Motorradtour vor der Haustür

Das Gute liegt so nah, denn Hessen hat einiges für Motorradfahrer zu bieten.

Es ist Samstagabend und Ingrid ruft an. Sie fragt mich, ob ich nicht Lust darauf hätte, morgen meine Q zu satteln und mit Josy und ihr eine kleine Runde zu drehen. Ich muß dazu sagen, daß Josy der Kosename von Ingrids R 850R ist. Die blaue Schönheit ist schon 15 Jahre alt, sieht für ihr Alter aber noch sehr gut aus. Bedenkt man, daß sie bei ihrem Vorbesitzer nur 20tkm in 13 Jahren absolviert hat, zu denen Ingrid in den beiden vergangenen Jahren nochmal 40 tausend dazu gespult hat, ist das Verhältnis: Lebensalter versus km-Leistung wieder in einem vernünftigen Lot.

Wir können uns an der Niddatal-Sperre treffen und von dort aus unsere gemeinsame Tour beginnen, tönt es aus dem Telefon. "Okay! ich bin da,” antworte ich und schon ist die Tour in trockenen Tüchern.

Am Sonntag starte ich schon früh morgens. Schließlich will ich mir und Q den Hinweg mit schönen Kurven versüßen. Von Norden kommend, arbeite ich mich in die Vogelsberger Vulkanlandschaft vor und staune dabei wieder einmal aufs Neue mit welch tollen Strecken die Region gesegnet ist. Selten nur fahre ich hier auf Straßen, die von einem Mittelstreifen geteilt sind. Vielmehr sind es die wunderschönen Nebenstrecken, die mich mit hervorragendem Teerbelag und kleinkurvigen Windungen verwöhnen.

An der Niddatal-Sperre angekommen, ist Ingrid noch nicht da, obwohl selbst ich über eine Viertelstunde nach der vereinbarten Zeit am Treffpunkt bin. Doch als ich gerade meinen Helm abziehe, höre ich das vertraute Geräusch eines Boxer-Motors näher kommen. Das Grinsen unter ihrem Helm ist nicht zu übersehen. "Ey, ich hab Josy und mir auf dem Hinweg ein paar Kurven gegönnt und dabei leider die Zeit aus den Augen verloren”, sagt mir Ingrid als schwache Entschuldigung für ihre Verspätung. Tja, Schwamm drüber, schließlich waren Q und ich aus gleichem Grund auch nicht besonders pünktlich.

Wir sind irgendwie aber trotzdem zu früh, denn an diesem Biker-Treff sind erst drei weitere Motorradfahrer angekommen. An dem Café in der Nähe der Staumauer gönnen wir uns noch einen Kaffee und so langsam wärmt die Herbstsonne auch die Landschaft auf. Los geht’s. In der Grobplanung soll uns die Tour in südlicher Richtung am Fuße des Vogelsbergs vorbei in die östliche Wetterau bis nach Büdingen bringen.

Erst aber nochmal zurück nach Schotten und von dort aus über die B276 weiter in Richtung Gedern. Wow, selbst die Bundesstraßen winden sich hier im Vogelsberg wie ein Aal durchs Gras. Noch dazu verwöhnt der griffige Teer die Reifen, die sich genußvoll mit dem Asphalt verbeißen.

Das es hier viele geschwindigkeitsbeschränkte Streckenabschnitte gibt, ist leider auch rasenden Zeitgenossen zu verdanken. Wohl zu viele Biker haben ihr Leistungsvermögen und das ihrer Bikes überschätzt und sind hier verunglückt. Doch später noch mehr zu diesem Thema!!!

Hier und jetzt ist für uns Motorrad-Wandern angesagt. Schließlich hat sich der Laubwald in ein herbstlich-buntes Kleid gehüllt und lädt zum Cruisen, Schauen und Geniessen ein.

Der Genuß kommt dabei nicht zu kurz! Kurz vor Gedern verlassen wir die Bundesstraße. Von hier aus weiter auf einer Nebenstrecke nach Burkhards, Kaulstoß, dann über die Herchenhainer Höhe hinweg (immerhin 733m ü. NN) in Richtung des Bikertreffs Oldtimer-Kaffee bewegen wir unsere beiden Boxer. Hier ist die Hölle los. Der ganze Hof steht voll mit Motorrädern jeglicher Gattungen. Natürlich frisch geputzt und chromglänzend! Ist bei diesem schönen Wetter und dem herrlichen Sonnenschein auch verständlich.

