Trauer im engsten Kreis

Wer darf nach der Abschiedszeremonie mit zum Leichenschmaus?

+
Das Dirigieren der Trauergäste, die im Anschluss an die Beerdigung mit zum "Leichenschmaus" gehen, sollte von jemandem aus der mittelnahen Familie übernommen werden. Foto: Robert Günther

Nach einer Beerdigung gibt es Suppe und Schnittchen, so die Tradition. Aber muss wirklich jeder Teilnehmer einer Beerdigungszeremonie mit zum "Leichenschmaus" eingeladen werden?

Freiburg (dpa/tmn) - Wer trauert, wünscht sich oft Anteilnahme - aber manchmal kann sie auch zu viel werden. Etwa, wenn es darum geht, wer alles im Anschluss an Trauerfeier und Beisetzung mit zum Trauermahl kommt - und wer nicht beim Leichenschmaus dabei ist.

Wenn sich Familienmitglieder nach der Abschiedszeremonie gern noch im kleinsten Kreis in ein Restaurant zurückziehen möchten, kann es schwerfallen, sich von wohlmeinenden entfernten Verwandten oder Bekannten abzugrenzen. Da kann es sinnvoll sein, einen Helfer zu organisieren, empfiehlt Elisabeth Bonneau, Kommunikationsexpertin aus Freiburg.

Einen Vermittler berufen

"Jemand, der sich dann tatsächlich schützend zwischen die Trauergäste und die Familie stellt und sagt, bitte respektiert ihre Wünsche", sagt Bonneau. Das könne jemand aus der mittelnahen Familie sein, aber auch jemand vom Beerdigungsinstitut. "Wichtig ist, dass man das nicht selber tun muss, also dass die Trauernden sich wirklich auf sich konzentrieren können. Man weiß ja als Trauernder vorher überhaupt nicht, welche eigenen Gefühle da auf einen zukommen."

Trauerhäuser böten beim Verschicken der Einladungen an, den ins Restaurant geladenen Gästen zusätzlich ein Zettelchen in den Umschlag zu legen. Wenn jemand die Konvention der Zettelchen nicht kennt oder ignoriert, könne der Helfer vermittelnd eingreifen. "Jemand vom Bestattungsinstitut ist dann immer neutraler, die können dann auch ganz gelassen sagen: Es wird von der Familie nicht gewünscht. Das ist leichter, als wenn es die Tochter sagen muss", erläutert Elisabeth Bonneau.

Als Trauernde nicht rechtfertigen

Und wenn es keinen dezenten Helfer gibt? Dann gilt aus Sicht der Expertin für Umgangsformen eine ganz schlichte Formel: Ein knappes "Bitte nicht" reicht. "Sie müssen als Trauernde nicht um Entschuldigung bitten oder ein schlechtes Gewissen haben", rät Bonneau. "Das ist Ihre Trauer, die kann Ihnen sowieso niemand nehmen, und es soll Sie auch niemand darin stören."

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Für den Sport-Start ist man nie zu alt

Auch mit 60 lohnt es sich, mit Sport zu beginnen. Bewegung bringt viele gesundheitliche Vorteile. Experten raten zu einer Kombination verschiedener Sportarten.
Für den Sport-Start ist man nie zu alt

Darauf sollten Eltern beim Trampolin achten

Ein Trampolin im heimischen Garten kann ein riesiger Spaß sein, besonders für Kinder. Doch damit sich niemand verletzt, sind einige Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. …
Darauf sollten Eltern beim Trampolin achten

Hier können Menschen mit Demenz Urlaub machen

Wer einen Menschen mit Demenz betreut, gelangt oft an seine Grenzen - körperlich und emotional. Um dem entgegenzuwirken, gibt es spezielle Urlaube, die sich an …
Hier können Menschen mit Demenz Urlaub machen

Lehrer und Erzieher wissen zu wenig über gesunde Ernährung

Früh übt sich: Damit Deutschland gesünder lebt, sollen schon Kinder über die richtige Ernährung gut Bescheid wissen. Doch Schulen und Kitas tun sich schwer mit dieser …
Lehrer und Erzieher wissen zu wenig über gesunde Ernährung

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.