsere Maschinen beim Rückweg.

Die Bundesstraße 27 ist erneut unsere Leitlinie. Aus dem Maintal hinauf durch Orte wie Eußenheim und Gössenheim und vorbei an Feldern und an altertümlichen Burgruinen genießen wir die Strecke in Richtung Hammelburg. Die Burgruinen in der Ferne ziehen uns zwar ab und an in ihren Blickfang, aber wir konzentrieren uns sicherheitshalber auf die kurvenreiche Strecke.

Kulinarischer Geheimtipp: Eine sehr gute bürgerliche Küche mit Metzgerschnitzel gibt es im Gasthaus zur Goldenen Krone.

Kilometer 117 und wir haben Hammelburg, die älteste Weinstadt Frankens, erreicht. Auch hier lockt der Marktplatz mitten im Ort mit Rathaus und Marktbrunnen. Wir parken unsere Motorräder, ziehen die Zündschlüssel ab, streifen die Integralhelme vom Kopf, öffnen die Lederkombi bzw. Tourenjacke und gehen die wenigen Schritte hinüber zu einem Café. Wer uns kennt, weiß, welche Bestellung wir jetzt der sympathischen Bedienung gegenüber äußern: "Einen Espresso und einen Cappuccino bitte", für den Nachtisch.

Eine bunt gemischte Truppe von Motorradfahrern auf unterschiedlichsten Bikes passiert gerade die Straße entlang des Marktplatzes und zieht logischerweise viele Blicke auf sich. Kein Wunder, der Sound der Maschinen ist nicht zu überhören und der eine und andere dreht ganz bewusst am Gashebel -- freche Jungs eben.

188 Kilometer im Frühling

Wir starten erneut die Motoren und weiter geht's Richtung Bad Brückenau. Das Staatsbad ist ein Ortsteil und sein Ensemble ein prädikatisierter Badebetrieb seit 1747.

Bis dorthin sind es etwas mehr als 140 Asphaltkilometer, die von Hammelburg aus teilweise etwas von einer Berg- und Talfahrt haben. Die Strecke ist reizvoll und ansprechend zugleich -- gerade in dem Waldstück. Richtig Spaß aber machen aus Bad Brückenau hinaus die eng und vor allem langgezogenen Kurven hinauf zur Autobahn. Ich versuche mich an die vorgegebene Geschwindigkeitsbeschränkung zu halten. Nicht leicht!

Die A7 überqueren wir nur, nehmen die Kurven diesmal bergab nach Speicherz und freuen uns schon auf das, was uns bald erwarten wird.

Seit letztem Herbst sind die 5.000 Meter Straße der B27 vor dem Brauerei-Örtchen Motten komplett neu asphaltiert und ausgebaut. Ein wahrer Hochgenuss: Jede Kurve ist mit speziellen Leitplanken für Motorradfahrer ausgestattet. Fast wie auf einer Passstraße, nur leider viel zu kurz, geht es hier rasant rauf und wieder runter. Aber bitte vorsichtig, gerade zu Beginn der Saison sollte man die Risikobereitschaft nicht zu hoch ansetzen.

Mainschleife: Eine Motorrad-Tour im Frühling

Schade, dass diese Passage bereits hinter uns liegt. Eine Möglichkeit wäre sicherlich diese "Passhöhe" ein zweites oder drittes Mal zu nehmen, wie einige Jungs hier und heute. Aber nein, wir entscheiden uns für den direkten Heimweg, verlassen Bayern, überqueren erneut die Grenze zu Hessen in den Landkreis Fulda hinein und cruisen den Rest bis nach Hause.

Eine tolle Ausfahrt bei Höchsttemperaturen zwischen 14 und 16 Grad liegen hinter uns. 188 reizvolle Kilometer; eine Tour, eine Schleife an den Main, die ich bzw. die wir nur empfehlen können. Hier kommt jeder Biker auf seine Kosten. Viel Spaß beim Nachfahren.

Rubriklistenbild: © Schupp

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