Impulse für die Modewelt

Extreme Fashion - wie Abenteurer zu Trendsettern wurden

Polarerprobt: Die Daunenjacken des Designers Eddie Bauer trotzen jeder Kälte. Derzeit zu sehen in einer Ausstellung des New Yorker Fashion Institute of Technology. Foto: Johannes Schmitt-Tegge/dpa
1 von 5
Polarerprobt: Die Daunenjacken des Designers Eddie Bauer trotzen jeder Kälte. Derzeit zu sehen in einer Ausstellung des New Yorker Fashion Institute of Technology. Foto: Johannes Schmitt-Tegge/dpa
Auch Jean Paul Gautier und Gianni Versace verwendeten bereits Materialien aus dem Extremsportbereich. Foto: Johannes Schmitt-Tegge/dpa
2 von 5
Auch Jean Paul Gautier und Gianni Versace verwendeten bereits Materialien aus dem Extremsportbereich. Foto: Johannes Schmitt-Tegge/dpa
Junya Watanabe verbindet mit seiner Daunenkollektion die hohe Kunst der Mode mit Outdoor-Knowhow. Foto: Johannes Schmitt-Tegge/dpa
3 von 5
Junya Watanabe verbindet mit seiner Daunenkollektion die hohe Kunst der Mode mit Outdoor-Knowhow. Foto: Johannes Schmitt-Tegge/dpa
Modeschöpferin Donna Karan bediente sich für dieses Neopren-Kleid aus dem Fundus des Tauch- und Wassersports. Foto: Johannes Schmitt-Tegge/dpa
4 von 5
Modeschöpferin Donna Karan bediente sich für dieses Neopren-Kleid aus dem Fundus des Tauch- und Wassersports. Foto: Johannes Schmitt-Tegge/dpa
Völlig losgelöst: Designer Helmut Lang ließ sich bei diesen Entwürfen von der bemannten Raumfahrt inspirieren. Foto: Johannes Schmitt-Tegge/dpa
5 von 5
Völlig losgelöst: Designer Helmut Lang ließ sich bei diesen Entwürfen von der bemannten Raumfahrt inspirieren. Foto: Johannes Schmitt-Tegge/dpa

Auf dem Rückweg von höchsten Gipfeln, tiefsten Gewässern und dem Weltall bringen Menschen vor allem Wissen mit. Dass sie Designern dabei wichtige Impulse geben, wird oft übersehen. Eine New Yorker Schau zeigt, wo Parkas, Daunenjacken und Co. ihre Ursprünge haben.

New York (dpa) - Als Edmund Hillary und Tenzing Norgay im Mai 1953 dem Gipfel des Mount Everest entgegen stapften, waren Fleece und Thermounterwäsche noch gar nicht erfunden. Stattdessen hielten Daunenfedern in den Jacken die beiden Bergsteiger warm.

Aber konnten sie ahnen, dass Daunenjacken eines Tages zum Hingucker in den Winterkollektionen von Modedesignern weltweit, oder auch zum Stilsymbol einer Generation von Rapmusikern werden würden?

Ob Berggipfel, Arktis, Tiefsee oder Weltraum: Expeditionen in extreme Verhältnisse erfordern besondere Schutzkleidung. Modedesigner schöpfen seit Jahrzehnten von der ausgefallenen Kluft, die Forscher, Taucher, Astronauten oder eben Bergsteiger bei ihren Einsätzen tragen.

Die Ausstellung "Expedition: Fashion from the Extreme" im New Yorker Fashion Institute of Technology (FIT) zeigt, dass Designer von Jean Paul Gaultier über Chanel bis zu Karl Lagerfeld sich seit den 1960er Jahren von solchen Erkundungsreisen anregen lassen.

Yves Saint Laurent stellte 1968 etwa die "Saharienne"-Kollektion vor, die in khakifarbenen Tunikas an Safaris erinnerte. Auch Ralph Lauren griff diesen Look später auf.

Der zunächst vor allem in Alaska von Inuit-Ureinwohnern getragene Parka fand seinen Weg in die Modewelt, als Kate Moss ihn in den 1990er Jahren trug. Bei der Masse angekommen war er spätestens, als Gitarrist und Sänger Kurt Cobain von der Grunge-Band Nirvana sich im dunkelgrünen Parka zeigte. Entwickelt worden war der "Fishtail"-Parka in seiner modernen Form aber für das US-Militär und dessen Einsatz im Koreakrieg (1950-53).

