"Grid: Autosport" im Test

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Die lokalo24.de Redaktion testete den Nachfolger des erfolgreichen Spiels "Race Driver: Grid-Serie".

Seit vergangenem Freitag ist nun endlich das heiß ersehnte "Grid: Autosport", der direkte Nachfolger der erfolgreichen "Race Driver: Grid-Serie", im Handel. Doch schon vor dem offiziellen Release gab es Schelte aus der Spieler-Community. Grund hierfür sind die fehlenden Umsetzungen auf den Next Generation-Konsolen, da lediglich die Playstation3 und die Xbox360 neben der PC-Version in den Handel kommen. Hersteller Codemasters begründet dies mit verschiedenen Argumenten, die aber nüchtern betrachtet eher wie Vorwände wirken. Potentielle Käufer werden sicherlich später noch mit den NextGen-Fassungen ein zweites Mal zur Kasse gebeten. Sicherlich ist es schön zu wissen, dass Codemasters auch auf den neuen Konsolen ansprechende Qualität anbieten möchte, doch so wirklich schlüssig ist das komplette Auslassen der neuen Hardware nicht. So haben wir uns auch für einen Test der PC-Variante entschieden, was sich nicht nur optisch auszahlen sollte. Aber fangen wir von vorne an…

So schön können Rennstrecken ausschauen

Gleich zu Beginn haben wir uns für eine automatische Kalibrierung der Grafik-Settings entschieden und waren sehr angetan von der zum einen superflüssigen und zugleich wunderschönen Optik des Spiels. Was für ein grandioses Lighting, welch schön anzuschauende Rauch- und Partikeleffekte. Ganz besonders gefallen hat uns die Darstellung der Nachtrennen, die bis dahin in keinem Rennspiel so packend in Szene gesetzt wurden. Hier hat Codemasters ganze Arbeit geleistet und beweist auf dem PC, wie gut ein Racing-Titel aussehen kann, ohne die technischen Spezifikationen in das Unermessliche zu treiben.

Lenkrad oder Pad

Als nächstes stellt sich die Frage des richtigen Eingabegerätes. Natürlich sollte, sofern vorhanden, bei einem Rennspiel ein Lenkrad zum Einsatz kommen – eine Pad-Steuerung richtet sich mehr an Gelegenheitsspieler und kann sicherlich auch kein erstzunehmendes Fahrgefühl zum Rennboliden aufbauen. Also haben wir uns entschieden, sowohl das Thrustmaster T500 als auch das Fanatec CSW zu kalibrieren. Und haben uns in die Karriere gestürzt. Hier werden zu Beginn dein Name, Alter und Nationalität für das virtuelle Ego abgefragt und anhand von kurzen Filmsequenzen das Thema Autosport, verschiedene Ligen und Klassen erklärt.

Ab auf die Piste

Kaum haben wir die Hände an unser Lenkrad gelegt, geht es auch sofort ohne große Umschweife in das erste Rennen. Wir rasen mit einem Audi-Tourenwagen die Start-Ziel-Gerade des grandios nachgebildeten Hockenheimrings hinunter, um in die erste Rechtskurve einzulenken und sind weitere fünf Kurven später enttäuscht von der leider sehr schwammigen, indirekten und zeitverzögerten Lenkung. Egal welches Wheel wir zur Hand nehmen oder aus welcher Perspektive wir das Geschehen versuchen zu kontrollieren, mit einem Lenkrad konnten wir zu keiner Zeit mit keinem Fahrzeug ein überzeugendes Fahrgefühl oder Fahrspaß erleben. Sicherlich handelt es sich bei "Grid: Autosport" um keine Simulation aber es gibt zu Genüge gut mit dem Wheel steuerbare Arcade-Racer. Grid gehört leider nicht dazu! Die für unsere Redaktion eingängigste Steuerungsvariante war mit dem Microsoft-Gamepad für PCs gefunden, hier kam letztlich der größte Fahrspaß mit dem arcadig ausgelegten Rennspiel auf. Was aber leider auch nicht über die restlos enttäuschende Arbeit der Entwickler bei der Darstellung der für Rennspiele hochgradig wichtigen Cockpit-Ansicht hinwegtäuschen kann! Codemasters, was habt ihr den geraucht, als ihr die Inboard-Perspektive gestaltet habt? Nach all der Kritik zur fehlenden Cockpit-View im ersten Teil der Rennspielserie und Versprechungen der Wiedergutmachung, kommt ihr mit Pixelmatsch und absichtlich unkenntlich gemachten, verwaschenen, detailarmen Pseudo-Cockpits daher! Hierfür haben wir kein Verständnis – das ist nur peinlich. Ich möchte meinen Drehzahlmesser sehen, meinen Tacho und die Geschwindigkeit erkennen, stattdessen hat man das Gefühl, eine Brille zu benötigen. Schade.Aus den gebotenen Perspektiven stellte sich neben der klassischen Außenperspektive nun nur noch die Motorhauben-Ansicht als gut spielbar heraus - was aber leider auch an der bisweilen merkwürdigen Fahrphysik der virtuellen Boliden liegt. Wieso rutschen eigentlich fast alle Karren über die Mittelachse und schieben quer in den Kurven? Mal ganz ehrlich: Ein McLaren GT3 fährt sich sicherlich ganz anders. Dass dies viel besser und dennoch nicht zu "sim-lastig" geht, zeigen diverse Rennspiele auf dem Markt. Selbst hauseigene Codemasters-Titel wie Dirt oder die F1-Serie haben fahrphysikalisch eine ganz andere Klasse zu bieten! Wir haben sogar das Gefühl, dass sich der Grid-Vorgänger kaum anders spielte.

