Review

Star Wars Battlefront 2 im Test: Die Verlockungen der dunklen Seite der Macht

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Packende Raumkämpfe führt der Spieler genau wie fordernde Schlachten auf Planeten, Monden und Raumstationen.

Im Netz fliegen die Fetzen. Grund ist „Star Wars Battlefront 2“. Ein Vollpreisspiel, bei dem man hunderte Spielstunden (oder tausende Euro) investieren muss, um wirklich alle Inhalte zu sehen. Doch abseits des Getöses: Lohnt sich denn das Spiel überhaupt?

Ein kleines Geständnis zu Beginn: Ich bin der vielleicht miserabelste Multiplayer-Spieler der Welt. Klassisches Kanonenfutter. Daher sind Spieler-gegen-Spieler-Partien in Games für mich immer mehr Leid denn Lust. Dementsprechend wenig konnte ich vor zwei Jahren mit „Star Wars Battlefront“ anfangen. Es sah unbestreitbar fantastisch aus, die Grundidee, entweder einen Stormtrooper oder einen Rebellen zu steuern, war spannend. Und ich bin stundenlange ausdauernd abgeknallt worden. Das war frustrierend. Viel frustrierender war allerdings, dass Electronic Arts und Entwickler DICE in einem Universum voller toller Geschichten komplett darauf verzichteten, eine Geschichte zu erzählen. Der Krieg der Sterne, ein Märchen, das Generationen verzückte, war zur blanken Ballerbude verkommen.

Umso gespannter war ich, als nun die Fortsetzung „Star Wars Battlefront 2“ erschien. Dieses Mal, so versprachen Entwickler und Publisher, mit 100 Prozent epischer Story neben dem Multiplayer-Ballerpart. Eine echte Geschichte im Star Wars Universum zum Selbstspielen. Und das auch noch auf der dunklen Seite der Macht - das klang fast zu schön, um wahr zu sein.

Auf der dunklen Seite der Macht

Iden Versio (l.) ist die neue Hauptfigur des Spiels.

Und doch: Wir schlüpfen in die Rolle von Iden Versio, Kommandeurin der berüchtigten Inferno-Einheit des Imperiums. Eine Elitetruppe, die mit allen Wassern gewaschen ist. Und doch beginnt die Story mit einem epochalen Scheitern. Die Story beginnt mehr oder weniger in dem Moment, in dem „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ endet. Über dem Mond Endor lösen sich der neue Todesstern und der alte Imperator in ein Trümmerfeld auf. Nun liegt es an uns, den womöglich letzten Gegenschlag des Imperiums durchzuführen.

Zeitlich geschickt zwischen der ursprünglichen Filmtrilogie und den modernen Filmen positioniert, erlebt der Spieler in „Star Wars Battlefront 2“ eine Geschichte, die durchaus geschickt den Bogen zwischen den einzelnen Episoden spannt. Eine Geschichte, die teilweise packend erzählt ist, keinen Originalitätspreis gewinnt, aber durchaus zu gefallen weiß.

Eine Augen- und Ohrenweide

Das liegt natürlich auch an der umwerfenden Präsentation. Wenn man sich durch den Wald von Endor zum rettenden Tie-Fighter durchkämpft und mit diesem anschließend durch das Trümmerfeld des zweiten Todessternes kurvt, während man von X-Wings angegriffen wird, dann hüpft das Herz eines jedes Star Wars Fans in die Höhe. Die Grafik ist atemberaubend, all die Star-Wars-Sounds machen das Spiel zum Erlebnis. Leider ist die Kampagne nach fünf bis sieben Stunden vorbei. Und leider fühlt sie sich bei aller Begeisterung auch nur wie ein sehr langes, sehr schönes und sehr aufwändiges Tutorial für den Multiplayerpart an. Wer also - wie ich - gern vor allem allein spielt und spannende Geschichten erlebt, der sollte sich schon überlegen, ob er das Geld ausgeben will.

Die Grafik ist - getestet wurde die PS4 Pro-Version - einfach umwerfend. 

Freunde nervenzerfetzender Spieler-gegen-Spieler-Matches könnte man Star Wars Battlefront 2 eigentlich bedenkenlos empfehlen. Die Karten sind abwechslungsreich und spannend, die Spielmodi fesseln, die Technik über jeden Zweifel erhaben. Doch Entwickler und Publisher integrierten in den Multiplayer so genannte Lootboxen. Diese kann man mit der (knappen) Spielwährung, die man für gewonnene Matches bekommt, erwerben. Oder - natürlich gegen harte Euro kaufen. Das an sich ist schon eher so unschön - schließlich hat man gerade mindestens 70 Euro für das Spiel auf den Tresen gelegt und soll nun ein weiteres Mal zahlen. Für einen wahren Sturm der Entrüstung sorgten allerdings die Preise, die für die Lootboxen und die Freischaltung der einzelnen Helden (von Darth Vader bis Luke Skywalker und Prinzessin Leia sind zahlreiche Stars der Serie verfügbar) aufgerufen wurden. Teilweise hunderte Spielstunden oder Tausende (!) Euro wären nötig gewesen, um alle Helden freizuschalten, haben Experten nachgerechnet. Das ist - schlicht und ergreifend - eine Frechheit. Aufgrund eines veritablen Shitstorms im Netz schaltete EA bis auf Weiteres das Echtgeld-System ab und senkte die Ingame-Preise deutlich. Doch der Schaden ist angerichtet.

Fazit

Schlussendlich hat die Gier, aus den Kunden das Maximum an Geld herauszupressen, einem wirklich unterhaltsamen Spiel geschadet. Denn - und das wird in der ganzen Debatte gern vergessen - Star Wars Battlefront 2 ist ein technisch brilliantes, fesselndes Star Wars-Spiel. Ein Spiel, das nun droht, unter die Räder zu geraten. Ein Spiel, das genau das nicht verdient hat.

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