Nachdem wir uns bei lecker Kaffee und Kuchen gestärkt haben, setzen wir die Fahrt in Richtung Südosten fort. Die Wetterau wartet nun darauf erobert zu werden. Auf schmalen Straßen kommen wir nach Büdingen, den am weitest entfernten Punkt unserer Tour. Diese wunderschöne Stadt mit ihren verwinkelten Gassen ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Noch dazu findet hier und heute das jährliche Altstadt-Fest statt. Schnell parken wir Josy und Q auf der Altstadt-Brücke über den Seemenbach und erobern zu Fuß das Viertel rund um das Büdinger Schloß.

Nach einer leckeren Bratwurst ist weiterfahren angesagt. Schließlich wollen wir noch zu einem anderen Bikertreff und damit auch zurück in den Vogelsberg. Wieder über kleine und kleinste Straßen hinweg lassen wir uns nach Grebenhain treiben. Von dort aus kommend erklimmen wir den Taufstein (mit 773 m ü.NN die höchste Erhebung des Vogelsbergs) und dann weiter zum Hoherodskopf (763m ü.NN). Bergab nach Schotten fahren wir an der Nidda-Quelle vorbei, die von einem Parkplatz aus gut zu Fuß zu erreichen ist.

In Schotten wird getankt, der Gasgriff gedreht und ein kleines Stückchen aus der Stadt heraus geht’s zum Bikertreff Falltorhaus. Am Falltorhaus steppt der Bär. Der ganze Parkplatz steht auch hier voller Bikes und Biker. Benzin-Gespräche, Sehen und gesehen werden! Ein Motorrad-Händler aus der Nähe hat einen Stand aufgebaut, auf dem er seine neuesten Modelle präsentiert. Er bietet Probefahrten an und die Gegend ist natürlich geradezu prädestiniert dafür, einen Kurventanz aufzuführen. Hier treffe ich Willi Donath, den Vorsitzenden des BMW Motorradclub Vogelsberg e.V. . Er arbeitet bei Hessen Mobil und ich spreche ihn auf die vielen Geschwindigkeitsbeschränkungen, z.B. auch an der B276, an. Willi erzählt mir, daß von Hessen Mobil, auch wegen der vielen Motorrad-Unfälle überall in ganz Hessen, an neuralgischen Punkten z.B. Unterfahrschutz und andere Maßnahmen zur Unfallprävention für uns Mopedfahrer installiert werden. (Hinweis: Zu diesem Thema folgt noch ein separater Bericht)

Wir sitzen noch eine Zeit lang in dem Innenhof des Falltorhauses und lassen uns von der herbstlichen Sonne aufwärmen. Solange das Wetter noch so gut ist, können wir noch ein paar Touren machen, ruft Ingrid mir dann zum Abschied zu, startet Josy’s Boxer und verschwindet in Richtung Heimat. Auch für mich wird es Zeit, denn am späten Nachmittag verliert die Herbstsonne immer mehr ihre wärmende Wirkung.

Auf dem Rückweg lassen Q und ich uns wieder durch die kleinen Orte des Vogelsbergs treiben und es fällt mir auf, wie gepflegt die Häuser und Grundstücke in dieser Gegend doch sind.Kurz vor Ende der Tour wartet noch ein ganz besonderer Leckbissen auf mich: "Rondienchen" heisst der Aussichtspunkt, den ich zum Ende meiner Vulkan-Tour ansteuere. Hinter Gontershausen, einem Ortsteil von Homberg/Ohm, beginnt direkt nach dem Ortsrand eine steile Auffahrt, die mit engen Kurven und Spitzkehren ein besonderes Fahrerlebnis bietet. Direkt auf der Anhöhe vor dem Waldrand liegt das "Rondienchen", an dem ich Q und mir eine Pause gönne. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick bis in die Schwalm und darüber hinaus in den Knüll. In der Ferne kann ich das Knüllköpfchen erkennen. Nördlich des Rondienchens öffnet sich das Ohmtal in eine weite Ebene hinein. Die Ohm entspringt auch im Vogelsberg in der Nähe von Ulrichstein. Mittendrin erhebt sich ganz markant die Amöneburg, als nördlichster Ausläufer des Vulkangebietes Vogelberg. Mein Blick schweift westlich davon bis ins Marburger Land und die abendliche Sonne taucht die Landschaft in ein ganz besonderes Licht. Ja, denke ich so bei mir, es ist Herbst geworden und die Saison neigt sich jetzt dem Ende zu. Um so schöner war es, diesen herrlichen Tag nochmal im Sattel meiner Q geniessen zu dürfen……denke es und drehe den Zündschlüssel von Q um. Auf gehts nach Hause in den Stall!

Ach ja! Ein ganz wichtiger Spruch im Biker-Leben lautet: Nach der Saison, ist vor der Saison… Und in diesem Sinne wünsche ich allen Bikern und Lesern des BIKE PORTALS einen tollen Saison-Abschluß

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