Falsche Selbstwahrnehmung

Viele Mädchen unterschätzen ihre Fähigkeiten in Mathe

+
Mädchen schätzen ihre Mathematik-Fähigkeiten oft schlechter ein als gleichaltrige Jungen. Foto: Frank Leonhardt/dpa

"Mathe liegt mir nicht" - ein Satz, der Mädchen laut einer Studie eher über die Lippen kommt als Jungen. Schon in der fünften Klasse sehen Schülerinnen ihre Stärken eher im sprachlichen Bereich als bei Mathematik. Das könnte sich auch auf die Berufswahl auswirken.

Berlin (dpa/tmn) - Schon im Alter von etwa zehn Jahren schätzen viele Mädchen ihre Fähigkeiten in Mathematik schlechter ein als Jungen. Das gilt selbst dann, wenn die Kinder beider Geschlechter dieselben Noten haben.

Die Unterschiede in der Selbstwahrnehmung bleiben stabil und bestehen bis zur zwölften Klasse fort, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin zeigt. Für die Erhebung sind Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) von rund 20 000 Schülern der fünften, neunten und zwölften Jahrgangsstufe ausgewertet worden. Sie wurden gefragt, wie sie ihre Fähigkeiten in Mathe und Deutsch einschätzen und welche Noten sie in diesen Fächern haben.

Dabei zeigten sich Unterschiede zwischen Mathe und Deutsch: In Deutsch schätzen Mädchen ihre Fähigkeiten etwas höher ein als Jungen, wobei die Werte nicht so stark auseinander liegen wie im Fach Mathe.

Zum Teil lässt sich die unterschiedliche Selbstwahrnehmung durch tatsächliche Leistungsunterschiede erklären: Mädchen schneiden in der Grundschule in sprachlichen Fächern deutlich besser ab als Jungen. In Mathe erzielen die Schüler etwas bessere Noten als die Schülerinnen. Der Vergleich mit den Schulnoten zeigt allerdings auch: Selbst bei gleicher Benotung schätzen sich Jungen stärker ein als Mädchen.

Ein Blick in die Daten zeigt, dass Mädchen auch in der zwölften Klasse stärker an ihren Mathefähigkeiten zweifeln als Jungs. Die unterschiedliche Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, die sich schon in der fünften Klasse zeigt, scheint sich später zu verfestigen.

Die Ergebnisse der Studie können eine mögliche Erklärung dafür sein, warum Frauen in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) in Deutschland stark unterrepräsentiert sind. Denn die negativere Selbsteinschätzung kann bei Mädchen zu der Schlussfolgerung führen, dass sie für naturwissenschaftliche Fächer nicht gut genug sind.

Wochenbericht des DIW Berlin

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Versteckspiel: Kinder müssen Perspektive wechseln können

Wenn ich mir die Augen zuhalte, bin ich unsichtbar. Kleine Kinder lernen erst, sich die Perspektive anderer vorzustellen. Verstecken spielen macht Spaß und schult den …
Versteckspiel: Kinder müssen Perspektive wechseln können

Digitales Spielzeug: Darauf sollten Eltern achten

Immer früher treten Kinder in Kontakt mit der digitalen Welt. Doch vernetztes Spielzeug sollten Eltern vorab kontrollieren. Ein fehlender Schutz der Privatsphäre oder …
Digitales Spielzeug: Darauf sollten Eltern achten

Wenn Stalker sich nicht abfinden

Meistens tun es Ex-Partner, manchmal tun es gekränkte Mitarbeiter oder Bekannte, schlimmstenfalls tun es Psychopathen. Stalking verstört die Seele, zerstört Leben und …
Wenn Stalker sich nicht abfinden

Studie: 3D-Videospiele könnten vor Demenz schützen helfen

Wer sich fast nur noch in seinen eigenen vier Wänden bewegt, trainiert das für räumliche Orientierung zuständige Hirnareal kaum noch. Spezielle Computerspiele könnten …
Studie: 3D-Videospiele könnten vor Demenz schützen helfen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.