Mit Motorroller anstatt Bike auf Kreta

Thomas Schupp mit dem Motorroller auf Kreta
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BIKE PORTAL Redakteur Thomas Schupp entdeckt auf Kreta via Scooter die Vorzüge der Langsamkeit.

Àgios Nikólaos. Sie war einst die Heimat der ersten europäischen Hochkultur und bietet viele Kombinationen für einen erlebnisreichen Kurzurlaub: Die Rede ist von der griechischen Insel Kreta. Zwar gehört das kleine Od im Mittelmeer nicht unbedingt zum Biker-Paradies schlechthin, doch auch hier gibt es viel zu „erfahren“. Wir haben uns bei dieser Reise mal für einen Scooter anstelle eines richtigen Motorrades entschieden – reizvoll ist die Tour trotzdem und soll zur Nachahmung animieren...

Überwältigende Ausblicke

Der Ausgangspunkt ist die Stadt Ágios Nikólaos, die mit ihren beiden Häfen, so sagt man sich, zu den hübschesten Orten auf der Insel gehört. Das Gefährt unter unserem Hintern ist ein Motorroller der Marke Piaggio. Genauer gesagt ein Piaggio Beverly Cruiser 500. Klein, überschaubar, aber ausreichend für die Art der Straßen, die wir bei unserem Trip entlang der östlichen Nordküste befahren.

Oft wird das Gefährt einfach an die Seite gestellt und ein paar Meter zu Fuß beschritten, um die einmalige Landschaft und ihre Kultur genießen zu können: Nach den ersten Kilometern auf, für hiesige Verhältnisse, sehr guten Asphaltoberflächen ändert sich der Straßenzustand sowie die Straßenführung relativ abrupt. Aus der Nationalstraße 90, auch bekannt als die Europastraße 75, die einer Autobahn ähnelt, wird eine kurvige Küstenstraße, die mit etlichen Warnschildern bepflastert ist. Aber ein Grund zur Sorge besteht nicht. Denn was folgt ist einfach nur grandios, unvergesslich und atemberaubend schön.

Thomas Schupp mit dem Motorroller auf Kreta

Das Ziel: Der Kai von Siteía und der Strand von Vái. Zwei Orte, die gerade wegen der abenteuerreichen Anfahrt so besonders sind. Die Straße dorthin windet sich durch eine der schönsten Landschaften Kretas, zwischen Bergen hindurch bis hin zu einer hohen Klippe.

Aufpassen ist angesagt: Das Auge verliert sehr gerne die Blickrichtung gen Straße. Es wird abgelenkt von den terrassenartigen Olivenhainen, tiefen Schluchten, gigantischen Ausblicken bis hinunter aufs tiefblaue und tobende Meer.

Die Route führt auch an Gurniá vorbei. Sie ist eine der größten, nicht vollkommen freigelegten Städte, welche einen Blick auf die hervorragend erhaltenen Ruinen freigibt. Hier bekommt man einen Eindruck davon, wie das Alltagsleben zur Zeit der Minoer ausgesehen haben muss.

Schatten gibt es nur wenig. Die einzig kühlen Stellen bieten ein paar kleine Bäume. Gut, dass wir nicht mit der Lederkombi unterwegs sein müssen. Trotz der Sonne ist es hier gerade im Frühling besonders schön: Bunte Wildblumen blühen in ihrer Pracht überall zwischen den Steinen.

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Weiter geht’s: Die Streckenführung führt steil nach oben und wird entlang der Küstenstraße von den bunten Blumen begleitet. In den verschiedensten Rosa- bis Violetttönen blüht links und rechts der Oleander, unterbrochen durch den gelbfarbenen Ginster. Nicht nur einmal wurde ich von Pflanzen, welche gerade an den Kurven in die Fahrbahn hineinragen, überrascht und während der Fahrt an Hand und Lenker berührt.

Die Straße selbst ist ein Mix aus alten Belägen mit teils heftigen Schlaglöchern und teils neuem Asphalt. Das Ganze ist mit unzähligen Kurven versehen, die richtig Laune beim Fahren machen. Im Rücken habe ich dabei eine mehr als reizvolle Sozia, die mich fast ständig auf neue Eindrücke hinweist.

Das Wetter ist ideal für diese Tour im Osten von Kreta. Es ist ein Gemisch aus Wolken, Sonne und Wind, begleitet von einer geschätzten Lufttemperatur von um die 25 Grad.

Spiel der Farben

Abgerundet wird die Landschaft durch das malerische Spiel unterschiedlicher Farben, die aufgrund der Wetterlage auftreten. Wolken hängen in den Bergen und geben nur vereinzelt Blicke auf die Gipfel frei. Anderseits hat man die weite und tiefe Sicht auf das Land und das Meer. Um von diesen Eindrücken auch genügend aufnehmen zu können, gehen wir den Trip ruhig an. Wir fahren mit einer Geschwindigkeit zwischen 60 und 80 Stundenkilometern und lassen uns dabei auch gerne mal von Anderen überholen. Trotzdem muss ich stehts wachsam bleiben, denn die Steine, welche entlang oder teils auf der Straße liegen, können schnell zu einer bösen Überraschung werden.