Trockene virtuelle Karriere

Die Auswahl der gebotenen Rennserien- und Klassen ist spitze. Ob der handelsübliche Kleinwagen mit Tuning, der quer driftende Japano PS-Bolide oder aber aktuelle Touring- oder GT-Langstreckenfahrzeuge, Grid: Autosport hat alles zu bieten. Die Fahrzeugauswahl ist sehr gut und besonders die Open-Wheel-Klasse hat es uns im Testbetrieb angetan. Enge Rad an Rad Duelle, spannende Zweikämpfe und ein ordentlich agierende Ki sorgen für gute Rennatmosphäre. Stellt sich aber gleich auch die Frage, warum nur müssen alle Strecken zweimal hintereinander befahren werden? Das langweilt auf Dauer und wirkt irgendwie befremdlich. Leider ist man auch nie wirklich festes Mitglied innerhalb eines Teams. Es wird allzu oft von einem zum anderen Rennstall geswitched, was einen langsamen Auf- und Ausbau des Rennstalls mit all einen Erfolgen und Pokalen schmerzlich vermissen lässt. Hier hat es Codemasters verpasst, in einer gewissen Dramaturgie das Rennfahrerleben zu beschreiben und eine hohe Identifikation mit Boliden- und Rennteam zu ermöglichen.Streckenvielfalt und "Klassen-Hopping"Bedingt durch diesen Mangel an Karriere-Aufbau gerät man schnell in eine Art sprunghafte Wechsel-Manier. Eben noch mit dem GT3-SLS auf dem RedBull-Ring - nun schon wieder mit dem Mini durch die Großstadt. Ohne Frage sind alles Tracks optische Leckerbissen und biete reichlich Abwechslung. Aber auch hier hat Codemasters etwas Potential liegen lassen. Die liebevoll detailreich nachempfundenen Real-Rennstrecken wurden durch die alten, aus Grid bekannten recycelten Stadtkurse ergänzt. Hier hätte man mehr machen müssen. Grundsätzlich bietet das Spiel aber eine gute Auswahl schöner Strecken, die mit allen Fahrzeugen aus dem Spiel befahrbar sind.

Sound und Individualität

Was den Motorenklang angeht, haben wir innerhalb der Redaktion unterschiedliche Einschätzungen. Alle Wagen hören sich recht gut an, manch‘ ein Fahrzeug sogar verblüffend realistisch, wenn da nicht diese Ausreißer wären. Einige Boliden kommen viel zu flach im Soundmix und haben zudem mit realen Geräuschen, die aus dem Auspuff eines GT-Bolide kommen, kaum etwas zu tun. Das ist bei der insgesamten Qualität der Motoren-Sounds aber zu verschmerzen, bedenkt man, mit welch miesen Fahrzeug-Sounds zum Beispiel "GranTurimso 6"-Spieler leben müssen.Was uns bei "Grid: Autosport" aber am meisten stört, ist die Möglichkeit, individuelle Fahrzeuge erstellen zu können. Mit keinem Parameter oder optischen Feature kann ich mich von der Masse, geschweige denn vom eigenen Teamkollegen, optisch abgrenzen. Stur werden Sponsorenziele abgearbeitet und münden in entsprechende Belohnungen. Beim Vorgänger hatten wir reichlich Freude, die Fahrzeuge zu designen, und hatten dadurch auch mehr das Gefühl einer individuellen Karriere. Somit gerät die Karriere etwas langweilig und bietet keinen Bezug auf ein eigenes Team, eine feste eigene Garage mit Fahrzeugen und Pokalen.

Fazit

Was bleibt ist ein auf dem PC technisch ausgereifter Arcade-Racer mit toller Optik, ansprechender Soundkulisse und zumindest mit Gamepad spaßiger Fahrphysik. Letztlich ist es der abwechslungsreiche Mehrspieler-Modus, der Grid:Autosport in das Feld der guten Rennspiele rasen lässt und das Gesamtbild positiv abrundet. Wir sind davon überzeugt: Hier wurde eine große Chance vertan. Hoffentlich nimmt sich Codemasters dieser Kritik an und zeigt gute alte Tugenden der Rennspiel-Spezialisten auf den später folgenden Next-Generation-Konsolen.

+++ Bewertung++++

Grafik: 87 ProzentSound: 80 ProzentGame-Play: 80 ProzentMultiplayer: 90 ProzentSpiel-Spaß: 84 Prozent

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