Prinzessin der Straße (Test:Harley-Davidson Street 750)

Macht auch vor dem "musclecar" noch eine gute Figur: Die Street 750 Fotos:Weiß

Es ist ein Modell, dass die Meinung der Harley-Fans spaltet. Jörg Weiß schaut sich die Street 750 genauer an.

Ja, es ist ein Kreuz mit der Suche nach der Wahrheit. Vor mir steht die brandneue Harley-Davidson Street 750 schwarzglänzend in der Sonne. Sie ist das Motorrad, mit dem Harley-Davidson vor allem Einsteigern den "American Spirit" näher bringen möchte. Sowohl vom Preis als auch vom Motorvolumen ist sie  knapp unterhalb der 883 Iron platziert, die bisher die Modellpalette nach unten abrundete.Ich könnte es mir jetzt leicht machen und ins gleiche Horn wie die einschlägige Fachpresse blasen. Die ließ kein gutes Haar an ihr. Vielleicht nicht völlig ohne Grund, denn ein paar unübersehbare Makel hat sie eben schon. Aber meckern kann jeder, sage ich zu mir. Ich will sie selbst testen! Außerdem habe ich sowieso meine spezielle Meinung zum Mainstream und dem allseits gepredigten Spirit… Um eines gleich vorweg zu nehmen: Ich bin den Test ohne Erwartungen oder Vorurteile angegangen. Aus dieser neutralen Sichtweise heraus bin ich hinterher tatsächlich positiv überrascht gewesen!

Kleine im kleinen Schwarzen!

Schon auf den ersten Blick schmeichelt die Street 750 dem Auge. Schwarz, leicht und tief ist sie im minimalistischen Stil gehalten. Das Design orientiert sich klar an ihren großen Geschwistern. Nur der Flüssigkeitskühler wird wohl vor allem den eingefleischten Harley-Fan stören. Die Ausstattung ist spartanisch.

Genau so gehört sich das für einen Schopper! Der Tacho mit km-Zähler und Tripmaster ist hinter der niedlichen Lampenmaske angebracht. Links die beiden Schalter für Blinker und Fernlicht. Rechts Kill-Schalter und Anlasser, fertig. Mehr braucht man nicht.Die Zündanlage schickt über einen zentralen Verteiler den Funken in die beiden Zylinderköpfe. Der Dreiviertel-Liter-Motor ist drehfreudig mit sauber schaltendem 6-Gang-Getriebe. Eine Drosselung auf 48PS ist für kleines Geld möglich! Die Produktion der Street 750 erfolgt nicht im Mutterland USA, sondern in Indien. Man sollte wissen, dass  Harley-Davidson mit diesem neuen Modell hauptsächlich am asiatischen Markt noch stärker Fuß fassen will.

Ab auf die straße

Genug gesabbelt: Ich nehme Platz auf der bequemen, satt gepolsterten Sitzbank. Die niedrige Sitzpostion von gerade mal 709mm Höhe dürfte weder Einsteiger, Wiedereinsteiger noch kurzbeinige Zeitgenossen überfordern. Gut so, denn  genau diejenigen sind die Haupt-Zielgruppe der Street. Zündschlüssel drehen und los geht’s. Das Zündschloss sitzt im Übrigen nicht Harley-typisch seitlich am Rahmen, sondern direkt im Blickfeld auf der oberen Gabelbrücke. Schon auf den ersten Kilometern werde ich positiv überrascht. Der kurzhubig ausgelegte und vollkommenneu konstruierte Motor hängt gut am Gas. Gerade für Fahranfänger ist es von Vorteil, dass er gleichmäßig hoch dreht und ohne jeglichen Stress die 57 Pferdchen  ans Hinterrad sendet. Neben dem großen V-Rod-Motor ist der Motor der Street nun mehr die zweite Konstruktion von Harley-Davidson, die nicht im klassischen Lager der langhubigen Drehmomentmotoren angesiedelt ist. Dem fehlenden Hubraum ist es wohl geschuldet, dass die Auspuffanlage nur verhalten lärmt. Was fehlt, ist der "Harley-Gänsehaut-Sound". Schaut man sich Konkurrenzmodelle aus dem japanischem Lager an, ist das bei einem Mittelklasse-Schopper aber die Norm. In den Kurven stelle ich einen weiteren Pluspunkt fest. Das Motorrad ist sehr handlich zu fahren und bietet eine ausreichend große Schräglagenfreiheit. Diese Qualitäten findet man nicht bei jeder Harley. Der kurze Trip über die Landstraßen mit der Kleinen ist entspannt und auch im Stadtverkehr kommt der Spaßfaktor nicht zu kurz! Die gute und mit wenig Handkraft zu dosierende Bremsanlage hält die Fuhre allzeit im Zaum. Jedoch ist leider derzeit noch keine ABS-Option lieferbar. Der Tank fasst 13 Liter Sprit, ausreichend für meinen kleinen Test, und sollte bei normaler Fahrweise für Etappen von weit über 200km gut sein.

Fazit

Gerade als Einstiegsmodell mit 48 PS kann die Street 750 ein Türöffner in die Harley-Welt sein. Man darf von ihr aber nicht erwarten, dass sie das Lebensgefühl ihrer großen Geschwister genauso vermitteln kann. Sie ist ein guter Mittelklasseschopper. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Eine ausreichend hohe Schräglagenfreiheit, ein drehfreudiger undunkomplizierter Motor, eine bequeme Sitzposition und ein leicht beherrschbares  Fahrverhalten sind ihre Trümpfe. Die kleine Harley fühlt sich hauptsächlich wohl auf Landstraßen mit weiten Kurvenradien. Das ist ihr Revier! Hierhin und nur hierhin gehört sie. Sie kann und will kein Tourer, Sportler oder Reisemotorrad sein. Die Street 750 ist eine Harley-Davidson.

Mehr Infos zu den aktuellen Modellen von Harley-Davidson unter:

www.harley-davidson-kassel.de oder www.harley-fulda.de

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