Im Pandemie-Modus

Wenn der Nikolaus Online-Botschaften schickt

Nikolaus
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In diesem Jahr richtet Berthold Erich Schwarz als Bischof Nikolaus und Michael Huber als Knecht Rupprecht per Video eine Botschaft an die Familien und Kinder zuhause. Foto: Felix Kästle/dpa

Das Corona-Jahr macht auch dem Nikolaus einen Strich durch die Rechnung. Eine Gilde in Friedrichshafen will die Kinder zumindest virtuell besuchen.

Friedrichshafen (dpa) - «Von draußen, vom Walde komm ich her...» - und da müssen Knecht Ruprecht und der Nikolaus wohl in diesem Jahr auch bleiben. Wegen der aktuellen Corona-Kontaktbeschränkungen sind traditionelle Besuche bei Familien nicht möglich.

«Weil der Nikolaus und Knecht Ruprecht ja schon zwei Haushalte sind», sagt Bertholt Erich Schwarz von der Nikolausgilde in Friedrichshafenam Bodensee. Der Nikolaus-Darsteller und seine Mitstreiter wollen die Besuche um den 6. Dezember herum zumindest virtuell ermöglichen und haben deshalb eine Videobotschaft für die Kinder aufgenommen.

Die Resonanz auf das Angebot sei sehr gut gewesen, sagt Schwarz. Das sei besser als nichts, hätten sich wohl nicht nur die Mitglieder der Gilde gedacht. Besuche im Freien habe das Ordnungsamt den sieben Nikoläusen und Knecht Ruprecht untersagt. Normalerweise besuchen Schwarz und seine Mitstreiter ehrenamtlich jedes Jahr rund 160 Haushalte, Kindergärten, Vereine, Schulen und Selbsthilfegruppen. In diesem Jahr sei eben alles anders, sagt der 70-Jährige.

Schwarz schlüpft schon seit 42 Jahren in die Rolle des Heiligen. Davor sei er drei Jahre lang Knecht Ruprecht gewesen. «Das waren sozusagen meine Lehrjahre», sagt er. Als Nikolaus müsse man so authentisch wie möglich sein. Die Mitra, also den Bischofshut, den er bei den Besuchen trägt, habe er aus einem Kloster. Sein Gewand sei extra für ihn geschneidert worden und den weißen Rauschebart habe er im Theaterbedarf besorgt. «Mein Bart ist jetzt 17 Jahre alt - er sieht nach jeder Wäsche wie neu aus.»

Nikolaus von Myra, dessen Gedenktag am 6. Dezember gefeiert wird, soll um das Jahr 300 gelebt haben. Er soll armen Kindern goldene Äpfel geschenkt haben und hungernden Menschen mit Korn geholfen haben. 1985 gründet Schwarz mit einem anderen Nikolaus-Darsteller die Gilde, die sich dem Leben des Heiligen verschrieben hat. 20 Mitglieder zählt die Gemeinschaft mittlerweile.

«Nikolausgilden sind kein rein süddeutsches Phänomen», sagt Dominik Meiering aus Köln, der ein Handbuch für Nikolaus-Darsteller mitherausgegeben hat. Meistens seien die Gilden in Dörfern und kleineren Städten gebildet worden, um Kindern zum Nikolaustag eine Freude zu machen. «Die Mitglieder leben meistens nach gemeinsamen Grundsätzen, ganz nach dem Vorbild des Nikolaus.» Eine der größeren Gilden gebe es im Münsterland. Aber auch im Fränkischen, Schwäbischen und Bayerischen sei das Phänomen weit verbreitet

Die Rolle des Nikolaus sei klar definiert. «Er ist nicht da, um eine Show zu machen», sagt der Experte. Stattdessen ermutige und lobe er Kinder und zeige, dass sie von Gott geliebt würden. Der Nikolaus stehe für Nächstenliebe und Verschenken, so wie der Heilige St. Martin ein Vorbild für das Teilen sei. Von beiden historischen Figuren könnten Kinder lernen. «Der Weihnachtsmann dagegen trägt Bademantel und Schlumpf-Mütze und soll zum Konsum anregen», sagt Meiering.

Auch die Darsteller des Nikolaus am Bodensee sind kein Fans vom Geschenkebringer in Rot. Er sei reine Erfindung und stehe für nichts, sagt Schwarz. Deshalb hat die Gilde ihre Webseite auch zur «Weihnachtsmannfreien-Homepage» erklärt.

© dpa-infocom, dpa:201204-99-570634/4

Nikolausgilde Friedrichshafen

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