Nervöser Ölmarkt

Kraftstoff und Heizöl sind teurer geworden

+
Die Preise für Diesel und Benzin sind momentan sehr hoch. Foto: Felix König

Auf dem Ölmarkt herrscht Nervosität. Mal steigen die Preise auf ein Jahreshoch, dann stürzen sie wieder deutlich ab. Für die Verbraucher ist es in den vergangenen Monaten an der Zapfsäule und beim Heizölkauf teurer geworden.

Hamburg (dpa) - Vor dem langen Himmelfahrts-Wochenende müssen die Autofahrer an der Tankstelle ziemlich tief in die Tasche greifen. Die Preise für die verschiedenen Spritsorten sind in den vergangenen Wochen und Monaten immer weiter gestiegen und haben eine Woche vor dem Feiertag kurzzeitig einen Höchststand erreicht.

Mittlerweile sind die Preise wieder leicht auf dem Rückzug, aber mit ungefähr 1,52 Euro für einen Liter Superbenzin E10 und 1,31 Euro für Diesel im bundesweiten Durchschnitt sind sie noch immer so hoch wie zuletzt im vergangenen Herbst.

Diesel hat sich damit seit Jahresbeginn um rund sieben Cent je Liter verteuert, Superbenzin sogar um 22 Cent. Beim Heizöl kletterten die Preise von 64 auf 72 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inkl. MwSt), ein ähnlicher Anstieg wie beim Diesel. Vor allem der starke Anstieg der Preise für Superbenzin beunruhigt den Autofahrer-Club ADAC. "Der anhaltende Anstieg der Verbraucherpreise ist kritisch zu sehen", teilte der ADAC mit. "Tanken ist derzeit zu teuer."

Hohe Rohölpreise

Dabei bezieht sich der ADAC auf die Weltmarktnotierungen von Rohöl und den aktuellen Dollarkurs. Doch gerade der Rohölpreis hat die Energiepreise in die Höhe getrieben, stellt der Energiepreismonitor der Europäischen Klimastiftung fest. War der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent zu Jahresbeginn noch bei 55 Dollar gestartet, so überschritt er im April 70 Dollar und hält sich seitdem oberhalb dieser Marke. Allerdings ist das immer noch günstiger als im vergangenen November, als der Ölpreis ein Vier-Jahres-Hoch erreichte.

Der Ölmarkt schwankt derzeit stark und ist in einer labilen Verfassung. Einerseits schränken die Opec-Staaten und Russland ihre Produktion ein, andererseits produzieren die USA aus allen Bohrlöchern. Einerseits stehen Welthandel und Konjunktur auf wackeligen Beinen, andererseits droht durch die Krisen im Nahen Osten und in Venezuela eine weitere Verknappung des Öl-Angebots. Viele Analysten sehen schon 80 oder gar 100 Dollar als künftigen Ölpreis - so wie es früher bis 2014 war. "Angesichts der aktuellen Lage sind 70 Dollar als eher niedrig anzusehen", sagt Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Informationsdienst EID.

Warum Superbenzin so teuer ist

Der steile Anstieg beim Superbenzin im Vergleich zu Diesel und Heizöl ist nach Ansicht der Experten zumindest zum Teil auf einen Effekt zurückzuführen, der sich regelmäßig am Ende des Winters beobachten lässt: Wenn der Bedarf an Heizöl geringer wird, vergrößert sich der Preisabstand zwischen dem technisch ähnlichen Diesel und Superbenzin. Aber das reicht als Erklärung nicht aus. Die Raffinerien in Deutschland und Europa stehen nicht voll unter Dampf, werden teilweise repariert und gewartet und leiden noch unter Spätfolgen des Niedrigwassers im vergangenen Jahr, als die Versorgung der Raffinerien und der Abtransport der Produkte gestört war.

Zudem ist die Ölzufuhr aus Russland über die "Freundschafts"-Pipeline seit vier Wochen unterbrochen, weil verschmutztes Rohöl in die Leitungen gelangt war. Das verlangt den Raffinerien im Osten Deutschlands erhöhte Anpassungsleistungen ab, technisch und logistisch, und verringert den Ausstoß. Höhere Preise an den Zapfsäulen im Osten oder gar leerlaufende Tankstellen seien bislang aber nicht zu beobachten, sagt der Mineralölwirtschaftsverband (MWV). "Zumindest aktuell gibt es keine Versorgungsengpässe."

Hintergrund und Grafiken zum europ. Energiemarkt (engl.)

Ölpreis Brent

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Rentenbezüge: So viel Geld gibt es bald mehr aufs Konto - ist das ein Witz?

In Deutschland gibt es aktuell 21 Millionen Rentner. Und die dürfen sich 2020 auf mehr Geld auf dem Konto freuen. Die Rentenbezüge steigen wieder. Doch ist das genug?
Rentenbezüge: So viel Geld gibt es bald mehr aufs Konto - ist das ein Witz?

Noch bis 31. März freiwillige Rentenbeiträge zahlen

Freiwillige Rentenbeiträge können sinnvoll sein. Und das aus verschiedenen Gründen.
Noch bis 31. März freiwillige Rentenbeiträge zahlen

Frugalisten halten stets die Ausgaben im Auge

Möglichst früh im Leben in Rente gehen zu können oder gar finanziell unabhängig zu sein, ist häufig das Ziel sogenannter Frugalisten. Doch was steckt wirklich hinter …
Frugalisten halten stets die Ausgaben im Auge

Kaufpreisaufteilung notariell festgelegen

Wer eine Immobilie als Kapitalanlage kauft, sollte schon im Notarvertrag festlegen, welcher Preisanteil auf die Immobilie und welcher auf den Boden entfällt. Das ist …
Kaufpreisaufteilung notariell festgelegen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.