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Motorräder und Biker auf Kreta

Die erste Etappe erreichen wir schließlich, als wir in dem Dorf Sfáka ankommen. Dieses liegt etwa in der Mitte zwischen unserem Ausgangsort Ágios Nikólaus und unserem ersten Ziel Siteía. Das Glück ist mit uns, denn der Verkehr an diesem Vormittag ist überschaubar. Vor allem Bikes sind selten. Apropos Motorräder und Biker: Es gibt sie! Ja. Aber das Motorrad oder die weit zahlenmäßig überlegenen Scooter werden hauptsächlich in größeren Ortschaften und Städten als Fortbewegungs- oder Transportmittel genutzt. Heiße Öfen gibt’s selten zu bestaunen. Doch die Kombination aus Motorrad und der einzigartigen Landschaft hier im Hintergrund, ergeben trotzdem reizvolle Bilder: Eine Honda Shadow vor einer Luxusjacht auf dem Trockendeck, eine BMW R1200 gemeinsam mit einer Honda Africa Twin vor einem eleganten Segelschiff oder eine schwarze Kawa mit ordentlich Bumms vor einem kleinen, alten, blau-weiß lackiertem Fischerboot – das sind ganz besondere Eindrücke. Am allermeisten fasziniert uns die Bildkombination einer Yamaha Tracer in Rot, welche vor einem alten, grünen Olivenbaum steht. Dahinter befindet sich ein teils mit rot-weißen Streifen verputztes Haus, verziert mit einem gemalten Kopfrelief eines griechischen Athleten mit Lorbeerkranz aus dem Altertum. Einfach eine geile Kombi!

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Siteía – Hügel, Hafen, Palmen

Ab Kilometer 57 geht es nur noch bergab und wir freuen uns schon jetzt auf Siteía. Dort wartet mit Sicherheit was Leckeres aus der heimischen, griechischen Küche auf uns. Mit dieser Motivation sind die restlichen sieben Kilometer nur ein Klacks. Auch, wenn wir entgegen der meisten nicht die Neubaustrecke, sondern die alte Straße nehmen. Hier hat der Piaggio zwar einige Schlaglöcher und Bodenwellen zu meistern, aber mit angepasster Geschwindigkeit ist das kein Problem. Dafür entlohnt der Blick auf die Berge, bestückt mit den Olivenbaumhainen.

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Am Hafen angekommen finden wir eine gemütliche Taverne, wo auch Einheimische gerne Platz nehmen. Die Auswahl ist typisch griechisch: Die mediterrane Küche lockt mit fangfrischem Fisch und Meeresfrüchten. Wer es etwas deftiger mag, hat die Wahl zwischen Schaf- oder Ziegenfleisch. Meine Sozia freut es besonders, dass die Griechen gerade den Wildkräutern und dem Wildgemüse eine große Bedeutung in ihrer Küche zukommen lassen. Der Ouzo oder genauer gesagt der echte kretische Schnaps, der Raki ohne den Anisgeschmack, bleibt für den Abend vorbehalten. Wir wollen ja schließlich noch einige Kilometer bestreiten.

Nun geht’s weiter in den Osten: Jetzt heißt es nach links abbiegen und fast wie bei einer in den Alpen geschlängelten Serpentine, geht es aufwärts. Bizarre Felsformationen kommen ins Blickfeld. Anfangs meint man, einen schauen tausende, verschiedenartige Gesichter an.

Oben auf dem Berggipfel, mitten im Siteía-Nationalpark, liegt Moni Toploú. Der Name bedeutet auf Türkisch „Kanone“. Passt, denn der Ort gleicht eher einer Festung als einem Kloster. In venezianischer Zeit wurde hier Artillerie aufgestellt. Heute ist es ein Ort der Besinnlichkeit. Wir entdecken hier die ehemaligen Zellen der Mönche, bunten Blumen und Grünpflanzen an den alten Gemäuern und den größten Schatz des Klosters: Eine Ikone aus dem 18. Jahrhundert.

Wir sind noch immer nicht am Wendepunkt und haben auf unserem Scooter schon Kurven an Kurven hinter uns. Eine Mammutaufgabe wollte man sie alle zählen. Noch voll in Gedanken über die Schönheit der wildromantischen Berglandschaft werde ich mitten auf der Straße von einer ganzen Herde Ziegen überrascht. Es braucht seine Zeit, bis der alte Ziegenhirte, dessen Gesicht mit tiefen Falten überzogene ist, seine Herde mit Jung- und Altvieh über den heißen Asphalt getrieben hat. Immer wieder erstaunlich: Diese Zufriedenheit und Gelassenheit, gepaart mit purer Lebensfreude und Freundlichkeit solcher Einheimischer.

Nicht 99 Luftballons aus dem gleichnamigen Lied von Nena, sondern genau 99 Kilometer haben wir nun hinter uns, als wir Vái erreichen. Hinter uns liegen die Berge, vor uns wie eine Oase ein Wald voller Dattelpalmen. Normalerweise bevölkern hier die Massen Kretas berühmten Palmenstrand, aber heute ist es fast menschenleer. Wir nehmen mit unserem Scooter nicht einen der großen Parkplätze für Buse oder Autos. Nein, wir parken direkt neben dem hölzernen Steg, der runter zum Strand führt. Jetzt heißt es Helm ab, Schuhe aus, Badehose beziehungsweise Bikini an und ab in die noch frischen Fluten des Mittelmeeres - das muss jetzt einfach sein.

Fazit von 99 Kilometer

Atemberaubend, wirklich irre faszinierend war diese Stecke entlang der Küste! Wir haben traumhafte Stunden auf und mit dem Scooter erlebt. Es braucht eben nicht immer ein großes Motorrad. Wenn auch die Tour, mit insgesamt nur knapp zweihundert Kilometern, recht klein ausfiel, war sie dennoch einzigartig. Das Zeitlupentempo im Vergleich zu sonstigen Motorrad-Touren hat dabei keineswegs gestört. Das ist eben der Kompromiss hier auf Kreta zwischen Sicherheit und Genuss entlang dieser Küstenstraße. Dieser Trip ist absolut zu empfehlen.

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