Autor fordert sofortige Abschaffung

Gewagte These: Ehegattensplitting diskriminiert Frauen und Kinder

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Ein "Zeit"-Kolumnist ist sich sicher: Am Ende müssen Frauen im deutschen Steuersystem schwer bezahlen.

Jahrelang wurde das Konzept des Ehegattensplitting als steuerlicher Vorteil propagiert. Doch dieser Mann glaubt: Dieses System treibt Frauen und Kinder in die Armut.

Der Bund fürs Leben, mit der Traumhochzeit eins werden – und der Welt signalisieren: Wir sind ab jetzt Partner in einem Team. Das Zuckerl oben drauf: Fortan nur noch eine gemeinsame Steuererklärung abgeben – und dadurch sehr viel Geld sparen. Letzteres verspricht das Steuer-Konzept des "Ehegattensplittings".

Ehegattensplitting unter Beschuss: Autor klagt "Benachteiligung der Frauen" an

Dabei gilt: Bei einer Steuererklärung als Ehepaar zählt der Fiskus das Jahreseinkommen der beiden Partner zusammen. Das heißt konkret: Steuerlich gesehen wird das Ehepaar nun als ein Steuerpflichtiger behandelt. Dann wird die Gesamtsumme halbiert und die Einkommenssteuer auf diese Hälfte berechnet. Anschließend wird die errechnete Einkommenssteuer verdoppelt – der daraus folgende Betrag ist die Einkommenssteuer, die Eheleute zahlen müssen. Für viele scheint dies attraktiv – schließlich müssen Ehepaare in der Regel dadurch weniger Steuern zahlen, als wenn jeder von ihnen einzeln die Einkommenssteuer berechnen lässt.

Doch der "Zeit"-Kolumnist Marcel Fratzscher sieht das anders – für ihn stellt das Konzept "die systematische Benachteiligung von Frauen durch das Steuer- und Abgabesystem" dar. Er ist davon überzeugt: Das Ehegattensplitting diskriminiert Frauen und deren Kinder und schadet mehr, als dass es nützt. Allein dadurch, dass Frauen für vergleichbare Arbeit weniger Gehalt bekommen beziehungsweise als Elternteil häufiger in Teilzeit arbeiten plus in Berufen, in denen sie weniger als männliche Kollegen erhalten, sähe deren finanzielle Zukunft oftmals düsterer aus. Schließlich verdienen sie so meist ein Leben lang (zu) wenig – was zu späterer Altersarmut und geringeren Rentenbezügen (stolze 53 Prozent weniger als Männer) führt.

Was aber tun, wenn der Partner pleite geht - wie kann man sein eigenes Geld als Ehepartner dann schützen?

Zu wenig Lohn, zu hohe Steuerlast und am Ende droht die Altersarmut - Ehegattensplitting schuld?

Fratzscher geht sogar noch weiter: Er gibt dem deutschen Steuersystem schuld daran, dass viele verheiratete Frauen nicht oder nur geringfügig arbeiten. Schließlich untergrabe das Ehegattensplitting die Stellung der Frau, da diese dabei "schon ab dem ersten Euro ihres Verdienstes den maximalen marginalen Steuersatz ihres Ehepartners zahlen" müssen. Im Rückkehrschluss bedeutet das: Für die Frauen bleibt nicht mehr viel übrig. Zudem versetzt der "Zeit"-Kolumnist auch noch dem deutschen Sozialsystem einen Schlag – indem er behauptet, dass durch die Mitversicherung der Ehepartner letztere noch weniger Lust verspürten, arbeiten zu gehen.

Für den Autor scheint daher klar: Frauen zahlen im Durchschnitt etwa einen doppelt so hohen Steuersatz als Männer. Dadurch fällt die effektive Besteuerung deutlich höher aus. Da Männer oftmals viel mehr als ihre Ehefrauen verdienen, kommt ihnen das Ehegattensplitting dagegen bedeutend mehr zugute, da sie so ihre eigene Steuerlast deutlich mehr senken können. Ehegattensplitting-Anhängern hält er vor, dass mit diesem Konzept nicht Familien und Kinder finanziell entlastet, sondern lediglich Hochzeiten gefördert werden.  

Steile These: Ist Heiraten am Ende schlecht fürs Geld - und sogar schuld an der sozialen Not in Deutschland?

Kommt jetzt bald das Familien- statt dem Ehegattensplitting?

So profitieren seiner Meinung nach verheiratete Paare ohne Kinder von dem Modell - alleinerziehende oder geschiedene Mütter und Väter, die gezwungen sind, für wenig Geld arbeiten zu gehen, blieben dagegen auf der Strecke. Der Autor fordert: Statt Ehegatten- besser ein Familiensplitting einführen, das generell Kinder (besonders aus sozial schwächeren Familien) unterstützt.

Lesen Sie auch: Wer in der Schwangerschaft noch die Steuerklasse wechselt, der bekommt sogar mehr Elterngeld heraus. Wie das geht, erfahren Sie hier.

jp

So funktioniert das Ehegattensplitting

Das Ehegattensplitting wurde vor mehr als 50 Jahren eingeführt, um die Steuerbelastung von Eheleuten zu senken. Das traditionelle Bild entsprach damals einer Familie mit allein verdienendem Mann und einer Frau, die sich um Kinder und Haushalt kümmert. Letztlich wird das Gesamteinkommen gedanklich durch zwei geteilt („gesplittet“) und darauf der Steuertarif angelegt. Schließlich werden beide Steuerbeträge verdoppelt und zur Gesamtschuld addiert. © dpa
Vor allem wenn ein Partner deutlich mehr verdient als der andere oder Alleinverdiener ist, ergibt sich ein erheblicher Steuervorteil - maximal rund 16 600 Euro einschließlich „Soli-Zuschlag“. Daher ist auch häufig von der „Zahnarztgattinen-Zu-Hause-Bleib-Prämie“ die Rede. Der Bonus wird fällig unabhängig davon, ob das Paar Kinder hat oder nicht. Den Staat kostete der Bonus zuletzt 15,5 Milliarden Euro pro Jahr. © dpa
Verdienen beide Partner gleich viel, haben sie vom Splitting nichts. Durch den progressiven Steuertarif entsteht ein „Splittingvorteil“ gegenüber unverheirateten Paaren mit gleichem Haushaltseinkommen. Eingetragene Lebenspartnerschaften wurden bisher bei der Einkommensteuer wie Unverheiratete behandelt, also wirtschaftlich schlechter gestellt. © dpa
Ein Beispiel: Verdient ein Ehepartner 90 000 Euro im Jahr und der andere nichts, beträgt der Steuervorteil gegenüber einem unverheirateten Paar nach Berechnungen des Berliner Steuerrechtsexperten Frank Hechtner rund 7934 Euro im Jahr. Verdient der Ehe-Alleinverdiener hingegen 114 000 Euro, steigt der Vorteil auf dann 8662 pro Jahr. © dpa
Der Bonus fällt kleiner aus, wenn auch die Differenz nicht so groß ist: Bezieht beispielsweise ein Ehepartner 5000 Euro brutto im Monat und der andere 3000 Euro, beträgt der Splittingvorteil nur noch fast 48 Euro im Monat. Bei einen Monatsbruttolohn beider Ehepartner von je 2500 oder 2000 oder 1750 Euro monatlich, schmilzt der Bonus in all den Fällen auf Null. © dpa

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