Fünf Jahre Rechtsstreit

Nach Schulprojekt im Rollstuhl - Versicherung muss zahlen

+
Nach dem Videodreh für ein Schulprojekt war Jochen Knoop auf den Kopf gestürzt und sitzt seitdem im Rollstuhl. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Seit einem Unfall bei einem Schulprojekt sitzt Jochen Knoop im Rollstuhl. Doch die gesetzliche Versicherung der Schule weigerte sich zu zahlen. Nach fünf Jahren Rechtsstreit fiel das endgültige Urteil.

Kassel (dpa) - Schüler sind bei Projektarbeiten außerhalb der Schule auch nach Unterrichtsschluss gesetzlich unfallversichert. Das hat das Bundessozialgericht in Kassel entschieden.

Es gab damit dem 20-jährigen Jochen Knoop aus Steinheim (Baden-Württemberg) recht. Er war nach einem Videodreh für die Schule gestürzt und sitzt seitdem im Rollstuhl. Die Landesunfallkasse Baden-Württemberg muss dafür nun aufkommen (Az.: B2 U 8/16 R).

Knoop war 2013 nach dem Videodreh von einem Mitschüler geschubst worden. Der Sturz auf den Kopf veränderte sein Leben: Nach Koma und Operationen besucht er eine Schule für Körperbehinderte und braucht Therapie sowie Hilfe im Alltag.

Seit fünf Jahren kämpfen der heute 20-Jährige und seine Familie um die Anerkennung des Unfalls durch die Landesunfallkasse. Nach einem Sieg Knoops vor dem Landessozialgericht Stuttgart legte die Unfallkasse Revision ein. Nun ging es vor dem Bundessozialgericht um die zentrale Frage: Handelte es sich bei dem Videodreh um eine Hausaufgabe oder die "Fortsetzung der Schule mit anderen Mitteln?", so der Vorsitzende Richter.

Denn Hausaufgaben liegen im privaten Bereich und sind unversichert. Darauf verwiesen auch die Vertreter der Unfallkasse. Versicherungsschutz gelte nur, wenn die Schule Einfluss auf das Projekt habe und das Risiko für die Jugendlichen mindern könne. Doch Zeit und Ort des Projekts seien freigestellt worden - damit sei keine Aufsicht durch Lehrer möglich gewesen.

Mit klassischen Hausaufgaben am Schreibtisch habe der Videodreh nichts zu tun gehabt, argumentierte Knoops Anwalt Michael Umbach. Der Junge habe sich zudem der Projektarbeit nicht entziehen können.

Dem folgte auch das Bundessozialgericht: Es sei keine Hausaufgabe, wenn Lehrer Schülergruppen aus pädagogischen oder organisatorischen Gründen zusammenstellten und mit einer Aufgabe betrauten, die sie selbst lösen sollen. In diesem Fall finde Schulbesuch in dem Moment und an dem Ort statt, wenn sich die Jugendlichen treffen, urteilten die Kasseler Richter. Damit sei Jochen Knoop im Moment des Unfalls versichert gewesen, als er den Videodreh verließ und sich auf den Heimweg machte.

Urteil BSG

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

"Bares für Rares": Verkäufer lehnt höchstes Gebot aller Zeiten ab - das ist der Grund

In über fünf Jahren flimmerten bereits acht Staffeln von "Bares für Rares" über die deutschen Bildschirme – und sorgte dabei für allerhand kuriose Begebenheiten.
"Bares für Rares": Verkäufer lehnt höchstes Gebot aller Zeiten ab - das ist der Grund

"Die Höhle der Löwen": Maschmeyer plaudert Details über neue Staffel - und diesen Kracher-Deal aus

Gerade laufen die Dreharbeiten zur neuen Staffel von "Die Höhle der Löwen", die im Herbst 2019 auf Vox ausgestrahlt wird. Doch bereits plaudert ein Investor aus dem …
"Die Höhle der Löwen": Maschmeyer plaudert Details über neue Staffel - und diesen Kracher-Deal aus

Erben darf keine Besuchspflicht auferlegt werden

Viele Großeltern wünschen sich regelmäßigen Kontakt zu ihren Enkeln. Doch der sollte freiwillig zustande kommen. Denn setzen Großeltern ihre Enkel unter Druck - noch …
Erben darf keine Besuchspflicht auferlegt werden

Bargeld abgeschafft? Darum kommt uns ein Einkauf teuer zu stehen

Die Deutschen lieben ihr Bargeld - und bleiben stur, wenn es um die Abschaffung desselben geht. Doch genau diese Hartnäckigkeit soll sich laut einer Studie sehr günstig …
Bargeld abgeschafft? Darum kommt uns ein Einkauf teuer zu stehen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.