Risiko und Rendite

Offene Immobilienfonds für Kleinanleger

New York City
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Immobilienfonds stecken das Geld der Anleger oft in Gewerbeimmobilien. Ganz spurlos ging die Corona-Krise auch an diesen Fonds nicht vorbei.

Offene Immobilienfonds sind relativ stabil durch die Corona-Zeit gekommen. Das ist jedoch keine Garantie für die Zukunft. Private Anleger sollten vor einem Investment genau hinsehen.

Frankfurt/Main - Wer nach Anlageoptionen sucht, landet irgendwann auch bei offenen Immobilienfonds. Sie eröffnen Privatleuten die Möglichkeit, für relativ kleines Geld an Immobilien teilzuhaben, ohne selbst Eigentümer zu werden.

Mit ihrem Geld kaufen Anleger Anteile an Fonds, die das eingesammelte Kapital in Immobilien investieren. Den Fonds flossen im ersten Quartal dieses Jahres netto 2,2 Milliarden Euro zu. 2020 sammelten die Gesellschaften rund 7,4 Milliarden ein und verwalteten einer Statistik des Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) zufolge ein Vermögen von rund 119 Milliarden Euro.

Gemessen an mehr als 500 Milliarden Euro in Aktienfonds ist das zwar nicht besonders viel. „Aber dahinter stehen viele Kleinanleger, weil man schon mit recht geringen Beträgen einsteigen kann“, sagt Olaf Stotz, Professor für Asset Management an der Frankfurt School of Finance. Über Sparpläne sind Investments bereits ab 25 Euro möglich.

Mindestlaufzeit bedenken

Das klingt verlockend. Der Einstieg will dennoch überlegt sein. Zu bedenken ist beispielsweise die regulatorisch verankerte Mindestlaufzeit von zwei Jahren. Anleger können erst nach Ablauf der Haltefrist aussteigen und ihre Anteile an die Fondsgesellschaft zurückgeben. Sie müssen die Rückgabe zwölf Monate im Voraus ankündigen. Alternativ ist ein Anteilsverkauf über die Börse möglich, allerdings mit dem Risiko von Preisabschlägen.

Mit dem Kapital erwerben die Fonds bevorzugt Gewerbeimmobilien in Deutschland. Am liebsten Bürogebäude. Auf diese entfiel voriges Jahr fast die Hälfte der Ankäufe, wie die in Berlin ansässige Ratingagentur Scope ermittelte. Einkaufszentren und Hotels legten sich die Fonds in der Vergangenheit ebenfalls gerne ins Portfolio.

Im Zuge der Corona-Pandemie und dem boomenden Onlinehandel ändert sich das. „Es ist ein noch junger Trend, dass die Fonds zunehmend auch Logistikimmobilien erwerben“, stellt Analystin Sonja Knorr fest. Der BVI beobachtet zudem ein wachsendes Interesse der Branche an Wohninvestments.

Insgesamt stabil, aber Rendite-Rückgang

Trotz Corona gelten offene Immobilienfonds nach wie vor als relativ stabile Anlageform. Der Wert der Gebäude an sich unterliegt selten großen Schwankungen. Auch achten die Gesellschaften beim Ankauf auf eine gute Lage der Gebäude, um das sogenannte Abwertungsrisiko zu reduzieren. Das droht zum Beispiel bei Leerstand und Mietausfällen. Die Möglichkeit solcher „Bereinigungseffekte“ müssen Kleinanleger auf dem Schirm haben.

Die aus Anlegersicht zweite wichtige Größe ist die Rendite. Diese lag 2020 im Durchschnitt um die zwei Prozent, das waren etwa 1,2 Prozentpunkte weniger als 2019, wie Scope herausfand. Die Rating-Agentur analysierte dafür 15 Produkte. Für dieses Jahr rechnet sie Knorr zufolge mit einem Rückgang auf rund 1,5 Prozent. Dies sei unter anderem Einnahme-Einbußen als Folge der Pandemie geschuldet.

Profis raten potenziellen Anlegern, sich weder an einer guten Performance noch ausschließlich an einem Rating zu orientieren. Beides beziehe sich auf die Vergangenheit und sage wenig über die zukünftige Entwicklung aus: Indikator ja, Kaufempfehlung nein. dpa

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