Die unter anderem von den Bergsteigern Hillary und Norgay populär gemachten Daunenjacken wiederum sind aus Wintermonaten in vielen Städten heute kaum mehr wegzudenken. Eddie Bauer gilt als erster, der sich die puffigen, fluffigen Jacken in den USA patentieren ließ. Der japanische Designer Junya Watanabe war es dann, der das Spiel mit den Daunen für Comme des Garçons mit einfarbigen "Puffer Jackets" in den vergangenen Jahren zur Perfektion trieb. Auch für Tommy Hilfigers poppigen Amerika-Stil gehörte die Daunenjacke fest zum Repertoire, bevor Hiphop-Marken wie Karl Kani, Helly Hansen und Carhartt nachzogen.

Karl Lagerfeld richtete seinen Blick derweil in die Arktis. Für die "Ready-to-wear"-Kollektion, die Lagerfeld im Herbst 2010 für Chanel auf den Markt brachte, ließ der deutsche Stardesigner in Paris nicht nur Models mit reichlich (falschem) Fell antreten - für die passende Kulisse sorgte Lagerfeld gleich mit, indem er für die Show einen Eisberg aus Skandinavien importieren ließ. Lagerfeld zeigte Tweed-Anzüge, Säume aus Plüsch und zottelige Stiefel. Seine Designs waren nicht weit entfernt von dem, was Arktisforscher Matthew Henson bei seiner (bis heute umstrittenen) Nordpol-Expedition im Jahr 1909 gegen die Kälte getragen haben soll.

Auch die Welt der Meere schien es Lagerfeld angetan zu haben. Die  Pailletten auf seiner blauschwarzen, grob gerippten Jacke von 1991 glitzern wie nasses Neopren, auch die Säume ähneln denen der Anzüge von Tauchern und Surfern. "City Surfer" nannte Lagerfeld das Stück und merkte an, es sei "perfekt, um in das Nachtleben von Paris über Rom bis London und New York einzutauchen". Designergrößen wie Jean Paul Gautier, Gianni Versace und Donna Karan stellten in den 1980er und 1990er Jahren ähnliche Outfits im teils synthetischen Taucher-Look vor.

Die Erforschung des Weltalls stellt heute die größte Herausforderung für den Menschen dar, und auch die Modewelt dürfte die Raumfahrt noch eine Weile beschäftigen. Bei der Pariser Fashion Week im März lehnte sich Lagerfeld stilistisch an das Space Age der 1960er an, als er im Grand Palais eine 37 Meter hohe Rakete aufstellen ließ. Chanel hob sprichwörtlich ab, als sich das Unterteil fauchend und funkensprühend in Richtung Glasdach schob. Sollten Menschen eines Tages auf dem Mars landen, scheint eine passende Reaktion der Modewelt bereits vorprogrammiert.

FIT Museum zur Ausstellung

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Helene hüllenlos! Fans schießen wegen dieser Aufnahmen gegen Fischer

Ihr Hit „Atemlos“ wird mittlerweile auf fast allen Partys gespielt. Nun will Schlagersängerin Helene Fischer einen neuen Erfolg landen und zeigt sich im neuen Video …
Helene hüllenlos! Fans schießen wegen dieser Aufnahmen gegen Fischer

Dieser Brief an autistischen Schüler rührt Mutter zu Tränen

Ein autistischer Schüler fällt durch einen Test. Die Schule schreibt den Eltern daraufhin einen Brief, den sie so nicht erwartet hätten.
Dieser Brief an autistischen Schüler rührt Mutter zu Tränen

Was mit Kindern passiert, wenn Mütter früh wieder arbeiten gehen

Nach ein paar Monaten Elternzeit wollen viele Mütter schnell wieder zurück in den Job - und plagen sich mit Gewissensbissen. Dabei wäre das gar nicht nötig.
Was mit Kindern passiert, wenn Mütter früh wieder arbeiten gehen

Kurios: Chef sucht harte Jungs "zum Schulden eintreiben"

Ein Unternehmen sucht Profis zum Schulden eintreiben. Um welche Firma es sich genau handelt, bleibt geheim. Doch mit einem Detail nimmt es der Chef ganz genau.
Kurios: Chef sucht harte Jungs "zum Schulden eintreiben"

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.