Für Aufschub

Antrag auf Steuerstundung gut darlegen

+
Wer eine Steuernachzahlung stunden lassen möchte, muss diesen Antrag gut begründen. Foto: Sören Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Anträge an Behörden stellen Steuerzahler am besten mit guter Begründung. Bevor eine Inkassostelle eine Entscheidung fällen, muss sie wichtige Unterlagen sichten. Worauf man sich sonst berufen kann.

Berlin (dpa/tmn) - Bürgerinnen und Bürger, die Steuer- oder Kindergeldrückforderungen nicht direkt bezahlen können, können einen Antrag auf Stundung stellen. Allerdings müssen dafür besondere Gründe vorliegen.

"Nur, wenn die sofortige Rückzahlung für den Steuerzahler eine besondere Härte darstellt, kann ein Zahlungsaufschub gewährt werden", erklärt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Die Behörde muss aber die relevanten Akten prüfen, wie eine Entscheidung des Finanzgerichts Baden-Württemberg zeigt.

Inkasso-Service lehnte Stundung ab

Geklagt hatte eine Mutter, die Kindergeld in Höhe von 3680 Euro zurückzahlen sollte. Beim Inkasso-Service der Agentur für Arbeit beantragte sie die Stundung der Forderung und legte dabei ihre persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse offen. Der Inkasso-Service bat daraufhin die Familienkasse um konkrete Angaben zur Entstehung der Rückforderung.

Die Familienkasse teilte mit, dass die Rückforderung entstanden sei, weil die Mutter nicht ausreichend mitgewirkt habe. Trotz Aufforderung habe sie die Ausbildungsnachweise ihres Sohnes nicht vorgelegt. Der Inkasso-Service lehnte daraufhin den Stundungsantrag ab. Die Forderung sei nicht stundungswürdig, da sie mangels Mitwirken der Mutter entstanden sei.

Finanzgericht: Behörde muss Akten prüfen

Das ließ das Finanzgericht nicht gelten. Zwar liegt es im Ermessen der Behörde, ob eine Stundung gewährt wird. Allerdings müssen zumindest die Akten ordentlich ausgewertet werden. Dies hat die Inkassostelle nach Ansicht der Richter nicht gemacht: Sie verließ sich allein auf die knappe Auskunft der Familienkasse und prüfte nicht selbst nach, ob das Verhalten der Klägerin eine grobe Pflichtverletzung war, die zu einer Ablehnung der Stundung berechtigt ( Az.: 5 K 3830/16).

Wer die Stundung von Steuernachforderungen oder Kindergeldrückzahlungen beantragt, sollte möglichst direkt im Antrag seine Stundungswürdig- und -bedürftigkeit darlegen. Würdigt die Behörde dies nicht in ausreichendem Maße, sollte Einspruch gegen die Ablehnung eingelegt werden, rät Klocke.

Urteil

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Es wird teuer: So viel Bußgeld fällt bei Verstößen gegen Coronavirus-Regeln an

Nordrhein-Westfalen hat festgelegt, wie viel Bußgeld bei Verstößen gegen die Coronavirus-Regeln anfällt. Es sind Strafen von tausenden von Euro möglich. 
Es wird teuer: So viel Bußgeld fällt bei Verstößen gegen Coronavirus-Regeln an

Coronavirus: Diesen Nachteil haben Hartz-IV-Empfänger - erschreckende Folgen denkbar

Die Angst vor dem Coronavirus wächst, je mehr Menschen infiziert sind. Viele legen sich deshalb einen Notfallvorrat an - doch nicht jeder hat dieses Privileg.
Coronavirus: Diesen Nachteil haben Hartz-IV-Empfänger - erschreckende Folgen denkbar

Coronavirus: Sparen, ausgeben oder investieren? Das sollten Sie jetzt mit Ihrem Geld machen

Das Coronavirus wirkt sich allmählich auf die Wirtschaft aus. Könnten auch Privatpersonen finanzielle Folgen zu spüren bekommen? So bereiten Sie sich vor.
Coronavirus: Sparen, ausgeben oder investieren? Das sollten Sie jetzt mit Ihrem Geld machen

Steuererklärung 2020: Diese Aufwendungen sollten Sie jetzt bei Werbungskosten eintragen

Am 31. Juli 2020 ist die offizielle Abgabefrist für die Steuererklärung 2019. Um viel Geld zurückzubekommen, sollten Sie darin auch beruflich getätigte Mehraufwendungen …
Steuererklärung 2020: Diese Aufwendungen sollten Sie jetzt bei Werbungskosten eintragen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.