Gesetzliche Frist

Krankenkasse muss innerhalb von drei Wochen entscheiden

+
Eine Krankenkasse muss innerhalb von drei Wochen über einen Leistungsantrag entscheiden. Foto: Jan Woitas/dpa

Patienten haben das Recht auf eine zügige Bearbeitung ihrer Anträge. Denn die Krankenkassen müssen sich an eine gesetzliche Entscheidungsfrist halten. Wird diese überschritten, gilt der Antrag als genehmigt. Das zeigt ein Urteil.

München (dpa/tmn) - Eine gesetzliche Krankenkasse muss grundsätzlich innerhalb von drei Wochen über den Antrag eines Patienten entscheiden. Andernfalls gilt die beantragte Leistung als genehmigt.

Braucht die Krankenkasse für ihre Entscheidung länger, weil sie nicht den Medizinischen Dienst der Krankenkassen beauftragt hat, muss sie das selbst verantworten. Der Patient hat dann Anspruch auf die Behandlung. Die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) informiert über eine Entscheidung des Bayerischen Landessozialgerichts (Az.: L 5 KR 260/16).

Der Fall: Eine Versicherte benötigte ein Zahnimplantat. Eine anderweitige Prothesenversorgung sei bei ihr nicht möglich, argumentierte sie. Sie leide unter einer schweren Mundtrockenheit in Folge der Behandlung eines Tumors. Die Krankenkasse wandte sich direkt an einen niedergelassenen Zahnarzt. Dessen Gutachten war Grundlage der Ablehnung durch die Kasse. Seit der Antragstellung waren aber bereits sieben Wochen vergangen. Die Krankenkasse gab der Patientin keinen hinreichenden Grund für die verzögerte Bearbeitung an.

Das Urteil: Nach Auffassung des Landessozialgerichts hätte sich die gesetzliche Krankenkasse für ein Gutachten nicht an den niedergelassenen Arzt, sondern an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen wenden müssen. Die Beauftragung anderer Gutachter oder Gutachterdienste verstoße gegen die gesetzliche Aufgabenzuweisung sowie gegen den Datenschutz und sei daher rechtswidrig. Versäume die Krankenkasse zudem die gesetzliche Entscheidungsfrist von drei Wochen, gelte die beantragte Leistung als genehmigt.

Diese Entscheidung kann auch Auswirkungen auf ablehnende Bescheide in der Vergangenheit haben. Aufgrund der veränderten Rechtslage können Versicherte einen Überprüfungsantrag stellen: Die Krankenkasse muss dann die alte Entscheidung noch einmal prüfen. Lehnt sie wiederum ab, kann der Versicherte Widerspruch einlegen und gegebenenfalls sein Recht gerichtlich durchsetzen.

Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Einzelhandel setzt immer stärker auf Gastronomie

Viele Einzelhändler haben es schwer, mit der Konkurrenz aus dem Internet mitzuhalten. Einige von ihnen setzen dem praktischen Bestellkauf daher ein gastronomisches …
Einzelhandel setzt immer stärker auf Gastronomie

"Focus" Ratgeber-Bestseller: Wiedereinsteiger im Advent

Die Autoren Lisa Nieschlag und Lars Wentrup kehren mit ihrem Kochbuch "New York Christmas" zurück in die Top Ten. Mit weihnachtlichen Rezepten und Geschichten aus dem …
"Focus" Ratgeber-Bestseller: Wiedereinsteiger im Advent

"GEZ": Rentnerpaar droht Nachzahlung – wegen einer Mini-Datsche

Ein Rentner-Ehepaar entrichtet für ihr Zuhause Rundfunkbeitrag – doch nun soll es für ein Zelt aus Holz auch noch bezahlen. Damit hätte es nie gerechnet.
"GEZ": Rentnerpaar droht Nachzahlung – wegen einer Mini-Datsche

Rentenbeitrag im Minijob erhöht Rentenansprüche

Minijobber haben die Wahl: Entweder sie zahlen Beiträge zur Rentenversicherung oder sie lassen sich davon befreien. Wichtig ist für die Entscheidung zu wissen: Wer den …
Rentenbeitrag im Minijob erhöht Rentenansprüche

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.